Richter mit feinem Gespür für die menschliche Komponente

Von: jago
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Ehefrau, Kinder und Enkel freuten sich darüber, dass Günther Burghardt (3.v.r.) nun viel mehr Zeit für seine Rolle als Ehemann, Vater und Opa haben wird. Dem Direktor des Amtsgerichts Rainer Harnacke (4.v.r.) wird er fehlen. Der Vizepräsident des Landgerichts, Reiner Napierala (rechts), würdigte bei der Abschiedsfeier die Verdienste des sympathischen Foto: Jagodzinska

Jülich. Nach 36 Jahren Tätigkeit als Richter des Landes Nordrhein-Westfalen, davon 35 beim Amtsgericht Jülich, wurde Günther Burghardt nun in den wohl verdienten Ruhestand verabschiedet. Ruhig und besonnen, so wie man ihn kennt, dankte der künftige Ruheständler zu Beginn seiner Ansprache den vielen Kollegen und Wegbegleitern, die zu seiner Abschiedsfeier gekommen waren.

Seine Wortwahl bei der Rückschau auf die vielen Jahre als Jugend- und Familienrichter und als Richter in Ordnungswidrigkeitsverfahren ließ noch einmal erkennen, mit wieviel Verständnis und Empathie Burghardt seinen Beruf gelebt hat. Sein Bekenntnis, dass es auch Verfahren gab, „die mich emotional wirklich sehr berührt haben“, war spürbar ehrlich.

Wie wichtig gerade die menschliche Komponente in jedem einzelnen Verfahren nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für das respektvolle Miteinander in der Gesellschaft ist, zeigte die Feststellung: „Hier ging es oft um den Versuch, falsche Weichenstellungen in dem Leben junger Menschen zu korrigieren.“

Mit lang anhaltendem Beifall zollte die Versammlung dem Scheidenden großen Respekt und dankbare Anerkennung für seine Berufsleistung. Der Vizepräsident des Landgerichts, Reiner Napierala, würdigte die Verdienste des Jugendrichters. „Wenn jemand es schafft, so lange eine Größe zu sein an einem Ort, hat das Vorteile. Das schafft Vertrauen und Kompetenz.“

In der Juristensprache sei Burghardt ein „wesentlicher Bestandteil“ des Amtsgerichts, der „enthaftet werden könne“. Dies geschehe im Rahmen einer Hypothekenhaftung durch „tatsächliche Wegbringung vom Grundstück“. In der an Ehefrau Sylvia gerichteten Übersetzung in die Umgangssprache hieß das: „Jetzt werden Sie ihn ganz alleine für sich haben.“

Als Direktor des Amtsgerichts bedauerte Rainer Harnacke das Ausscheiden eines Mitarbeiters, für den die Arbeit eine Berufung gewesen und der aus tiefer Überzeugung Richter gewesen sei. Ganz besonders hob er die ruhige und besonnene Art der Verhandlungsführung hervor, mit der es ihm gelungen sei, die Probleme stets ins rechte Maß zu rücken. Dabei habe Burghardt ein äußerst sensibles Gespür dafür bewiesen, zu erkennen, was lediglich eine altersentsprechende Jugendverfehlung und was der Beginn einer strafrechtlichen Karriere gewesen sei.

Für die Personalvertretung zitierte Elke Pfennigs-Tiefenbach einige Zeilen aus dem Lied „Adtschüss“ der „Höhner“. „Und gehen auch die Jahre ins Land, beim Abschied bleibt auch etwas zurück, ein kleines Stückchen Herz in meiner Hand“, wird der Abschied darin besungen. Der Mann, der dem Fachbereich in Jülich „35 Jahre ein Gesicht gegeben hat“, wird nicht nur seinen engen Mitarbeitern fehlen.

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