Rittersage: Ein enthaupteter und zwei ertrunkene Adlige

Von: ptj
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Wollen Kreuz und Sage „ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückholen“: (v.l.) Historiker Dr. Alexander Holz, Ausschussvorsitzender Thomas Muckenheim, Vereinsvorsitzender Joachim Hecker, Bildhauer Berthold Abel und Gräfin Immaculata von und zu Hoensbroech. Foto: Jagodzinska

Barmen. Was steckt eigentlich hinter der Sage vom versunkenen Ritter – da stimmt doch was nicht! Welcher Ritter fährt in einer Kutsche einem Gefangenen hinterher? Und woher stammt der Name des sagenumwobenen „Nulandtkreuzes“?

Diese Fragen hat der gleichnamige Ausschuss des Kultur- und Verkehrsvereins Barmen in den vergangenen zwei Jahren intensiv beleuchtet und ist zu erstaunlichen Resultaten gekommen. Gekrönt wird die Präsentation der Arbeiten von der Wiederherstellung besagten Blausteinkreuzes, was ohne den Freialdenhovener Bildhauer und Bronzegießer Berthold Abel „überhaupt nicht möglich gewesen wäre“.

Das betonten Vereinsvorsitzender Joachim Hecker, Ausschussvorsitzender Thomas Muckenheim, Historiker Dr. Alexander Holz und Gräfin Immaculata von und zu Hoensbroech, Herrin auf Schloss Kellenberg.

Im Schlosshof werden am 3. und 4. September die ersten Geschichtstage stattfinden – mit Ausstellung, Festakt, Buchvorstellung und einem Rahmenprogramm mit mittelalterlichem Ritterspektakel. Eine „sorgfältige Restaurierung im Bronzeguss“ des in den 1970er Jahren im Barmener Wald zerstörten Blausteinkreuzes wird nahe seinem ursprünglichen Standort am Rehgatter im Kellenberger Wald eingeweiht und gesegnet.

Im zeitaufwendigen Wiederherstellungsverfahren modellierte Abel zunächst nach dem Vorbild eines Wegkreuzes aus Kornelimünster, dessen Entstehung er in derselben Werkstatt vermutet, fehlende Teile mit Ton auf und formte die Details. Mit Gips gestaltete er Formstücke für die Seitenfläche einer Negativform für den Wachsguss, der eine Feinkorrektur erlaubt.

Der Künstler brachte eine Silikonhaut auf, schloss die Oberseite mit einer Gipsplatte und nahm das Modell vor dem Ausgießen „wieder rückwärts auseinander“. Die eigentliche Umgießung in Stein nach demselben Prozedere erfolgte mittels einer Betonmischung aus Zement, feinem Sand und etwas gröberem Beton.

Die Sage vom versunkenen Ritter soll zu diesem Anlass „als identitätsstiftendes kulturelles Relikt ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückgeholt“ werden. In seinem Buch „Er ertrank 1681 durch Reversierung seiner Carosse“ klärt Historiker Holz, dass „in der Sage ohne Volkshelden, in der nur der Antagonist überlebt, wahrscheinlich zwei Geschichten verschmolzen sind“.

Nämlich die vom Raubritter Emunt von Barmen, der sich 1351 in Barmen niederließ, vom Jülicher Herzog Wilhelm II. aufgespürt wurde und in Aachen seinen Kopf verlor. Vermutlich fiel Emunt durch eine Erstürmung oder Kapitulation Kellenbergs in die Gefangenschaft des Jülicher Herzogs. Eindeutig erkennbar – etwa durch auffällig divergierende Mauerstrukturen – ist nämlich eine Schleifung der Burg Kellenberg.

Die zweite Geschichte ist die des Johann Dietrich Freiherr von Nulandt, Kommandant der Stadt Düren und Amtmann von Aldenhoven, der 1681 auf dem Weg von oder zu einem Familientreffen zwischen Floßdorf und Kellenberg in der Rur ertrank. Wahrscheinlich „hatte der Kutscher das Ansteigen des Flusses während der Schneeschmelze falsch eingeschätzt“, mutmaßt Holz.

Nulandts Familie setzte im Andenken an den Verunglückten das filigran gearbeitete Barockkreuz. Auf seiner Rückseite war ein fremdes Familienwappen entdeckt worden, im Zusammenhang mit einer Inschrift.

Obwohl die Arbeitsgruppe alle Hebel in Bewegung setzte, konnte die Inschrift bis heute nicht entziffert werden. „Mit Streulichttechnik erkennbar gemacht“ wurden aber die Insignien mit Kreuz und der dreizackig stilisierten Krone der Familie Raitz von Frentz.

Denn der junge Schlossherr Theodor Adolphus Raitz von Frentz, Enkel des berühmten Reitergenerals Jan von Werth, ertrank seinerseits in der Silvesternacht 1710/11 an derselben Stelle in der Rur, vermutlich hatte er dem Alkohol gefrönt. Natürlich beflügelte das erneute Unglück nur 30 Jahre später an der mit einer Todesmetapher belegten Stelle die Fantasie der Barmener.

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