Jülich - Rosa Traum entpuppt sich als Kinderrad

Rosa Traum entpuppt sich als Kinderrad

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Dass sich ihr ersteigerter Drahtesel als Kinderrad entpuppte, stört Itzel Nieto (re.) nicht. Im Gegenteil, sie freut sich mit Isabella Albert (Mitte), die die Auktion im Hof der Stadtverwaltung Jülich, aufgetan hat, und Sarah Böhme (li.). Foto: Christina Diels

Jülich. Als das Wort „rosa” fällt, ist es um Itzel Nieto geschehen. Auf Rosa steigt die Studentin in die Versteigerung ein. Der Auktionär, ein hoch gewachsener Mann mit Schnurrbart, stellt eines von 50 herrenlosen Fahrrädern vor: „Rosa, Rahmengröße 24, reparaturbedürftig, Mindestgebot ein Euro.”

Nieto, 23, denkt nicht an Rahmengröße und Reparatur. Sie träumt von ihrer Lieblingsfarbe. In einer Garage im Hof der Jülicher Stadtverwaltung drängen sich rund 80 Menschen. Es ist der Tag, an dem die Stadt die Fundsachen versteigert.

Weil es regnet, hat Jessica Fischer von der Stadt Jülich den Schnäppchenjägern die Garage geöffnet. „Jedes Jahr kommen viele Räder unter den Hammer”, sagt sie. Es sind die herrenlosen Drahtesel, die am Straßenrand stehen bleiben. Wenn sie nicht zu den mehr als 1200 Rädern gehören, die im Jahr 2008 als gestohlen gemeldet wurden, und die Polizei keinen Besitzer ausfindig machen kann, gehen sie in den Besitz der Kommunen über. Das sagt Polizei-Pressesprecher Willi Jörres. Die Aufklärungsquote liege bei elf Prozent. Es sei schwer, Tatverdächtige zu ermitteln.

Nieto steht auf Zehenspitzen. Sie sieht nur Hinterköpfe. „Für einen Euro kannst Du nichts falsch machen”, bestärkt Sarah Böhme (21) ihre Freundin. Nieto hebt die Hand. „Ein Euro zum Ersten”, ruft der Auktionär. Nieto will das Rad ersteigern. Um der Farbe willen. „Ein Euro zum Ersten. Zum Zweiten.” Auch um des Ersteigerns willen. „Und zum Dritten.”

Als sie das rosafarbene Kinderrad kurz darauf aus der Garage schiebt, sagt sie lachend: „Wir wussten nicht, dass es so klein ist.” Macht nichts. Die Versteigerung geht weiter.

Während Nieto überlegt, wie hoch sie den Sattel schrauben muss, damit ihr das Zweirad passt, beobachtet Böhme konzentriert die Auktion. Auch kleinere Gegenstände sind dabei, eine Kameratasche wird für für 2,50 Euro versteigert. Ein Karnevalsoberteil bemüht sich vergeblich um einen neuen Besitzer. Einige Zweiräder gehen zum Erstgebot weg.

„Das billigste Stück heute ist ein Fahrrad, für 30 Cent”, sagt Fischer. „Wahnsinn”, staunt eine ältere Dame mit pinkfarbenem Haarband. „Vielleicht heißt 50 Cent, dass nur die Ersatzteile brauchbar sind”, vermutet Böhme. „Und ein Euro, es muss repariert werden.” Sie bietet für ein Damenrad mit, steigt aber bei neun Euro aus. Es folgt ein Dutzend Räder mit Reparaturbedarf, dann eine Markenuhr. Die geht zum Höchstgebot des Nachmittags für 31 Euro weg. Am Ende wird Fischer 487,40 Euro für die Stadtkasse zählen.

Dann kommt ein Paket: zwei Räder für neun Euro, eines „gebrauchsfähig”. Böhme will zuschlagen. Fünf Euro - sechs Euro. Sieben Euro - „ich gehe bis zehn mit”, sagt sie zu ihrer Freundin. Am Ende erhöht sie doch noch auf elf Euro und zieht doch den Kürzeren. Adam Mocken, 71, hat die Garage da schon verlassen. „Ich habe mein Elektrorad auch ersteigert”, sagt er. „Im Internet. Das ist einfacher.” Er dreht am Griff des Lenkers und sein Rad macht einen Schub nach vorne.

In der Garage wartet Sarah Böhme auf ihre Chance. Bei einem blauen Herrenrad für neun Euro schlägt sie zu. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten.” Sie schiebt den Drahtesel aus der Garage. „Ich nenne ihn Hans”, sagt sie zu Nieto. Eigentlich wollte sie eine Helga. Die gab es heute leider nicht.
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