Rödinger Kunstausstellung stößt Diskussionen an

Von: jago
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Brigitte Habigs Galerie „Alte Weberei“ in Rödingen ist ein Ort, in dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern auch in Gesprächen mit den Künstlern gelebt wird. Aktuell vertreten sind Heike Tödt (links), Kalle Hommelsheim (2.v.l.) und Kohen Shaikh Amin (2.v.r.). Foto: Jagodzinska

Rödingen. Bilder von Heike Tödt, Objekte von Kalle Hommelsheim und Skulpturen von Kohen Shaikh Amin – diese Kombination veranlasste einen Besucher der aktuellen Ausstellung in der Rödinger Galerie „Alte Weberei“ zu der bemerkenswerten Feststellung: „Diese Werke hätten mir auf der ‚documenta‘ in Kassel gefallen, das ist besser als vieles des dort Präsentierten.“

Diese Einschätzung war kein Einzelfall und darf als Beleg für die hohe künstlerische Qualität gesehen werden, die das Werk der Aussteller kennzeichnet.

Was bewegt Kalle Hommelsheim, seine Objekte in Käfige aus Rundstahlkonstruktionen zu sperren? Will er sie vor dem Zugriff schützen, will er sie isolieren, oder will er sie als Opfer darstellen? Der Betrachter stellt sich bei der Annäherung unweigerlich Fragen und findet die auf nahezu alle Objekte zutreffende Antwort im Gespräch mit dem Künstler: „Ich will Diskussionen anstoßen.“

Unter anderem thematisiert er die durch den Braunkohletagebau erzwungene Umsiedlung von Menschen und hinterfragt kritisch die Zerstörung historischer Kulturlandschaften. Andere Arbeiten offenbaren den Kunstschaffenden als Fußballfan, der aus linearen Begrenzungen wie etwa denen eines Strafraums Flucht(t)räume mit Tiefenwirkung entstehen lässt; wieder­ mit der Absicht, sich gedanklich in die Interpretation locken zu lassen.

Kohen Shaikh Amin beschreibt mit seiner Installation aus der Reihe „Wai“, einer Platzierung von sieben hockenden gesichtslosen Individuen auf Paletten, die Vertreibung von Menschen aus ihrem Umfeld. Menschen, denen die Heimat geraubt wurde, gibt der aus Bangladesch stammende Künstler die Würde des Menschseins wieder, indem er Mitgefühl aufkommen lässt.

Die Gesichtslosigkeit der Figuren gibt der Installation eine fundamentale Universalität. Sie legt den Finger in die Wunde einer wohlhabenden westlichen Gesellschaft, die es sehenden Auges zulässt, dass tagtäglich für das einzelne Individuum selbst in einer größeren Gruppe existenziell bedrohliche Fluchtsituationen entstehen.

Anregende Gesprächsrunde

„Ich mache keine lieben Bilder“, sagt Heike Tödt bei einem gemeinsamen Kunst-Spaziergang mit den beiden anderen Künstlern. Die so entstandene entspannte und anregende Gesprächsrunde nimmt ihren Bildern den Schrecken, den man als Einzelbetrachter zunächst empfinden kann. Heike Tödts Kinder, fast immer sind es Mädchen, kommen nicht lieb daher. Sie bedrohen sich lachend mit Waffen, beißen Kuscheltiere oder spielen aufreizend mit dem Feuer, und dennoch sind sie eines nicht: Sie sind nicht böse.

Die Künstlerin beginnt ihre Werke stets mit einem Kopf, um den herum „die Dinge dann intuitiv geschehen“. Surrealistisch, naiv, fantastisch, es gibt viele Schubladen, in die die Bilder zu passen scheinen, doch beim Schließen der jeweiligen Schublade dürfte diese klemmen, Heike Tödts Mädchen sind freie Kinder, „so wie ich selbst eines war“. Die Interpretation hin zu einem latent vorhandenen Feminismus ist nicht abwegig, die Malerin selbst würde dies sicher nicht abstreiten, in Gedanken dann vielleicht ein Messer zücken und lachend davonlaufen.

Die Ausstellung ist noch am kommenden Samstag und Sonntag jeweils zwischen 15 und 19 Uhr geöffnet.

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