Jülich - Reste des alten Jülicher Prunks kommen zum Vorschein

Reste des alten Jülicher Prunks kommen zum Vorschein

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
7584714.jpg
Bernhard Dautzenberg (links) und Andreas Kupka graben im Fundament der Schule nach dem alten Südportal.
7584721.jpg
Die nächste Überrschung: In sechs Metern Tiefe kommt eine zugemauerte Türe zum Vorschein.
7584722.jpg
Unerwarteter Fund: Im Innenhof der Zitadelle befand sich offenbar eine große Kalkgrube.

Jülich. Ein bisschen müssen sich die Archäologen fühlen wie kleine Kinder auf äußerst erfolgreicher Schnitzeljagd. Seit der vergangenen Woche graben sie sich durch das Zentrum der Zitadelle. Und dabei finden sie jeden Tag mehr.

Die erste Erkenntnis in der vergangenen Woche: Im Innenhof gibt es altes Gemäuer, das Jahrhunderte lang unentdeckt in einem halben Meter Tiefe gestanden hat. Viele Baggerschaufeln später wissen Ausgrabungsleiter Andreas Kupka und Bernhard Dautzenberg vom Museum Zitadelle, dass die Grundmauern größer sind als ursprünglich angenommen.

Früher mal müssen sie zu einem Gebäude gehört haben, das die Ausmaße eines heutigen Einfamilienhauses hatte. Es stand auf dem Innenhof, der mit Pflastersteinen belegt war. Dieser Pflastersteinboden ist zur Mitte hin abschüssig. „Einiges spricht dafür, dass hier mal eine Art Brunnenanlage gewesen sein könnte“, sagt Kupka – mit einer Zisterne, die sich in der Mitte des Innenhofes in dem unbekannten Gebäude befunden haben könnte.

Auch der ursprüngliche Grund für das Buddeln in der Zitadelle bietet eine Überraschung. Eigentlich sollte in den Osterferien gegraben werden, damit geklärten werden kann, warum die Kellerwände der Zitadelle feucht sind. Jetzt stellt sich eine weitere Frage. „Warum befindet sich an der Außenmauer des Kellers eine zugemauerte Tür?“ In rund sechs Metern Tiefe ist sie zum Vorschein gekommen. „Vielleicht sollte das ein Zugang zum Innenhof sein“, sagt Kupka. „Aber dafür ist der Durchgang viel zu tief.“ Der alte Pflastersteinboden liegt in etwa einem Meter Tiefe, die zugemauerte Tür noch einmal fünf Meter darunter.

Am westlichen Rand des Hofes hat die nächste Unbekannte Jahrhunderte lang unbemerkt im Boden gelegen. Neue Grundmauern, die nichts mit dem überraschend gefundenen Grundriss zu tun haben. Kupka und Dautzenberg sagen, dass diese Mauern noch älter sind. Denn sie haben sie unter dem Kopfsteinpflaster gefunden: 16 Jahrhundert, so vermuten sie, die Entstehungszeit der über 460 Jahre alten Festung. Möglicherweise eine Kalkgrube, wie sie damals für den Bau großer Gebäude ausgehoben und mit Mauern befestigt wurde.

Die weißen Ablagerungen deuten darauf hin. Ungelöschter Kalk wurde dort aufbewahrt. „Da mussten Mauern drumherum gebaut werden. Ungelöschter Kalk ist ätzend“, sagt Kupka. „Damals ist es auch schon mal passiert, dass die Leichen, die dringend verschwinden mussten, in solche Gruben geworfen wurden.“ Hinweise darauf haben die Archäologen nicht gefunden. Bisher. Dafür ist viel Blaustein zum Vorschein gekommen.

Der ist noch heute in den Fensterrahmen und Türbögen des Schlosses und der Kapelle zu sehen. Im Zweiten Weltkrieg sind weite Teile zerstört worden. Heute steht da der Neubau des Gymnasiums. Die Blausteine aus der Ruine sind offenbar als Füllmaterial in den Innenhof geschüttet worden.

Grundsteine gefunden

Seit Mittwoch buddeln die Experten auf zwei Baustellen. Die zweite befindet sich dort, wo früher das Südportal gewesen ist. Also da, wo man gegen die Wand der Schule laufen würde, wenn man die Pasqualini-Brücke über- und den anschließenden Tunnel durchquert hat und dann einfach geradeaus geht. Im Fundament der Schule einbetoniert haben die Archäologen die Grundsteine dieses Südportals entdeckt. Auf diesen Grundsteinen haben die Trophäensteine aus Blaustein gestanden, die bis vor kurzem auf zwei Sockeln im Hof gethront haben. Jetzt befinden sie sich in den Händen eines Restaurators.

„Dieses Südportal war der wichtige Eingang zum Innenhof“, sagt Kupka, nicht größer, aber wesentlich prunkvoller als das noch komplett erhaltene Nordportal sei es gewesen. „Die Herzöge haben zu den wichtigsten Männern im Reich gehört. Und das sollte den Besuchern klar werden, wenn sie in den Innenbereich gekommen sind.“

Was mit den Ausgrabungen passiert, ist nach wie vor unklar. Sicher ist, dass die Fundstätten zu Unterrichtsbeginn nach den Osterferien nicht einfach wieder zugeschüttet werden. Vorstellbar sei laut Dautzenberg und Kupka, dass sogenannte archäologische Fenster eingerichtet werden, durch die die Besucher Blicke in die bislang verschüttete Geschichte der Zitadelle werfen können. Morgen und kommende Woche besuchen Vertreter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW die Fundstellen. Dann könnte eine Entscheidung fallen, wie viel im Zitadellenhof noch gegraben werden soll.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert