„Rumpelstilzchen“: Wenn Puppen plötzlich zum Leben erwachen

Von: Laura Broderius
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Da staunen die jungen Besucher, die sich vor der Bühne aufgereiht haben: Diplom-Puppenkünstlerin Anna Fregin lässt das Rumpelstilzchen ins Märchenspiel einfliegen. Foto: Laura Broderius

Jülich. Mal berlinerisch, mal kölsch oder auch mal mit französischem Akzent – vielfältig besetzt Anna Fregin ihre Figuren mit unterschiedlichen Dialekten und erschafft damit eine eigene kreative Version des Märchens „Rumpelstilzchen“. Damit begeisterte die Puppenspielerin nicht nur ihr junges Publikum, sondern auch die Erwachsenen im Rahmen des 6. Kinderkultursommers der Stadt Jülich im Renaissancegarten der Zitadelle.

„Ick gloob, ick brauch‘ ne Psychoanalyse“, stellt Ratte Annelise fest, die treue Begleiterin von Golda, der Müllerstochter. Nach den ganzen Geschehnissen ist Annelise von Alpträumen geplagt. Nur weil die Müllerstochter den Namen des Rumpelstilzchens in letzter Sekunde herausfand, ging die Geschichte noch gut aus.

„Es hätt ja uch schiefjehn können“, jammert Annelise. Die berlinerisch sprechende Ratte ist der Running-Gag des ganzen Stückes. Mit ihr zäumt Anna Fregin das Pferd von hinten auf und lässt die Geschichte nach und nach als „Psychoannelise“ nochmal Revue passieren.

Mit sehr guter Stimmenimmi-tation, kleinen Gesangseinlagen, königlich gestaltetem Bühnenbild und der zum Geschehen passenden Musik aus den beiden Lautsprecherboxen neben der Bühne haucht sie ihren Figuren Persönlichkeit und Leben ein, die den Zuschauer vergessen lassen, dass es immer noch Anna Fregin ist, die spricht.

Es stört gar nicht, dass sie dabei zu sehen ist – im Gegenteil: Zeitweise nimmt sie im Dialog mit der Ratte selbst die Rolle Goldas ein, kann mit den Figuren zwischen verschiedenen Orten wechseln oder lässt sie auch mal fliegen.

Mit Humor und frechen Sprüchen macht sie das Märchen nicht nur zur Komödie, sondern kreiert zu jeder Figur eine eigene, authentische Persönlichkeit. „Aus jeder Figur ergibt sich der Charakter erst dann, wenn man die Figuren bekommen hat“, gab Fregin nach der Aufführung Auskunft. „Man fängt an zu spielen und irgendwie ist es so, als fangen die Figuren selbst an zu reden und die Stimmlage und die Persönlichkeit ergibt sich einfach. Klingt schizophren – ist aber so.“

So auch bei Rumpelstilzchen, das nicht aus Berlin, wohl aber aus dem Rheinland zu stammen scheint. „Wie heißt dat dann?“, fragt es Golda nach ihrem Baby, das sie ihm als Gegenleistung versprochen hat, sollte er ihr das Stroh zu Gold spinnen. Mit Sprüchen wie „Pass ma auf, Zuckerpüppchen“ oder „Mein Schädel brummt, als hätt ich de janze Nacht jesoffen“, sorgt es durchgehend für Lacher.

Auch der berühmte Tanz um das Lagerfeuer weicht etwas von der gängigen Vorstellung des Märchens ab. „Rump-, Rumpe-, Rumpelstilzchen“ rappt der grüne „Wurzelzwerg“, wie ihn Annelise nennt, und legt ein paar Tanzeinlagen ein.

Der erste Auftritt der Figur – ein Flug mit einem Regenschirm, ironischerweise unter einer rythmischen Version der dramatischen Titanic-Titelmelodie „My heart will go on“ – erntet sogar Applaus.

Auch der französische Akzent des Königs Arthur Schneidewind sorgt ab und an für Irritationen unter seinen Mit-Figuren. So ist und bleibt das Wort „Kräkär“ anstelle von Kerker ein Rätsel für den selbstsüchtigen Schatzmeister des Königs „Schnodder-‘einrich“. Auch vereitelt er mit der Aussprache von „Rümpelstilzchen“ fast das Happy-End der Geschichte. „Doch nicht mit ü!“, empört sich da das Rumpelstilzchen.

Mit ihrem Mann Daniel Wagner als Regisseur führt die studierte Diplom-Puppenkünstlerin das Stück schon seit August 2014 auf. Da ihre Schwiegermutter das Theater Zitadelle leitet, läuft das Stück als Co-Produktion mit dem Theater. „Das entsteht fast alles im Familienkreis. Mein Schwiegervater Ralph Wagner schnitzt die Figuren“, sagt Fregin.

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