Rübenbauern haben die Blattgesundheit der Pflanzen im Blick

Von: Antonius Wolters
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Alles in sattem Grün: Heinz Leipertz präsentiert eine Handvoll Rübenblätter, die er zuvor auf einem Acker bei Stetternich gerupft hat. Foto: Wolters

Kreis Düren. Damit die Zuckerrüben bis zur Ernte genügend Süße entwickeln, verfügt die Pflanze über ein eigenes Kraftwerk: die Blätter. In den riesigen grünen „Solarzellen“ wird mittels Wasser, das über die Wurzel angesaugt wird, und Sonnenlicht die Photosynthese in Gang gesetzt, die dazu führt, dass süß schmeckende Kohlenhydrate in der Knolle eingelagert werden.

Da deren spätere Gewinnung Ziel und Aufgabe der Zuckerfabriken ist, liegt ihnen und den Rübenbauern die Blattgesundheit sehr am Herzen. Im Anbaugebiet, das zur Jülicher Zuckerfabrik zählt und von Düren bis Mönchengladbach und von Aachen bis Neuss reicht, übernehmen Mitarbeiter der Landwirtschaftlichen Abteilung das Blattkrankheiten-Monitoring, das der Ertragssicherung dient.

Dazu werden an 21 Beobachtungsstandorten, die repräsentativ über das gesamte Anbaugebiet verstreut liegen, wöchentlich die Rübenblätter beurteilt. „An jedem Standort rupfen wir insgesamt 100 Blätter“, beschreibt Heinz Leipertz, Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung des Werks Jülich von Pfeifer & Langen, die Vorgehensweise seiner Mitarbeiter, die bei der Blattrupfmethode den jeweiligen Rübenacker in seiner gesamten Ausdehnung begehen.

Festgestellte Blattflecken, für deren genaue Beurteilung auch schon einmal eine Lupe zur Hand genommen werden muss, sind Indikatoren für Blattkrankheiten, deren Auftreten die Leistung des Kraftwerks vermindert und damit auch den späteren Zuckerertrag. Damit sich alle Rübenbauern informieren können, wie es in ihrer Umgebung um den Gesundheitszustand der Rübenblätter bestellt ist, werden die Beurteilungen an allen Standorten online über den Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zuckerrübe (LIZ) verbreitet. Mittwochs um 12 Uhr sind jeweils die neuen Übersichten da, die auch Einblicke in einzelne Befallsverläufe erlauben.

Entscheidende Phase

Die aktuelle Phase der Vegetationszeit ist ein entscheidend, um mögliche Krankheiten in den Griff zu bekommen. Die beschränken sich im Rheinland meist auf drei Hauptgruppen: Der Pilz Cerscopora ist der am häufigsten auftretende Typ. Er kommt bei eher heißem und trockenem Wetter vor, während die damit verwandte Ramularia eher in Jahren mit nasser und kühler Witterung. Vereinzelter Echter Mehltau ist stark sortenabhängig, während Rost harmlosen Pusteln gleicht, dabei jedoch gleichzeitig die Leitungsbahnen im Blatt verstopft, so dass es vergilbt oder ganz abstirbt. Insbesondere auf feuchten Blättern siedeln sich Pilzsporen an. „Morgentau reicht, damit die Sporen keimen können“, warnt Heinz Leipertz.

Die Blattkrankheiten können zwar nicht geheilt, aber die Ausbreitung der Infektion gemindert oder sogar gestoppt werden. So sind die Beobachtungsstandorte auf den Karten des LIZ je nach festgestellten Schadwerten farbig gekennzeichnet: Bei grün ist alles in Ordnung, braun ist die Vorwarnstufe und bei rot ist die Schadschwelle überschritten und es wird den Landwirten eine Behandlung der Kultur mit Fungiziden empfohlen, vergleichbar einem Breitbandantibiotikum.

Schutz hält drei bis vier Wochen

„So viel wie nötig und so wenig wie möglich“, zitiert der Rübenexperte eine Empfehlung aus dem integrierten Pflanzenschutz. Der Schutz der Fungizid-Spritze hält – je nach Witterung – drei bis vier Wochen an. Danach muss möglicherweise eine weitere Gabe erfolgen, so denn die Ernte nicht vor der Tür steht.

Die aktuelle Karte von Mittwoch Mittag weist Standorte im Kreis Heinsberg und im Jülicher Land mit bis zu zehn Prozent kranken Blättern aus, die jedoch teilweise bereits behandelt worden sind.

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