Jülich - Reizender Abend mit dicker Luft

Reizender Abend mit dicker Luft

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„Greenhorn” gegen „alten Hasen”: Daniel Hintzen muss sich bei seinem ersten Turnier gleich gegen Vorjahresmeister Hans-Willi Recker durchsetzen. Foto: Gottfroh

Jülich. Die Luft im Zelt des Weihnachtsmarktes ist an diesem Abend zum Schneiden. Dieser Umstand ist nicht nur den in den Aschenbechern vor sich hinqualmen Zigaretten zu verdanken. Die gespannte Atmosphäre geht in erster Linie von den zahlreichen Männer und wenigen Frauen im Zelt aus.

Viele sind nervös - schließlich geht es an diesem Abend um Ruhm und Ehre: um den Titel des Jülicher Skatmeisters. Seit 25 Jahren wird diese Meisterschaft nun in der Herzogstadt veranstaltet, in diesem Jubiläumsjahr von Marina Kreitz.

Die verschiedensten Menschen treffen hier aufeinander - erfahrene Skatspieler, die schon ihr halbes Leben den Karten verfallen sind. Aber auch Junioren, die erst seit ein paar Jahren „reizen”. Und neben den mehr als 60 Herren spielen - in absoluter Minderheit - auch vier Frauen mit.

Eine von ihnen ist Gisela Henseler. Sie nimmt schon seit vielen Jahren an der Jülicher Skat-Meisterschaft teil. Gewonnen hat sie aber noch nie. „Wenn ich heute gewinnen könnte, dann wäre das schon schön. Aber mein Motto lautet: Dabeisein ist alles”, sagt Gisela Henseler.

Ohne eine feste Strategie?

Zu ihrer Linken sitzt Daniel Hintzen aus Broich. Er ist gerade 19 Jahre alt - ein „Greenhorn” unter den vielen alten Skathasen. Er spielt zwar schon seit ein paar Jahren, ist aber lange nicht so erfahren wie der Mann zu seiner Linken. Das ist Hans-Willi Recker, der Stadtmeister des Vorjahres.

Recker möchte seinen Titel gern verteidigen - allerdings ohne eine feste Strategie. „Die habe ich noch nie gehabt. Ob und wie ich spiele, mache ich vom Blatt abhängig”, sagt der Jülicher. Vielleicht will sich der Stadtmeister aber auch einfach nur nicht in die Karten blicken lassen.

Dann werden die einzelnen Gespräche an 17 Skattischen unterbrochen. Paul Röthlinger, seit 15 Jahren Organisator und Ausrichter des Turniers, ergreift das Wort, erklärt zum letzten Mal die Regeln. Dann geht es los an den Tischen. Karten werden gemischt, Bätter weggeworfen, Jubel und Stöhnen wechseln sich ab. Gespielt werden zwei Serien á 48 Spiele. „Natürlich nach den Regeln des Deutschen Skatverbandes”, sagt Röthlinger.

Damit die auch eingehalten werden, überwacht Schiedsrichter Dieter Wolf das Geschehen im Weihnachts-Festzelt. Vier Stunden lang spielen und reizen die Teilnehmer. Zeit genug für Röthlinger, sich über die Zukunft des Skat Gedanken zu machen - immerhin sind an diesem Abend „alle etwas älter”.

Nur drei Jungs um die 20 machen mit. Die Frage, ob Skat „out” ist, kann der Organisator und Ausrichter aber auch trotz des mangelnden Nachwuchses im Zelt klar verneinen: „Skat ist nicht von gestern. Auch heute spielen die jungen Leute es noch gerne. Aber in der Regel nicht mehr im Verein, sondern zu Hause mit Freunden und Familie zur Unterhaltung.”

Teilnehmer an Meisterschaften seien aber in der Regel Mitglieder im Skat-Verein. Auch an diesem Abend in Jülich seien rund zwei Drittel der Anwesenden professionelle Spieler. „Um bei Veranstaltungen mehr junge Leute - weibliche und männliche - als Teilnehmer zu gewinnen, wäre der Deutsche Skatverband auf Grund der Altersstruktur in der Pflicht, über die Skatvereine eine aktive Nachwuchsförderung zu betreiben. Die Skatclubs müssen sich einfach mehr um den Nachwuchs kümmern”, empfiehlt Röthlinger, damit in Jülich im Jahr 2035 das 50. Jubiläum der Jülicher-Skat-Meisterschaft begangen werden kann.

Doch noch steht das aktuelle Jubiläum im Mittelpunkt - und auch das muss einen Sieger hervorbringen. Vorjahresmeister Hans Recker konnte seinen Titel in diesem Jahr nicht verteidigen. Er erreichte mit 2755 Punkten den dritten Platz, der mit immerhin 75 Euro belohnt wurde. Vor ihm belegte der Skat-Spieler Vleeschhouwers den zweiten Platz und holte sich den 100 Euro-Gewinn.

Gewinner des Abends wurde Hans Peitsch. Er nahm 150 Euro mit nach Hause - ein schönes vorweihnachtliches Geschenk. Unter den vielen Männern setzte sich Gudrun Korsten durch und sicherte sich Platz 10. Diejenigen, die nicht die ersten Plätze belegen konnten, haben im nächsten Jahr eine neue Chance auf den Titel. „Vielleicht ist die Zahl des Skat-Nachwuchses dann ja auch ein wenig größer”, hofft Röthlinger.

Die zwölf Besten beim Jubiläumsturnier

Ergebnisliste nach Punkten:

Peitsch, Hans 2889

Vleeschhouwers, H. 2875

Recker, Hans 2755

Mödder, Hans 2600

Krebst, Theo 2569

Schäfer, Hans-Peter 2504

Dreiser, Dirk 2489

Adomeit, Siegfried 2440

Blatzheim, Konrad 2438

Jordan, Michael 2307

Korsten, Gudrun 2277

Brühl, Karl-Heinz 2261
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