Raumnot im Rathaus: Stadt will Büromietern kündigen

Von: ahw
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Drangvolle Enge im Jülicher Rathaus: Wenn Thomas Mülheims die Türe öffnet, fällt die Klinke einem Besucher ins Kreuz. Foto: Wolters

Jülich. Die Stadt Jülich ist der Eigenbedarfkündigung für die an Dritte vermieteten Büroräume im Neuen Rathaus einen Schritt näher gekommen. Der Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss hat auf seiner jüngsten Sitzung dem Rat empfohlen, entsprechende Verhandlungen mit Mietern wie dem Kreis Düren zu führen. Gleichzeitig legte der Ausschuss die Pläne zum Bau eines Dienstleistungszentrums zu den Akten. Lange war darin auch von der Politik die Lösung für die drängenden Raumprobleme der Stadtverwaltung gesehen worden, die nun zum Handeln zwingen.

Thomas Mülheims vom städtischen Immobilienmanagement und Richard Schumacher, Leiter des Haupt- und Personalamtes, die dem Ausschuss das erbetene Raumbuch für das Neue Rathaus vorlegten, beleuchteten erneut die drängende Raumproblematik. „Wir haben im Rathaus existentielle Probleme“, artikulierte Schumacher die Not mit drastischen Worten. Die Situation wird weiter verschärft, wenn im Februar die Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen begonnen wird, für die im Haushalt 770.000 Euro veranschlagt sind.

Dann geht nämlich weiterer Büroraum verloren, wenn beispielsweise zusätzliche Fluchttüren geschaffen werden. „Wir wissen noch nicht, wo wir die Leute unterbringen, wenn die Arbeiten erledigt werden und die Büros geräumt werden müssen“, bekennen Mülheims und Schumacher. Beide demonstrierten nach der Ausschusssitzung vor Ort die drangvolle Enge im Neuen Rathaus. Dort sind beispielsweise für die Auszubildenden gar keine eigenen Arbeitsplätze vorgesehen. Die jungen Leute müssen in der Regel vielmehr mit einem Platz am „Katzentisch“ vorliebnehmen.

Im Neuen Rathaus ist in den nächsten Wochen auch noch sehr viel umzuräumen, denn Kopierer und Aktenschränke müssen von den Fluren verschwinden und in den Büros unterkommen, da sie eine potenzielle Brandlast sind.

Generell ist neben der Unterbringung von Mitarbeitern die Aufbewahrung und Archivierung der Akten ein Problem: Der Dachboden hat aus statischen Gründen seine Kapazitätsgrenze erreicht. Im Keller, der teilweise Büros beherbergt, ist auch kein Platz mehr vorhanden. Zudem werden die Bestände dort durch Wassereinbrüche bedroht. Selbst in der ehemaligen Hausmeisterwohnung stapeln sich inzwischen die Aktenberge bis in den letzten Winkel. Dazu kommt, dass nominelle Aktenräume längst in kleine Büros umgewandelt worden sind, die jedoch kaum Publikumsverkehr zulassen. Für Besprechungen muss teilweise in Zimmer ausgewichen werden, die eigentlich den Fraktionen vorbehalten sind.

Die übervolle Belegung des Verwaltungskomplexes am Schwanenteich hat auch Auswirkungen auf den Service, den das Rathaus den Bürgern zur Verfügung stellen kann: „An ein Bürgerbüro ist gar nicht zu denken“, gesteht Richard Schumacher, der froh wäre, wenn er ein wenig mehr Spielraum hätte, um Ämter oder Organisationseinheiten im Haus anders zu gruppieren. Schumacher: „Wir sind weit entfernt von einer optimalen Organisation.“

Jetzt soll‘s eine Eigenbedarfskündigung richten, die den Kreis kaum überraschen dürfte. Die von der Verwaltung vorgeschlagene Anmietung externer Büroräume wurde vom Ausschuss nämlich verworfen. Zunächst gelte es, eigene Räume in öffentlichen Gebäuden zu nutzen.

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