Roboter-Workshop: Rapunzel, dreh dich im Kreis

Von: Daniela Martinak
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Madita (l.) und Celine feilen noch ein bisschen an ihrem Roboter Rocky herum. Die beiden Jülicher Mädchen haben sich zuvor nicht für Technik interessiert. Erst mit Rocky kam die Neugier. Foto: Martinak

Jülich. Rapunzel kann sich drehen, vor und zurück fahren und reagiert auf Geräusche. Eines kann Rapunzel allerdings nicht: ihr Haar herunter lassen. Sie hat nämlich gar keines. Die Roboterdame hat dafür Arme, Beine und sogar Augen. Es sieht zumindest so aus.

Stolz blicken Annika und Maxime auf den Roboter hinunter und hoffen, das alles gut geht. In einer Stunde ist die Präsentation. Dann müssen die beiden Jülicher Mädels ebenso wie ihre Klassenkameradinnen unter Beweis stellen, ob sie die Technik und vor allem das Computerprogramm verstanden haben.

Die RWTH Aachen hat sich nämlich etwas ganz besonderes einfallen lassen, Mädchen für Technik zu begeistern: den sogenannten Robotikkurs. „Und es funktioniert“, versichert die Workshopleiterin Andrea Lange. Beim Anblick der sechsten Klasse des Jülicher Mädchengymnasiums wird das augenblicklich deutlich. Die Schülerinnen sind kaum von ihren mechanischen Freunden abzubringen.

Zwei Tage hatten sie Zeit, „ihren“ Roboter zu bauen. Zwei Tage, in denen sie etliche Einzelteile zusammensetzen und das Profil erstellen mussten. „Wir arbeiten hier mit zehn Mädchen zusammen, die sich freiwillig und aus Interesse für diesen Workshop angemeldet haben“, erklärt die zweite Workshopleiterin, Paula Etschenberg.

Zunächst haben die Kinder jeweils zu zweit einen Baukasten vor die Nase gestellt bekommen. Über 100 Bausatzteile wurden einen Vormittag lang begutachtet, Anleitungen studiert und sich mit dem von Lego entwickelten Computerprogramm vertraut gemacht.

„Es war anfangs etwas viel. Die erste Stunde dachte ich, dass es doch nicht so viel Spaß macht, wie ich mir erhofft hatte, aber letztendlich ist das ganz schön spannend zu wissen, worauf es alles ankommt“, sagt die zwölfjährige Lisa.

Gleich kommen Eltern und Lehrer, um sich anzusehen, wie es die Mädchen geschafft haben mit Hilfe der Technik und der Informatik die Roboter steuern zu können.

Verschiedene Befehle, die über die Tastatur eingegeben werden, sagen dem Roboter nämlich, was er tun soll. Dabei sind die drei Motoren, die die Kinder eingebaut haben, von entscheidender Wichtigkeit. Während der eine Motor für die Vor- und Rückbewegung zuständig ist, sorgen die anderen beiden dafür, dass sie etwa im Kreis fahren oder ihre „Arme“ heben können. Hinzu kommen verschiedene Sensoren, die vorne und hinten angebracht sind. So „weiß“ Rapunzel, wann eine Wand kommt und biegt rechtzeitig ab. Alle fünf Roboter haben übrigens Namen bekommen. Auch das ist wichtig. Nicht etwa für die Bindung der Mädchen, aber für die Geräuschsensoren.

Jingo, Rudolf und Abraxas

Wenn Laura und Vanessa etwa „Jingo rechts“ rufen und klatschen, dann fährt Jingo tatsächlich rechts herum. Abraxas, der Roboter von Lisa und Lena, fährt sogar im Kreis und Slalom. Rudolf ist der Star unter den Robotern in diesem Workshop.

„Wir waren einfach ein bisschen schneller als die anderen. Deshalb kann Rudolf sogar eine Spirale entlang fahren. Er besitzt nämlich zusätzlich noch einen Lichtsensor, den wir eingebaut haben“, erklären Marika und Hannah. Dieser ermöglicht es dem Automaten, schwarze und weiße Linien zu unterscheiden. Der Lichtsensor orientiert sich entlang der schwarzen Linie. Der Roboter fährt also sozusagen zickzack. Jedesmal, wenn er auf die weiße Fläche neben der schwarz unterlegten Spirale kommt, ändert er die Richtung.

„Es war einfach mal etwas anderes und hat wirklich Spaß gemacht. So einen Baukasten würde ich mir auch zu Ostern wünschen und tatsächlich dafür sorgen, dass mein Roboter dann auch ganz andere Sachen kann“, sind sich viele der Schülerinnen einig.

Fazit des Workshops: Nicht nur die Hemmungen und die Angst vor der Technik sind zumindest teilweise verschwunden – auch die sozialen Kompetenzen wurden gestärkt.

Mitnehmen dürfen die Teilnehmerinnen den Roboter leider nicht, aber erinnern werden sie sich sicher noch lange an die mechanischen Freunde.

Vielleicht liegt ja tatsächlich bald ein neuer Jingo, Rocky, Abraxas, Rudolf oder gar eine Rapunzel im Osterkörbchen. Noch etwas ist wichtig für die zehn Schülerinnen des Jülicher Mädchengymnasiums: Sie wissen, dass sie etwas geschafft haben. Und zwar etwas, was sonst nur Jungs schaffen. Und die werden sicherlich staunen. „Die Jungs werden sich wundern. Die können sich gar nicht vorstellen, dass auch Mädchen so talentiert in Sachen Technik sind“, fügt Marika stolz hinzu.

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