Rotes Herzchen und blutige Nase

Von: gep
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Titz/Jülich. „Es war nett” an diesem Valentinstag, so beschrieb einer der Männer den Februarabend in der Gemeinde Titz. Man habe in der Wohnung der polnischen Nachbarin J.G. (50), einer Kartenlegerin, eine Suppe gegessen, „ein paar Bierchen” getrunken und sich „gut unterhalten”.

Doch nach dem Spülen - ein Nachbar war so nett - gab es Zoff. Laut Anklageschrift vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen. Der Angeklagte, der Slowake J.I. (57) und Ex von J.G., beteuerte aber vor dem Amtsgericht Jülich, es sei „kein einziges Wort wahr”. „Es war irgendwas in Richtung Körperverletzung”, stellte Strafrichterin Claudia Wolny fest.

Aber angesichts der „vielen Ungereimtheiten” (Wolny) erklärte sich die Staatsanwältin mit der Einstellung des Verfahrens unter Auflagen nach § Paragraph 153a der Strafprozessordnung einverstanden. Innerhalb von sechs Monaten muss der Beschuldigte, der somit als nicht vorbestraft gilt, 300 Euro für die Jülicher Tafel einzahlen.

Was an jenem Valentinstag - die Gastgeberin erhielt dazu und zu ihrem Geburtstag ein „rotes Herzchen” - wirklich geschah, darüber ergaben die Ausssagen kein klares Bild. J.I. erklärte mit Hilfe einer Dolmetscherin, dass er per Telefon zu der kleinen Feier eingeladen worden sei. Er hatte schon vier Bier getrunken, vier Flaschen („Ich trinke nur Bier”) leerte er dann noch bei seiner Ex.

Diese habe ihm anhand von Tarot-Karten weisgesagt, dass er „bis Ende des Monats tot” sein werde. Und er habe den Eindruck gehabt, man wolle ihn „psychisch kaputtmachen”. Das habe ihn „total irre” gemacht. Beim Verlassen der Wohnung habe er den einen der Männer „weggeschoben”, der andere sei „hingefallen”. Als die Frau ihn mit „Raus, raus” zum Verlassen der Wohung aufgefordert habe, habe er sie nur aus dem Weg „geschubst”.

F.-J.L. (57), Rentner und schwerhörig, sagte aus, der Angeklagte sei „total außer sich gewesen” und habe mit der flachen Hand mehrmals „mit voller Wucht” ihm und H.S. (34), einem arbeitslosen Maler, ins Gesicht geschlagen. Einer der beiden Männer ging sogar bewusstlos mit blutender Nase zu Boden und klagte danach über Sehstörungen.

S. bezifferte seinen Bierkonsum auf fünf bis sieben Flaschen in den fraglichen zweieinhalb Stunden - „Ich war nicht besoffen”. L. sprach von drei bis vier Flaschen und beteuerte ebenfalls auf Nachfrage der Richterin, „nicht besoffen” gewesen zu sein.

Nach Angaben der polnischen Gastgeberin, mit der J. I. ebenfalls später laut F.-J.L. „handgreiflich” geworden sei, sei ihr Ex „ohne Grund aggressiv” geworden. Auslöser sei vermutlich gewesen, dass sie sich auf Deutsch unterhalten habe, der Slowake aber gefordert habe, Polnisch zu sprechen.

Auch habe er sie bezichtigt, falsch übersetzt zu haben. Dann habe er „plötzlich angefangen zu schreiben” und „gedroht, alle umzubringen”. In „sechs Sekunden” habe er die Anwesenden verprügelt, überall im Wohnzimmer sei Blut gewesen, sogar am Fernsehgerät. L. habe er „sogar getreten”.

Zwei Jahre sei sie mit J.I. zusammen gewesen, bis September 2011. Zu Beginn habe er „nicht getrunken, aber später habe er sie „getreten und geschlagen”.

Unterm Strich widersprachen sich die Zeugenaussagen in wichtigen Einzelheiten, so dass das Verfahren eingestellt wurde.
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