Ritterschlag für Standort Jülich

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
Solarthermisches Demonstration
Solarthermisches Demonstrations- und Versuchskraftwerk Jülich, Spiegelfeld im Gewerbegebiet Königskamp, Heliostate, Erweiterung und Umbau ab Herbst 2011/Anfang 2012

Jülich. Der Bescheid war druckfrisch und kam einem Ritterschlag gleich: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) - eine der größten staatlichen Forschungseinrichtungen in Deutschland - hat die Außenstelle Jülich zum vollwertigen Standort erhoben und damit geadelt.

Diese Mitteilung überbrachte Professor Bernhard Hoffschmidt dem Jülicher Ausschuss für Planung, Umwelt und Bauen am Donnerstagabend. Was das bedeutet, erklärte Hoffschmidt unmittelbar danach: Das DLR drückt aufs Gaspedal und öffnet die Geldschatulle, die das Land gefüllt hat. Das Solarturm-Kraftwerk selbst wird um- und ausgebaut, und das neue Solarinstitut des DLR wird im Gewerbegebiet Königskamp einen größeren Neubau beziehen.

Hoffschmidt als Initiator des Solarthermischen Demonstrations- und Versuchskraftwerks erstattete dem Gremium aber auch einen kurzen Bericht über den „Ist-Zustand”. Demnach gebe es keine größeren Schwierigkeiten beim Betrieb der Anlage. Der Turm „läuft bei bis zu 70 Prozent seiner Leistung. Das ist durch und durch ein Erfolg”. Es gibt aber auch Probleme, die schon von Beginn an die Arbeit beeinträchtigt haben: „Die Heliostate haben nicht die Qualität, die wir gern hätten.” Damit sind die „Spiegel” gemeint, die mit empfindlicher Mechanik per Computersteuerung theoretisch milimetergenau das Sonnenlicht auf den Absorber des Solarturm lenken.

Beim Bau des Versuchskraftwerkes hat es, wie Hoffschmidt am Donnerstag erklärte, nur zwei Anbieter gegeben. Und der eine habe nach Bekanntwerden des deutschen Großprojektes sogleich „die Preise vervierfacht”. Durch das enge Budget sei man gezwungen gewesen, die preiswerteren Heliostate amerikanischer Produktion zu wählen, der aber während der Bauphase in die Insolvenz ging.

Mit dem Geld des Landes, das laut Hoffschmidt „überwiegend nach Jülich fließt”, könnte an diesem Problem gearbeitet werden. Das sei aber nicht vorrangig. Der Nachweis der Funktionstüchtigkeit habe die Konkurrenz aufhorchen lassen. „Die Koreaner und Chinesen bauen die Anlage nach. Die Inder wollen das auch. Wir dürfen jetzt nicht stehen bleiben”, erläuterte der Chef des Solarinstituts.

Von fast 24 Millionen Euro habe das Land die erste Tranche von 16,24 Millionen Euro bewilligt. Nach Abzug der Kosten für den Kauf der Anlage von den Stadtwerken Jülich gehe es nun darum, neben der Turmtechnik die „drei bis vier Alternativen” auszuteste. Ein Teststand soll so für die Parabolrinnentechnik gebaut werden. Am „alten Turm” sollen insgesamt zwei oder drei Versuchsebene entstehen, auf dem großen Gelände wird außerdem der „größte künstliche Strahlungsofen” mit einer Lichtleistung von 200 Kilowatt gebaut, kündigte Hoffschmidt an. „Das geht in Richtung eines Solarzentrums.”

Dieses soll außerdem der Industrie in einem geschützten Rahmen „exklusiven Zugang zu exzellenten Testeinrichtungen” bieten.

Der Jülicher Ausschuss zeigte sich beeindruckt und begeistert von den vorgestellten Plänen.
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