Rabbi, Rothschild und Rindswurst: Tag der jüdischen Kultur

Von: ptj
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Vortragsreihe im LVR-Kulturha
Vortragsreihe im LVR-Kulturhaus Landsynagoge zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Seit 1999 wird der „Europäische Tag der jüdischen Kultur” in rund 30 europäischen Ländern jährlich am ersten Sonntag im September begangen. Das Kulturhaus Landsynagoge Rödingen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) beteiligt sich traditionell daran, um über Geschichte und Traditionen des europäischen Judentums zu informieren.

Der Gastgeber begann mit der Esskultur und servierte ganztägig die koschere Frankfurter Rindswurst, die seit 1854 in der Frankfurter Metzgerei Gref Vösing angeboten wird, mit Krautsalat und Brötchen.

Bild- und Filmvorträge

Das „jüdische Frankfurt” war Thema in Bild- und Filmvorträgen. Erste Referentin war Historikerin Anne Gemeinhardt aus dem Jüdischen Museum Frankfurt, die die Neugestaltung des Ausstellungsbereiches zur Geschichte der Juden in Frankfurt nach 1945 betreut.

Ihr Thema war „Rabbiner, Rothschilds, Rückkehrer”. Zu ausgewählten Exponaten aus der Sammlung des Jüdischen Museums auf der Leinwand in der ehemaligen Landsynagoge gewährte sie Einblicke in die Geschichte der Frankfurter Juden vom Mittelalter bis heute.

Breiten Raum nahm dabei die „Judengasse” ein, das Frankfurter Juden-Ghetto in der heutigen östlichen Innenstadt. Es wurde 1462 auf Bestreben des Frankfurter Stadtrates errichtet, um die Kontakte zwischen Juden und Christen zu verringern. Das etwa 15 000 Quadratmeter umfassende Areal war durch Mauern von der übrigen Stadt abgetrennt. Im Norden, Süden und Westen gab es Tore, die nachts sowie an Sonn- und Feiertagen verschlossen blieben. Somit waren die Juden räumlich wie rechtlich ausgegrenzt. „Stättigkeit” hießt der besondere Status der Juden vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Dieser Status wurde in politischer, rechtlicher, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht in der „Stättigkeitsordnung” umfassend geregelt. In internen Angelegenheiten wurde den Juden weitgehende Selbstverwaltung zugebilligt. Im 18. Jahrhundert standen fast 200 Häuser in der Judengasse, in denen etwa 3000 Menschen lebten.

Mäzene und Spenden

Die Gemeindeschule „Das Philanthropin”, zu deutsch „Stätte der Menschlichkeit”, war Thema des zweiten Vortrags, gehalten von der Judaistin Nurith Schönfeld-Amar. Sie ist Fachleiterin an der I.E. Lichtigfeld-Grundschule im Philantropin in Frankfurt. Das Philantropin war die größte und am längsten bestehende jüdische Schule in Deutschland. Eröffnet 1804, fand der Unterricht in der Judengasse statt. Geschlossen wurde sie 1942 durch die Nationalsozialisten.

Bekanntester Schüler war der Bankier Wilhelm Bernhard Bonn (1843 -1910). Mehr als zwei Dutzend Institutionen wurden von ihm als Mäzen bedacht. Er war „ewiges Mitglied” der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des Physikalischen Vereins. Das Freie Deutsche Hochstift, die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, die Goldschmidtsche Stipendienstiftung und Dr. Christs Kinderhospital verdanken ihm erhebliche Spenden.

Letzter Programmpunkt in der Landsynagoge war der Dokumentarfilm „Mazel Tov”, zu deutsch „Viel Glück”, von Mischka Popp und Thomas Bergmann. Er handelt von „vergessenen Helden”, die die Seiten gewechselt haben: Viele tausende Juden haben seit 1990 die UdSSR verlassen. Sie erzählen davon, wie sie einst in der Roten Armee gegen das nationalsozialistische Deutschland gekämpft und dann nach der Öffnung des Ostblocks nach Deutschland ausgewandert sind.

Grauen des Holocaust

Sie erinnern sich an die Grauen des Holocaust oder an das Leid der russischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, als russische Juden den höchsten Blutzoll in allen kriegsführenden Staaten zahlten.

Wie bei jedem „Tag der offenen Tür” im LVR-Kulturhaus koonten die gut 50 Besucher auch an einer kostenlosen Führung durch die Ausstellung teilnehmen.
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