Rocker und Rechte in Jülicher City

Von: Volker Uerlings
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Die eine Hälfte der „rockerähnlichen Gruppierungen“, die sich am Dienstag in Jülich gegenüberstanden, trug die Kutten als „Unterstützer (Supporter)“ der „Bandidos. Foto: dpa

Jülich. Das Jülicher Ehepaar hatte ein festes Ziel: die stadtbekannte Eisdiele. Bei der kleinen Radtour dorthin wurde beiden angst und bange: „Es war ein beklemmendes Gefühl.“ Auf der Kölnstraße nämlich radelten sie durch eine Gasse, die rechts und links von augenscheinlich gewaltbereiten jungen Männern gesäumt war.

Etwa 40 an der Zahl, die „rockerähnlichen Gruppierungen“ angehören, wie die Kreispolizeibehörde das ausdrückt. Die Rocker trugen Kutten, in der Nähe befanden sich etliche Motorräder. Sie standen sich am Dienstagabend zum zweiten Mal in dieser Woche gegenüber – zuvor am Sonntag auf dem Walramplatz, wie Polizeisprecher Ralf Meurer auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Zwei Mal ist praktisch nichts passiert.

Meurer: „Zwischen den Personen ist es nach Polizeikenntnis nicht zu Straftaten gekommen.“ Das mag auch daran gelegen haben, dass die Beamten schnell und in großer Zahl vor Ort waren und – laut Meurer – „mit absoluter Konsequenz“ vorgegangen seien. Sprich: Die Identität aller Männer wurde überprüft, danach wurden Platzverweise ausgesprochen, denen die vorwiegend jüngeren Rocker auch nachkamen. Sie verschwanden.

Rocker reisen heute nicht nur mit dem Motorrad, sondern gelegentlich auch in Pkw-„Fahrgemeinschaften“. Dem „Abtrieb“ der Rocker folgte die Polizei nicht stillschweigend, sondern kontrollierte die gesamte Stadt. An der Tankstelle vor der Rur überprüften sie ein mit mehreren Männern besetztes Fahrzeug und fanden Waffen: einen Schlagring und ein verbotenes Messer. Beides wurde sichergestellt.

Nicht nur das erwähnte Ehepaar sah die Konfrontation am Montagabend mit großer Sorge. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde gar über einen „Bandenkrieg“ spekuliert. Nach Informationen unserer Zeitung handelte es sich bei den beiden Gruppen in Jülich um Mitglieder der „Black Jackets“ und „Supporter“ (Unterstützer) der „Bandidos“, die gemeinhin als „Motorradclubs“ bezeichnet werden. Die meisten Männer, die sich in Jülich gegenüberstanden, stammen nach Polizeiangaben aus Jülich und Umgebung. Ralf Meurer sprach von „Heranwachsenden und jungen Erwachsenen“.

Doch nicht nur die Rocker machen die Stadt phasenweise unsicher. Schon seit Jahren, aber wieder verstärkt in den letzten Tagen und Wochen werden Gebäude und Gegenstände mit rechtsradikalen Zeichen und Abkürzungen beschmiert. Bushaltestellen, Stromkästen, Häuser, Schaufenster, der Hexenturm – nichts scheint sicher. Selbst die Stadtfest-Bühne am Wochenende wurde so verschandelt.

Dabei fällt die Abkürzung „NSJ“ auf, die für „Nationale Sozialisten Jülich“ stehen soll. Früher hantierten die Rechten vor allem mit Aufklebern, jetzt mit Sprühfarbe. Der Schaden ist erheblich. Der Jülicher Norbert Tirtey hat die meisten Stellen dokumentiert und das Ordnungsamt der Stadt informiert. Manche Schmiererei ist inzwischen beseitigt worden.

Die Umtriebe der Rocker und Rechten sorgen viele Menschen. Wolfgang Hommel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Jülich: „Das sollte ein Thema sein, mit dem wir uns dringend beschäftigten müssen. Dabei geht es ja nicht nur ums Image, das Schaden nimmt, sondern vor allem um die Beunruhigung der Menschen.“

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