Rossini in Barmen: Kleine Messe zelebriert

Von: hivi
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Rossinis „Petit Messe solonelle“ verlangte in Haus Overbach Chor und Solisten außergewöhnliche Leistungen ab. Foto: W. Emde

Barmen. Es war ein musikalisches Projekt der Superlative. Der Overbacher Kammerchor bot „Petit Messe solonelle“ von Gioachino Antonio Rossini (1792 - 1868). Es ist ein selten aufgeführtes Werk, das Chor und Solisten außergewöhnliche Leistungen abverlangt und eine Gradwanderung zwischen weltlicher und kirchlicher Musik darstellt.

Das Werk aus der Spätschaffenszeit von Gioachino Rossini verbindet eine weltliche und spirituelle Welt in wohltuender Weise, die unserer Zeit gerecht wird. Religion ist Freude, Erfüllung. Religion ist Einklang mit der Natur und der Welt. Religion findet letztendlich Ausdruck in Musik und Gesang. Schlicht, Gotteslob war angesagt in der Aufführung der Messa Solenne.

Nicht ganz zu Unrecht wurde mancherorts eine „Oper in der Kirche“ angekündigt, was zu einigen Verunsicherungen führte. Die Freude an der Musik und dem Gotteslob wurde in der Komposition von Puccini lebendig zelebriert und fand in der Interpretation des Overbacher Kammerchores, der Solisten und des musikalischen Leiters Kerry Jago eindringlichen Ausdruck.

Rossini, ein berühmter Feinschmecker, ist durchaus für die fröhliche Darstellung des Lebens bekannt. Aber Krankheit, finanzielle Probleme und durchaus menschliche Sorgen ließen ihn im späteren Leben weniger fröhliche Werke komponieren. Der Verlust der Eltern und seiner Gesundheit brachten eine Verinnerlichung seiner Grundhaltung und beeinflussten seine Kompositionen. Politische Wirren und Fehlentscheidungen erschwerten den persönlichen Weg des erfolgreichen Komponisten. Rossini blühte nach seinem Stabat Mater noch einmal privat und schöpferisch auf, komponierte in seinen letzten Jahren Lieder Klavierstücke und Ensembles, die unglaublichen Charme und Esprit verrieten. Sein größtes Werk der letzten Jahre ist die Messa Solenne für zwölf Stimmen, zwei Klaviere und Harmonium. Dieses Werk zählt zu den erlesensten aus dem Schaffen Rossinis und wird zu Unrecht nur selten aufgeführt und in seiner „Opernkiste“ abgelegt. Dem Kammerchor gelang an diesem Novembersonntag eine Aufführung dieses Meisterwerkes, die größte Aufmerksamkeit in der Musikwelt verdient hat.

Hochwertiges Harmonium

Durch die Schenkung eines hochwertigen Harmoniums, gestiftet von Ina Keutmann aus dem Nachlass ihres Vaters und wiederhergestellt von dem Fachmann Klaus Langer, war es erst möglich dieses besondere Werk getreu der Komposition aufzuführen. Neben den individuell glänzend gespielten Partien des Klaviers durch Christoph Schnackertz und des Harmoniums durch Michael Mohr glänzte der Overbacher Kammerchor durch sensible Interpretation und stimmlich glänzende Partien.

Die Solisten waren harmonisch in die Komposition eingebunden und bestachen durch stimmliches Volumen und natürliche Ausstrahlung. Dorothea Jakob und Bettina Mall überzeugten mit klarem Sopran und vollem Alt. Udo Glasmacher meisterte bestens, obwohl seine Partie „Domine Deus“ ihn fast an die Grenzen seines stimmlichen Volumens brachte. Joachim Hoeschbauer, der für den erkrankten Bassisten Johannes Nilges kurzfristig eingesprungen war, begeisterte durch Stimmvolumen und Flexibilität.

Der Charme der Komposition Rossinis lag in der Emotionalität, der weltlich anmutenden Interpretation des lateinischen Kirchenritus. Opernhafte Arien, die den Solisten künstlerischen Raum gaben, in sich aussagekräftige solistische Instrumentalparts, gewaltige und klangliche differenzierte Chorpartien kennzeichneten unter einer straffen Führung des Leiters Kerry Jago ein beeindruckendes und gehaltvolles Konzerterlebnis in Barmen.

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