„Rhapsody in School“: Musik für die Kfz-Mechatroniker

Von: ptj
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Erstmalig in einem Berufskolleg: Violinistin Antje Weithaas spielt im Rahmen des Musikvermittlungsprojektes „Rhapsody in School“ und stellt sich den vielen Fragen der Schüler. Foto: Jagodzinska

Jülich. Weil das Berufskolleg Jülich naturgemäß „keine kulturelle Bildung“ bietet, wie Schulleiterin Heike Schwarzbauer es ausdrückte, ist die Einrichtung stets bemüht, diese Lücke auszugleichen. Im Rahmen des ehrenamtlichen Musikvermittlungsprojektes „Rhapsody in School“ besuchte Violinistin Antje Weithaas die Schule.

Vor Auszubildenden in den Fachbereichen Kfz-Mechatronik, Ernährung/Hauswirtschaft und Wirtschaft/Verwaltung spielte sie Musikstücke aus ihrem Repertoire, erzählte aus ihrem Leben und stellte sich gerne den Fragen der Schüler.Als Inspirationsquelle ist der Austausch zwischen Schülern und Künstlern ausdrücklich erwünscht.

Ein Berufskolleg war erstmalig Ziel der Initiative aus rund 300 Künstlern, wie Projektleiterin Sabine von Immhoff betonte. Mit viel Bewegung und Witz brachte die erstklassige Geigerin vor ihrem verblüfften Publikum ein temporeiches Werk von Eugene Ysaÿe mit Zitaten von Bach zu Gehör. Klassische Musik muss also keineswegs langweilig sein.

Nach den ersten Momenten der Zurückhaltung bombardierten die zahlreich erschienenen Schüler die sympathische Geigerin mit Fragen. Die Bandbreite dieser Fragen reichte von der einseitigen körperlichen Belastung beim Geigespiel über die Inspiration der Musikerin, ihr finanzielles Auskommen und ihre Freude am Beruf bis hin zu Detailfragen zur Violine. Kurz zusammengefasst ist es für die Berufsmusikern „schwieriger, still zu stehen als dynamisch in Bewegung zu bleiben“. Ihre Inspiration als Viereinhalbjährige, mit der Musikschule in Cottbus anzufangen, war ihre Schwester – sie wollte es ihr gleichtun.

Weithaas kam in den Genuss der musikalischen „Spezialausbildung“ der ehemaligen DDR. Ohne Abitur hatte sie mit 21 Jahren ihr Diplom in der Tasche. Eigentlich hatte sie eine Orchesterlaufbahn anvisiert, denn „die Mauer war dicht und Orchester reisten ständig in den Westen“. Sie geriet aber in das „Bohemian Leben“ einer Solistin hinein, aus „Berufung wurde Beruf, und Gott sei dank brenne ich noch“.

Mit 70 bis 80 Solokonzerten im Jahr, als Professorin eines Kammerorchesters und mit Musikunterricht kommt Weithaas „gut über die Runden“. Ihr Beruf sei inklusive der notwendigen Übungsstunden „schon eine Ganztagsbeschäftigung“, immerhin muss auch „die Feinmotorik frisch gehalten werden“.

Zum Instrument: Geigenbögen werden immer noch aus Pferdeschweifhaar gefertigt, die an einer Seite des Bogens fest fixiert werden, an der anderen Seite sind sie über eine Drehschraube unterschiedlich stark spannbar. Zur Demonstration löste sie die Bespannung vom Bogen. Pferdehaar habe „Widerstand, und das macht sich der Bogen zu eigen“. Eine Geige sei aus Ahorn und Fichtenholz gefertigt, der Frosch aus Ebenholz. Die Top-Violinistin habe „mehrere teure italienische Geigen gespielt (darunter eine Amati), die mir aber erstmal nicht gehört haben“. 2011 baute ein Geigenbauer eine maßgeschneiderte Violine für sie. Diese spielt ihrer Meinung nach „besser als alle alten Geigen“. Solch ein Instrument sei ein Geldanlageobjekt, wofür man „mindestens ein sehr großes Haus kaufen kann“. Zum Abschluss spielte sie „etwas Ruhigeres von Bach“.

Die Entspanntheit des barocken Werkes übertrug sich auf ihr junges Publikum, Stille kehrte ein...

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