Röhre statt Baum: 80 Fertigwohnungen für die Steinkäuze

Von: Kr.
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Kleine Öffnung reicht für Familie Steinkauz: Dennoch wird der Wohnraum knapp. Foto: Imago

Mersch. Steinkäuze haben es heute schwer. Mäuse, Würmer und Käfer, die ihnen als Nahrung dienen, gibt es zwar genügend, doch der Wohnraum ist äußerst knapp. Immer mehr Streuobstwiesen, in deren alten Bäumen sie ideale Wohnbedingungen fanden, verschwinden aus der Landschaft.

Alte Scheunen, in denen sie auch gerne Unterschlupf suchten, werden ebenfalls immer weniger, und an ihrer Stelle treten neue Gebäude, die nahezu hermetisch abgeriegelt sind. Wo also soll diese kleine Eulenart noch ihre Jungen großziehen?

Waren 1992 es im Gebiet der Kreise Euskirchen und Düren noch etwa 330 Brutpaare, so schätzt Doris Siehoff, die ehrenamtlich für die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen im Kreis aktiv ist, ihre Zahl für den hiesigen Raum auf etwa 80 bis 120 Paare.

Doch wo die Natur nicht mehr ausreicht, kann der Mensch gerne nachhelfen. Der Kreis Düren sprang als Wohnungsbaugesellschaft für Steinkäuze in die Bresche und orderte bei einer Behindertenwerkstatt 80 Niströhren für diese mittlerweile selten gewordene Eulenart. Gemeinsam mit der biologischen Station des Kreises fiel Doris Siehoff die Aufgabe zu, für einen den Lebensbedingungen der Nachtjäger angepassten Standort und die ordnungsgemäße Anbringung zu sorgen.

Etwa 80 bis 100 Zentimeter sind die Röhren aus unbehandeltem Holz lang. Sie wurden mit einem Marderschutz versehen und von außen mit wasserdichter Folie verkleidet. Das Einflugloch hat einen Durchmesser von etwa 6,5 cm.

Damit die Eulen die neue Wohnung gut annehmen, wird der Brutraum mit Streu aufgefüllt. In unmittelbarer Nähe könnten ruhig zwei solcher Röhren hängen, so erklärt die Tierschützerin. Der Trend bei den Steinkäuzen geht zur Zweitwohnung, die als Vorratslager oder Ausweichquartier für ein Elternteil dient, wenn die Jungen größer werden.

Eine Streuobstwiese ist ein idealer Standort für die Eulenwohnung. Das Gras sollte möglichst kurz gehalten sein. Das erleichtert den Tieren die Jagd. Nicht schlecht ist auch eine Scheune in der Nähe, wo die Tiere auch im Winter noch Nahrung finden.

Um solche Standorte zu finden, ist Doris Siehoff natürlich auf Hilfe angewiesen. Wilfried Moll, ehemaliger Biologielehrer, Vogelfreund und Mitglied im Nabu weiß von der Existenz von Steinkäuzen in der Umgebung seines Hauses. Er hatte außerdem noch einige andere Orte ausgemacht, die sich als neuer Wohnort für Steinkäuze eignen könnten.

So kam nun Doris Siehoff in Begleitung von Achim Schumacher mit zehn Röhren nach Mersch, um mit Moll die Steinkauzröhren anzubringen. Die erste wurde in Mersch auf einem Kirschbaum angebracht, die Fahrt ging weiter nach Pattern, Sevenich, Serrest und Welldorf. Jährlich werden die Röhren kontrolliert, sind sie bewohnt, werden auch zur Aufzuchtzeit die Jungen beringt. Dankbar nehmen die Eulen übrigens diese Röhren an. Zwei Drittel aller aufgehängten Kästen sind bewohnt.

In den nächsten Monaten will Siehoff übrigens ein „Verhören” - so wird die akustische Wahrnehmung der Eulen bezeichnet - vornehmen, um schätzen zu können, wie viele Steinkäuze den strengen Winter überstanden haben.

NRW ist das Steinkauzland Nr. 1 in Deutschland. Hier lebt 70 Prozent der Gesamtpopulation.
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