Rätekonferenz: „Campus Merscher Höhe“ bringt viel mit

Von: Antonius Wolters
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Neben den drei Bürgermeistern und Abgeordneten aus der Bundes- und Landespolitik in der ersten Reihe bevölkerten Vertreter der Räte aus Jülich, Niederzier und Titz sowie Gäste aus Kreis und Region den Palmengarten im Jülicher Technologiezentrum, der ein überraschend moderates Temperaturniveau offerierte. Foto: Wolters
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Die drei Bürgermeister und ihre Gäste strahlten um die Wette, als sie zum Abschluss der Rätekonferenz gemeinsam die „Jülicher Erklärung“ unterzeichneten, die eine regionale Willenserklärung zur Unterstützung des interkommunalen Gewerbegebietes „Campus Merscher Höhe“ darstellt.
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Eine von vier Talkrunden: Die beiden Moderatoren Volker Uerlings (l.) und Michael Gramm (3.v.l.) befragen hier Boris Linden (IRR, v.l.), Dietmar Nietan MdB (SPD) und Jens Bröker (Indeland GmbH).

Jülich. Das Ende der kommunalpolitischen Sommerpause markierte am Mittwoch für die Mitglieder des Jülicher Stadtrats und der Gemeinderäte aus Titz und Niederzier ein dickes Informationspaket, das im an Urlaub erinnernden Palmengarten des Technologiezentrums Jülich (TZJ) aufgeschnürt wurde.

Thema der „Rätekonferenz“ mit Gästen aus der Region war das interkommunale Gewerbegebiet „Campus Merscher Höhe“, dessen Potenzial und weitere Entwicklung Informationen und Diskussionen beherrschten.

Frank Drewes, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, war es vorbehalten, Räte und Gäste in Sachen „Campus Merscher Höhe“ auf den Stand der Dinge zu bringen. Mit der vom Regionalrat am 1. Juli verabschiedeten Regionalplanänderung sei eine wichtige Hürde genommen.

Mit dem Aufstellungsbeschluss werde der Jülicher Stadtrat auf seiner nächsten Sitzung das Bebauungsplanverfahren in Gang setzen. Ein Erschließungskonzept für das gut 50 Hektar große Areal liege in der Schublade. Teile der Infrastruktur seien im Zuge des Kanalbaus für das Flüchtlingscamp bereits geschaffen worden.

Eine bis zu fünf Hektar große Fläche soll als Sondergebiet für das Themenfeld „Neue Energien“ reserviert werden, wozu eine Machbarkeitsstudie erstellt worden ist. Neben bautechnischen Details sprach Drewes einen wichtigen Aspekt im Zusammenspiel der drei Kommunen an: „Wir haben bisher eine sehr gute Vertrauensbasis erreicht.“

„Wir haben auf guten und wunderbaren Wegen zusammengefunden“, charakterisierte Hermann Heuser (Niederzier) in der Talkrunde der Bürgermeister die Entwicklung der Zusammenarbeit von gleich drei Partnern. „Der interkommunale Ansatz steht der Region gut“, ergänzte Jürgen Frantzen (Titz), der die Vorratsplanung von Flächen in der Landgemeinde als überdimensioniert erachtet.

Jetzt gehe es darum, gemeinsam „Regionalentwicklung zu betreiben“. Axel Fuchs (Jülich) haute in die gleiche Kerbe: „Der interkommunale Gedanke ist der Ansatz der Zukunft“, bekräftigte er den Gedanken der Zusammenarbeit.

Die „gelebte Vertrauenskultur“ solle auch dazu beitragen, dass sich die Partner einig werden, wenn es daran geht, ihren Bund vertraglich zu fixieren und „das Kleingedruckte verhandelt wird“, wie es Moderator Dr. Michael Gramm formulierte. Gemeint ist damit etwa die Aufteilung der Gewerbesteuern oder der Grundstückserlöse, die auf dem Campus erzielt werden bzw. der Verluste, die in der ersten Entwicklungsphase zu befürchten seien.

