Jülich - Rüben wachsen weiter auf Rekordkurs

Rüben wachsen weiter auf Rekordkurs

Von: Antonius Wolters
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Laborleiter Burkhard Schopen mit einer Schale „Rübenkompott“, der die Grundlage für die chemischen Analysen der Pflanzen ist. Foto: Wolters

Jülich. Es klingt zu diesem Zeitpunkt des Jahres zwar leicht arrogant, entspricht aber wohl den Tatsachen, die auf den Äckern im Einzugsgebiet der Jülicher Zuckerfabrik heranwachsen. „Uns fehlt die Vorstellung, wie man eine gute Ernte noch verhindern könnte“, bekennt Dr. Willi Kremer-Schillings, in Jülich Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung, über die glänzenden Ernteaussichten der Zuckerrüben-Anbauer.

Grundlage für diesen Optimismus sind die Proberodungen in dieser Woche, die einen ersten Aufschluss über den Entwicklungsstand der Pflanzen und ihre Perspektiven geben. Alle Zahlen deuten auf ein weiteres Rekordjahr hin. Bei Mengen- und Zuckerertrag rechnet Kremer-Schillings nach derzeitigem Stand mit einen Zuwachs von gut zehn Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2011.

Im Boden gespeichert

„Dass wir so viel über dem Bestwert liegen, hätte ich nicht gedacht“, gesteht der Rübenfachmann, dessen optimistische Prognosen noch übertroffen worden sind und der sich – siehe oben – auch kein Szenario denken kann, das den Landwirten noch bis zum Start der Rübenkampagne, die Mitte September erfolgen soll, dazwischenfunken könnte. Dazu hat auch und vor allem der jüngste Dauerregen beigetragen, der die Wasserspeicher der Böden randvoll gemacht hat.

So betrage die Wasserkapazität des Bodens laut Deutschem Wetterdienst momentan rund 150 Millimeter, die bei einer Verdunstung von drei Millimetern pro Tag für eine Trockenperiode von 50 Tagen reichen würde, rechnet Kremer-Schillings vor. Solch ein Wert sei jedoch unrealistisch. Zudem reicht das Wurzelwerk der Rüben, die bei der Proberodung von Hand aus dem Boden gezogen wurden, 0,80 bis 1 Meter tief, um die Pflanze mit Feuchtigkeit zu versorgen.

Die Proberodungen im Einzugsbereich der Jülicher Zuckerfabrik erfolgten an insgesamt 21 Standorten, die nach Aussaatterminen, Sorten und verschiedenen Böden einen repräsentativen Querschnitt darstellen und somit alljährlich Mitte Juli den ersten Indikator darstellen, welches Niveau möglich ist. Dazu werden die süßen Knollen zunächst im Jülicher Rübenlabor untersucht, das für alle Zuckerfabriken im Rheinland tätig ist. Laborleiter Burkhard Schopen erläutert den Weg der Rübenproben von der Rampe bis zum Analysegerät. Das halbautomatische Labor, das während der Kampagne Proben von jeder Lieferung durchlaufen, verfügt über Transportbänder, die die Knollen zunächst in eine der beiden Waschmaschinen befördern, in denen die Zuckerrüben von grobem Schmutz gesäubert werden.

Chemische Analysen

Von dort geht es weiter zur Waage und dann zur so genannten Breisäge, die eine Art Rübenkompott erzeugt, der in Edelstahl-Bechern verrührt wird und die Grundlage für die späteren chemischen Analysen darstellt, für die zuvor Portionsgrößen von 23 bis 31 Gramm gebildet werden.

Neben dem Zuckergehalt wird dabei auch ein Profil weiterer Inhaltsstoffe wie Kalium und Natrium ermittelt, die Aussagen über die Qualität zulassen und später bei der Zuckergewinnung wichtig werden.

Diese Qualitätskriterien finden zudem Eingang in die Beratung der Rübenbauern durch die Mitarbeiter der Landwirtschaftlichen Abteilung, die beispielsweise Hinweise zu Art und Zeitpunkt der Düngung geben.

Das gesamte Analysepaket, das zu den einzelnen Proben ermittelt wird, erhalten die betreffenden Landwirte noch am gleichen Abend, berichtet der Leiter des Rübenlabors.

Bei der Proberodung am Dienstag ist beispielsweise bei der Beobachtung der Rübenblätter, die eine wichtige biologische Funktion haben, ein „ganz leichter Anfangsbefall“ festgestellt worden. Daraus leitet Dr. Willi Kremer-Schillings die Empfehlung an die Rübenbauern ab, mit der Beobachtung auf den eigenen Feldern zu beginnen und bei einem Befall die Kulturen zügig zu behandeln – möglichst noch vor der Getreideernte.

Zudem hat das Jülicher Werk ein eigenes Monitoring von Blattkrankheiten, dessen im Internet veröffentlichten Ergebnisse von den Rübenbauern stark beachtet werden. „Es gibt immer noch Parzellen mit Wildrüben und Schossern“, regt Kremer-Schillings an, diese bald zu entfernen.

Die nächste Proberodung steht Mitte August auf dem Plan, danach geht es im 14-tägigen Rhythmus weiter bis Mitte September, wenn nach der bisherigen Planung die Rübenkampagne 2014 starten wird.

Arbeit am fünften Stern

Wenn man den Kollegen von Willi Kremer-Schillings glauben darf, arbeitet der scheidende Chef gerade an seinem fünften Stern. Vier Mal hat es Rekordernten gegeben, seit der Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung in Jülich wirkt, doch diesmal könnte er alle bisherigen Resultate noch toppen, wenn sich die bisherigen Prognosen auch nur annähernd bewahrheiten.

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