Psychologische Beratungsstelle: „Manchmal reicht ein Gespräch”

Von: Kr.
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Jutta Ehrhardt (li.) und Marcella Heer, hier mit Therapiehund Schröder, berichten von ihrer Arbeit in der Beratungsstelle. Foto: Krol

Jülich. Dasein, zuhören und helfen, die Gedanken einzuordnen” - darin sieht Jutta Ehrhardt, Dipl.-Pädagogin, Dipl.-Sozialarbeiterin und Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich, die Hauptaufgabe für sich und ihre Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr sind rund 350 Menschen mit der Bitte um Hilfe an die Beratungsstelle herangetreten. Zusammen mit den Klienten, mit denen über einen längeren Zeitraum gearbeitet wird, betreut die Einrichtung im Peter Baier Haus in Jülich zurzeit rund 600 Familien. Das heißt wiederum, dass etwa 1000 Personen in die Gespräche eingebunden sind.

Die Probleme sind vielfältig, die Männer, Frauen, Jugendliche und auch Kinder veranlassen, Hilfe zu suchen. Mal sind es schlechte Schulnoten, mal Suchtprobleme, Mobbing, Trennungsprobleme, der Verlust oder der drohende Tod eines nahen Angehörigen oder Probleme mit Gewalt, sei es als Opfer oder Täter. Jeder Fall ist absolut individuell und nicht vergleichbar. „Was wir hier machen, ist Maßschneiderei”, erklärte Jutta Ehrhardt.

In dem Beratungsstellenteam arbeiten außerdem Manfred Bosau (Dipl.-Sozialarbeiter, Individualpsychologischer Berater und Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche), Marcella Heer (Dipl.-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und Integrative Gestaltungspsychotherapeutin), Brigitte Lux (Dipl.-Heilpädagogin, examinierte Krankenschwester), Albert Schuy (Dipl.-Sozialarbeiter, Dipl.-Sozialpädagoge, Gestalttherapeut und Gruppendynamiker) sowie Karin Bischoff (Sekretärin) und Dr. Kasik-Dennhardt (konsiliarisch als Ärztin für Allgemeinmedizin, Psychotherapie und Familientherapie).

Im Team allerdings nicht vergessen werden darf Therapiehund Schröder. Ob er nun einfach nur zum Kuscheln herhält oder bei Tierphobien zum Einsatz kommt, ist zweitrangig. Gerne rauft Jutta Ehrhardt auch schon einmal mit ihm. „Damit zeige ich den Kindern und Eltern, dass auch Streit sein darf und man sich ruhig einmal anknurren darf, wenn Vertrauen und Wohlwollen da sind.”

Eng arbeiten die Therapeuten in der Regel mit Jugend, Arbeits- oder Gesundheitsamt, Schulen, Schuldnerberatung, und anderen Einrichtungen zusammen. Natürlich ist auch stets die Familie mit im Boot. Hilfe findet hier jeder, in dessen Haushalt ein minderjähriges Kind lebt. Aber auch junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 26 Jahren werden betreut.

„Doch”, so betonen Jutta Ehrhardt und Marcella Heer: „Die Teilnahme an einer solchen Beratung ist absolut freiwillig, kostenlos und selbstverständlich unterliegen wir der Schweigepflicht. Sollten weitere Schritte eingeleitet und Personen kontaktiert werden, geschieht dies nur im Einverständnis mit dem Klienten.”

Wendet sich jemand an die Beratungsstelle, wird schnellstmöglich ein Termin für ein Anmeldegespräch vereinbart. Meist geschieht dies in einem Zeitraum von zehn bis 14 Tagen. Ergreifen aber Kinder und Jugendliche selbst die Initiative und kommen zur Beratungsstelle, ist das Team sofort verfügbar.

„Manchmal sind Schwierigkeiten schon mit einem Gespräch zu lösen. Wir sind manchmal Mülleimer und Klagemauer. Unter Umständen reicht es, sich einmal auszusprechen und einen neuen Blickwinkel auf die Probleme zu bekommen”, erklären Ehrhardt und Heer. Hin und wieder geht eine Therapie allerdings auch längere Zeit.

Waren früher Einnässen oder Einkoten ein weit verbreitetes Problem, so sind heute Ängste um den Arbeitsplatz, Scheidung und Trennung, Armut und Gewalt in den Vordergrund gerückt.

Marcella Heer bringt es auf den Punkt: „Arm, krank, bildungsfern. Diese drei Kriterien verursachen die größten Probleme.” Sie führen auch nicht selten zu Gewaltbereitschaft. Deshalb hat die Beratungsstelle Gewaltprävention auch zu ihrem Thema gemacht.

Bewusst wendet sie sich mit ihrem Programm „Gewalt und Gewaltprävention in Familien” an die Täter, egal ob es sich dabei um Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche handelt. Täter und Täterinnen, das haben die Therapeuten bei ihrer Arbeit erkannt, sind selbst entsetzt über ihr Gewaltpotential. Treffen sie auf keinen geeigneten Gesprächspartner, sind Schuld und Scham für sie unerträglich, was zu neuer Gewalt führt.

Die Entwicklung von alternativen Lösungsstrategien, Training von Konfliktmöglichkeiten oder gar Entspannungstraining, sind einige der Möglichkeiten die die Beratungsstelle anbietet. Des weiteren stehen auch Weiterbildungsmaßnahmen für Erzieher/Innen, Kursleiter oder Lehrer auf dem Programm. Workshops und Kurse zu anderen aktuellen Themen wie „Mobbing in der Schule”, „Kinder zwischen Stühlen” für Eltern von Scheidungskindern und einiges mehr gehören ebenfalls zum Programm der Beratungsstelle.

Kontakt kann aufgenommen werden per E-Mail an: erziehungsberatung@diakonie-juelich.de oder unter 02461 52655. Außerdem werden zwei Dependancen in Aldenhoven und Linnich unterhalten.
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