Jülich - Renaturierung an der Rur: Einen Kahlschlag wird‘s wohl nicht geben

Renaturierung an der Rur: Einen Kahlschlag wird‘s wohl nicht geben

Von: Antonius Wolters
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Knapp 100 Bürger fanden sich am Mittwoch im Brückenkopf-Park in der Blumenhalle an der Kirchberger Straße ein, um sich ausführlich über die geplanten Maßnahmen an der nur wenige Meter entfernt fließenden Rur informieren zu lassen. Foto: Wolters
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Beigeordneter Martin Schulz moderierte die Bürgerinformation in der Blumenhalle.

Jülich. Gut, dass der Vorschlag des Jülicher Beigeordneten Martin Schulz nicht umgesetzt wurde, die Bürgerinformation unter freiem Himmel direkt an der Rur zu veranstalten, denn es schüttete am Mittwoch kräftig mit begleitendem Gewitter. Schulz eröffnete den Informationsabend in der Blumenhalle an der Kirchberger Straße trockenen Fußes.

Eingestimmt worden waren die Besucher im Eingangsbereich des Glashauses, wo Anwohner Unterschriften sammelten zum Erhalt der Kastanien auf dem Rurdamm. Neben Schulz saßen mit Maria Landvogt und Franz-Josef Hoffmann vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER), Jochen Knoth und Moritz Weyland vom Landesbetrieb Wald und Holz sowie Norbert Rath vom Aachener Büro Landschaft weitere Experten auf dem Podium, die keine Frage aus dem Publikum offen ließen.

Zunächst jedoch stellte Dipl. Ing. Rath die zugrunde liegende Planung für den WVER vor, der die Wasserqualität und die Biologie der Rur verbessern soll. Nach seinen Angaben stehen von den über 200 Pappeln, die im dichtem Verband am Flussufer zu finden sind, rund 140 „in einer kritischen Situation“. Die Rur soll nördlich der Fußgängerbrücke an der Kirchberger Straße maschinell umgebaut werden, südlich der Brücke ist vorgesehen, Totholz in das und neben das Flussbett einzubringen, um die Eigendynamik des Fließgewässers anzukurbeln. Schlüsselsatz: „Die Natur ist der beste Baumeister.“

So soll auch das Wehr im Bereich des Parks erhalten bleiben, da es ebenfalls die günstige Entwicklung fördert, sagte Maria Landvogt, die zudem auf entsprechende Wasserrechte des Parks hinwies, der Rurwasser Richtung Brückenkopf abzweigt. Ebenfalls nicht angetastet werde der alte Abwasserkanal der Zuckerfabrik, der so genannte „Zuckerbach“, der in einer Betonrinne nahe der Rur fließt. Dass die geplanten Maßnahmen den Grundwasserspiegel in Rurnähe nicht verändern werden, versicherte Franz-Josef Hoffmann.

Wie gefährlich die knapp 40 Meter hohen und fast 70 Jahre alten Pappeln für Anwohner der Rur und den Straßenverkehr seien, wurde ebenfalls thematisiert. Laut Planung sollen rund 80 Pappeln erhalten bleiben, 15 Pappeln werden durch das Kappen des Stammes auf einer Höhe zwischen 10 und 15 Metern zu stehendem Totholz, weitere Bäume sollen als liegendes Totholz in Flussbett oder die umgebende Aue eingebracht werden, wo sie neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen werden.

Hoffmann betonte in diesem Zusammenhang, dass „für die Verbesserung der Gewässerstruktur nur ganz geringe Eingriffe geplant sind“. Hoffmann wiederholte auf Nachfrage seine Aussage im Jülicher Ausschuss, wonach der WVER die Maßnahme nicht gegen den Willen der Stadt Jülich umsetzen werde, die auf der europäischen Wasserrahmenrichtlinie fußt. Die ist zwar kein Gesetz, habe aber Gesetzescharakter, da die Stadt die „behördenverbindliche“ Verpflichtung habe, die Richtlinie umzusetzen.

Und was ist mit der Kastanienallee auf dem Rurdamm? Die könnten durch steigenden Winddruck gefährdet werden, wenn Pappeln am Rurufer gefällt werden. Wie groß dieses Risiko ist, wusste indes aus der Riege der Fachleute niemand so genau zu sagen. Auch bei den Pappeln wurde eine „Einzelbaumbetrachtung“ ins Spiel gebracht, bevor die Kettensäge Tatsachen schaffen kann.

Ein weiterer Fragenkomplex beschäftigte sich mit dem Rurdamm und seiner Standfestigkeit als Hochwasserschutz, bei dem Anpflanzungen später wohl nicht mehr in Frage kämen, „um einen Fehler nicht zu wiederholen“, wie Hoffmann sagte. Ein Bürger appellierte an die Runde, die Aktion zur Beseitigung der Moniermotte zu wiederholen, bei der vor Jahren Blätter von befallenen Kastanien gesammelt und später vom Bauhof verbrannt wurden.

Nach knapp zweistündigem Frage- und Antwortspiel kündigte Beigeordneter Martin Schulz an, dass die Verwaltung dem Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss für die Sitzung am 28. Oktober einen Vorschlag unterbreiten werde, wie im betreffenden Rurabschnitt weiter zu verfahren sei. Vermutlich ist es eine Mischung aus den WVER-Plänen und dem Vorschlag, nur die nötigsten Bäume zu fällen, die ein unabhängiger Gutachter benennen könnte.

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