Römer-Funde sorgen für Baustopp in Mariengartenstraße

Von: Guido Jansen
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Eine große Baustelle: Die Marienartenstraße ist derzeit mit Löchern, Bauzäunen und Absperrungen übersät. Foto: Guido Jansen

Jülich. Zwei Mädchen laufen über die Mariengartenstraße und treffen auf einen Bauarbeiter. Sie fragen: „Wann macht ihr das Loch vor unserem Haus weg?“ Der Bauarbeiter lächelt. Eine Antwort hat er aber nicht. Er kann sie nicht kennen.

„Wir bauen für Sie – bis Dezember“: So stand es in der Mariengartenstraße zu lesen; im vergangenen Herbst. Und dann sind die Römer den Kanalarbeiten dazwischen gekommen. Gut möglich, dass die Arbeiten diesmal im Dezember fertig werden – ein Jahr später als geplant. „Wir hatten hier Monate lang Baustopp“, sagt Robert Helgers vom Jülicher Tiefbauamt. In der Grube fanden Archäologen Relikte aus der Römerzeit. Sie sind mittlerweile abtransportiert und werden ausgewertet.

„Wir wussten von Kanalarbeiten aus dem Jahr 1968 nur, dass da was war“, erklärt Marcell Perse, der Leiter des Museums Jülich. Das hat sich im vergangenen Jahr bestätigt. „Wir haben da eine sehr dichte Befundlage angetroffen“, sagt Perse weiter, dass unter dem Bürgersteig in der Mariengartenstraße mehr zu finden war als erwartet.

Dann greift das Denkmalschutzgesetz. Das besagt, kurz zusammengefasst, dass der Verursacher einer Baumaßnahme geradestehen muss für Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. Und wenn die Zeugnisse im Zuge des Baus zerstört werden, dann müssen sie vorher ausgiebig dokumentiert werden. Genau das ist in der Mariengartenstraße der Fall.

„Für die Archäologen ist das natürlich spannend“, beschreibt Perse den Fund. „Für den Bauablauf wird es schwierig.“ Diesmal bedeuteten die Funde einen vollen Baustopp über Monate. Für die Anwohner ziehen sich die Staub- und Lärmbelastung und eingeschränkte Befahrbarkeit in die Länge.

Und weil das so ist, haben sich Stadt und Stadtwerke Jülich entschieden, gleich alles auf einmal zu machen. Die Stadtwerke hatten das Erneuern der Versorgungsleitungen in der Mariengartenstraße für spätestens übernächstes Jahr auf der Liste. Für die Anwohner und für die Stadtwerke hätte es selbiges Prozedere bedeutet wie bei den Kanalarbeiten.

„Man hätte direkt am Haken der Dokumentationspflicht gehangen. Ob man dabei Dinge gefunden hätte, die über aktuellen Befunde hinausgehen, ist zu bezweifeln“, erklärt Perse. In Absprache mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege haben sich die Stadtwerke und die Archäologen eine Lösung einfallen lassen.

Aus zwei Maßnahmen wurde eine, die neuen Versorgungsleitungen der Stadtwerke sind so gut wie möglich genau so verlegt worden wie die alten. Damit wird verhindert, dass ein neuerliches Zerstören der Befunde erfolgt und somit die ausführliche Dokumentationspflicht greift. Perse und Helgers sind sich einig, dass zwei zeitlich getrennte Maßnahmen langwieriger und auch teuerer geworden wären.

„Derzeit arbeiten die Stadtwerke ihre Baustelle ab. Wenn das abgeschlossen ist, dann ziehen wir nach“, sagt Helgers. Bis Dezember – das sollte klappen.

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