Rollen bald auch Autos über die Fußgängerzone des Jülicher Markts?

Von: Volker Uerlings
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Vielleicht wird der Jülicher Marktplatz bald als „shared space“ getestet: Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Untersätze teilen sich dann für eine gewisse Zeit die Fläche. Foto: Jansen

Jülich. Von oben wirkt der Jülicher Marktplatz prächtig. Da sind sich alle Betrachter einig, auch Architektur Professor Joachim Loseck aus der Herzogstadt: „Ein richtig schöner, guter Platz mit großer Historie.“ Auf dem Boden der Tatsachen bleibt allerdings von dem Glanz nicht viel übrig.

Das Pflaster ist oft locker, an vielen Stellen geflickt, und der Wechsel von Rauten und Vierecken lässt sich beim Spazieren in Gänze nicht erfassen. Bald wird das vielleicht noch schwieriger, wenn sich nämlich die Stadt dazu entschließen sollte, diesen Teil der Fußgängerzone für eine Testphase auch für fahrbare Untersätze zu öffnen, die dann im Schleichtempo über den Platz rollen dürften.

Die Diskussion darüber ist seit Donnerstagabend im Gange. Joachim Loseck war Gast im Ausschuss für Kultur, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung, weil in der Stadt nach Ideen zur Belebung der Innenstadt gesucht wird. Außerhalb der Wochenmarkttage ist der zentrale Jülicher Platz keine pulsierende Mitte des Mittelzentrums. Im Fachjargon des Experten Loseck hört sich das so an: „Beschränkte Aufenthaltsqualität durch fehlende Nutzung mit Verweildauer.“

Er empfahl – nicht zum ersten Mal – „die alte Erfindung der Niederländer“ in Jülich einfach einmal zu testen: „shared spaces“, also Räume, die sich alle Verkehrsteilnehmer teilen und aufeinander Rücksicht nehmen. Loseck: „Wir müssen die Menschen wieder auf den Marktplatz bringen – egal ob mit dem Auto, dem Fahrrad, dem Moped oder zu Fuß.“ Diesen Vorschlag unterbreitet er, weil er fast nichts koste und mit ein paar Schildern schnell umsetzbar wäre. Möglicherweise kommt es im Zuge des Kreishaus-An- und -Neubaus ohnehin zu einer solchen Verkehrsführung, weil Kapuziner- und/oder Düsseldorfer Straße gesperrt werden müssen.

Gedacht ist nicht daran, dass Autos oder Motorräder im Marktbereich parken dürften, sondern maximal kurz vor einem Geschäft halten: „Rein, raus, weiterfahren.“ Mit zwei Verkehrsregeln wäre es getan: Rechts vor Links und Tempo 30. Der Architekt hat nach eigenen Angaben mit allen Marktbeschickern und Geschäftsinhabern über eine weitere Idee gesprochen: „Ja, eine Überdachung des Platzes würde bei schlechtem Wetter die Umsätze steigern.“ Das muss man sich jetzt nicht zwingend als festes Dach vorstellen.

Wie Ausschussvorsitzender Peter Capellmann (CDU) darlegte, könnte das auch mit im Boden versenkbaren Schirmen erreicht werden. Loseck hatte auch „mal einen Glaskubus“ auf dem Marktplatz geplant, „obwohl ich mir selbst nicht so sicher bin“. Aber: „Wir müssen in alle Bereiche hineindenken und einfach etwas wagen.“ Einer kleinen Forschungsstadt wie Jülich stehe es zu, mit Ideen aufzuwarten, die sich andere nicht zu realisieren trauten.

Diskussionszelt an Ort und Stelle

Ein weiterer Vorschlag des Architekten fand großen Zuspruch: nämlich auf dem Marktplatz auf Zeit ein großes Zelt zu errichten, unter dessen Dach Verantwortliche und Bürger zusammenkommen, um sich auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Quasi an Ort und Stelle.

Auch wenn es Widersprüche gegen die Vorstellung eines befahrbaren Marktplatzes gab – so von den Grünen –, schienen im Fachausschuss alle politischen Kräfte bereit, sich mit vielen Ideen gedanklich auseinanderzusetzen. Bürgermeister Axel Fuchs fand das erfreulich: „Wir treten in eine richtige Diskussion ein!“

Joachim Losecks und weitere Vorschläge werden im Lenkungskreis Stadtmarketing erneut zur Sprache kommen, dessen Auftrag es ist, dem Stadtrat geeignete Maßnahmen zur Belebung der Jülicher Innenstadt zu unterbreiten.

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