„Wir gehen davon aus, dass wir uns um die 0 bewegen“, äußerte sich Frantzen optimistisch, während Heuser („Wir werden alle profitieren“) neben der Vertrauensbasis eine Balance finden möchte zwischen dem, was wünschenswert und machbar ist. Einig sind sich die Bürgermeister darin, dass noch Hausaufgaben zu erledigen sind.

Frank Drewes geht davon aus, dass wegen der komplizierten Materie erst Ende 2017/Anfang 2018 Planungsrecht auf dem Campus bestehe und sich Ende 2018 die ersten Unternehmen dort angesiedelt haben werden, die wegen einer Vergrößerung ohnehin ihren Standort verlagern möchten. Momentan geht Geschäftsführer Drewes davon aus, dass 90 Prozent des Gewerbegebietes „klassisch“ vermarktet werden.

Dr. Lothar Mahnke, der im TZJ sein Gutachten für das wesentlich kleinere Sondergebiet „Neue Energien“ vorstellte, könnte sich angesichts des „einzigartigen Technologiepotenzials“ in und um Jülich hier sogar noch ein weitaus größeres Interesse für Flächen auf dem Campus vorstellen.

„Das Ding läuft“, lautet die Kürzestversion seines rund 100-seitigen Gutachtens, dessen Aspekte er vor den Zuhörern ausbreitete. Eine entscheidende Rolle rechnet Mahnke für die FH und ihr Solarinstitut aus, deren Campus wenige Steinwürfe vom Plangebiet entfernt liegt.

Mit dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) und Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) befinden sich weitere wissenschaftliche Einrichtungen, die Energieforschung betreiben, in „Fahrraddistanz“. Dieses Jülicher Alleinstellungsmerkmal, so Mahnke, sei bisher nicht erschlossen.

Dazu gehören auch und vor allem die Fachkräfte, die sich hier tummeln. Dr. Doris Samm, Prorektorin der FH, bezifferte die Zahl der in Jülich Studierenden auf rund 4000, davon etwa 600 Absolventen pro Jahr, die man gerne in der Region halten wolle.

Dr. habil. Peter Burauel (FZJ) verwies auf die knapp 5800 Beschäftigten im Zentrum, darunter fast 1000 Doktoranden. Allein im Forschungsbereich Energie/Klima seien rund 900 Wissenschaftler tätig. Zwar betreibe man im FZJ mehr Grundlagenforschung, doch für Ausgründungen sei das Gewerbegebiet sicher sehr interessant.

Keine Universität werde so stark gefördert wie das Forschungszentrum, verwies Thomas Rachel MdB, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, darauf, dass im Zuge der Energiewende die Ausgaben für die Energieforschung verdoppelt worden seien. Nun gelte es, die „einmalige Zusammenballung von Know-how“ in Jülich herauszuarbeiten und den Transfer in die Wirtschaft zu schaffen. „Der Standort ist außergewöhnlich“, pflichtete ihm TZJ-Geschäftsführer Carlo Aretz zu, der empfahl, alle Partner frühzeitig in Überlegungen und konkrete Pläne einzubinden.

Während Michael Eyll-Vetter (RWE) Unterstützung signalisierte, neue Energien voranzubringen, Jens Bröker (Indeland GmbH) eine positive Entwicklung nach dem Tagebau beschwor und Boris Linden (IRR) ein regional abgestimmtes Handlungskonzept anmahnte, empfahl Michael F. Bayer (IHK Aachen), im Kontext Energie auch das Potenzial der Gründerszene („nachwachsende Wirtschaft“) abzuschöpfen.

„Hier ergibt ein Energie-Campus Sinn“, regte Dietmar Nietan MdB an, ein Signal zu setzen und das Land in Sachen Förderung in die Pflicht zu nehmen.

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