Roman „Blackout“: Tiefer Sturz aus der Rundumversorgung

Von: Kr.
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Gerne signierte Marc Elsberg seine Bücher und suchte und fand im Anschluss an seine Lesung das Gespräch mit seinen Lesern. Foto: Kròl

Jülich. Hinter dieser Idee stand der Gedanke, über ein Buch miteinander fachübergreifend ins Gespräch zu kommen. Da tauscht sich die Verwaltungsangestellte mit dem Doktoranten aus. Die Laborkraft hat das Buch ebenfalls gelesen und diskutiert darüber mit der Laborleitung. Die Maschinenbauerin redet mit dem IT-Spezialisten und dem Bibliotheksmitarbeiter.

Und damit ist das Ziel schon erreicht, dass sich der Stifterverband in Kooperation mit der Klaus Tschira- Stiftung und der Zeitschrift „Die Zeit“ mit der Ausschreibung des Wettbewerbs „Eine Uni – ein Buch“ gesetzt hatte. Alle deutschen Hochschulen konnten teilnehmen und ein Buch vorschlagen, mit dem sie sich ein Semester lang auf unterschiedliche Weise beschäftigen wollten, und darüber ins Gespräch kommen.

Die zehn überzeugendsten Konzepte erhielten den Zuschlag. Eines davon präsentierte die Fachhochschule Aachen. Wie könnte es anders sein. Die FH hatte sich natürlich ein Buch mit technischem Hintergrund ausgesucht und sich für „Blackout – Morgen ist es zu spät“, einem Wissenschaftsthriller von Marc Elsberg, entschieden.

2012 erschienen und zum Wissensbuch des Jahres gewählt, mittlerweile in 17 Sprachen übersetzt und 1,5 Millionen Mal verkauft, ist dieses Buch ganz nah an der Wirklichkeit und lieferte sogar die Vorlage für Zivil-und Bevölkerungsschutzeinrichtungen, ihre Maßnahmen zum Katastrophenschutz noch einmal zu überarbeiten.

Marc Elsberg selbst hat gründlich recherchiert, mit Wissenschaftlern, Politikern, Netzbetreibern und Katastrophenschützern gleichermaßen gesprochen und lange am Szenarien „herumgebastelt“, bis er sich für einen europaweiten Stromausfall entschied.

Man stelle sich vor. Es ist ein kalter Februartag, und nach und nach geht in ganz Europa das Licht aus. Der totale Blackout, der auf einen Terroranschlag zurückzuführen ist und über einen längeren Zeitraum anhalten soll. Und dann werden erst einmal die Auswirkungen klar.

Die Menschen gelangen nicht mehr zu ihren Arbeitsstätten, denn mit Strom betrieben wird der öffentliche Personennahverkehr, die Tankstellen funktionieren nicht mehr, Ampelanlagen fallen aus, ebenso Verkehrsleitsysteme. Bald versagen die Heizungen und die Wasserwerke, denn auch ihre Pumpen laufen auf Strom. Die Versorgung bricht zusammen, Lebensmittel werden knapp, in den Ställen der Mastbetriebe verenden die Tiere und, und, und…

Es ist der Horror. Und das schlimmste an diesem Buch ist: Es ist vorstellbar. „Ich war selbst erschrocken, als ich dieses Buch geschrieben habe“, sagt dann auch der Autor Marc Elsberg, der im Rahmen dieses Projektes zur Auftaktveranstaltung die Fachhochschule Aachen besuchte. Am Morgen sah er sich auf dem Campus in Jülich um und erfuhr dort, dass die Wissenschaft einen solchen Blackout schon im Blick habe, das Szenario durchdenkt und an Gegenmaßnahmen arbeitet.

Vor einem kleinen Kreis aus Lernenden und Lehrenden, die sich mit solchen Themen befassen, las Elsberg anschließend aus seinem Buch. Dabei erwies sich, dass er nicht nur mit dem geschriebenen Wort umgehen, sondern auch ebenso spannend und mitreißend erzählen kann. Und er ließ sich gerne in die Karten schauen .Er berichtete von der Entstehungsgeschichte seines Buches, und wie er auf dieses Thema verfallen war. „Ich wollte einfach nicht wieder den zigtausendsten Mord beschreiben, der von einem Kriminalisten gelöst wird, der ebenso kaputt ist, wie sein Gegenüber“, erklärte er.

Über einen Artikel, bei dem es sich um die Produktion einer elektrischen Zahnbürste ging, die aus unzähligen Einzelteilen zusammengesetzt wird, die aus aller Welt kommen und deren Anlieferung eine reibungslose Logistik erfordern, brachte ihn zum diesem Thema.

„Unsere extrem vernetzte Gesellschaft bietet Möglichkeiten aber auch Risiken. Wenn da etwas schief geht, wird ein regelrechter Dominoeffekt erzeugt“, erklärte er und meinte abschließend: „Wir sind rundherum abhängig. ‚Blackout‘ ist aber auch eine Geschichte, die uns zeigt, welche Errungenschaft diese Rundumversorgung mit sich bringt. Sie ist auch eine Herausforderung, sich der Dinge bewusst und Gedanken zu machen, wie man die Systeme verbessern kann.“

Im Anschluss an seinem Besuch in Jülich ging es weiter nach Aachen, wo Vorträge und Podiumsdiskussionen auf dem Programm standen.

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