Prügelei mit der Polizei tut älterem Ehepaar „total leid”

Von: gep
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Jülich. Gegenüber Polizeibeamten wurde ein älteres Ehepaar im September vorigen Jahres in der Linnicher Straße ziemlich rabiat. Jetzt wurden sie vom Amtsgericht Jülich wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung verurteilt.

Am Abend der Tat war reichlich Alkohol geflossen: K.-G. P. (56) hatte 2,36 Promille im Blut, U. P. (66) 1,86 Promille.

Auslöser des Zwischenfalls waren offenbar „Differenzen mit der Nachbarschaft”, so der Verteidiger des Mannes. Am besagten Tag kam es zur „Eskalation”, sagte der Anwalt von U., die dann „völlig aus dem Ruder gelaufen” sei. Jedenfalls war die Polizei wegen Ruhestörung in die Linzenicher Straße gerufen worden. Der Anwalt gab vor Gericht an, K.-G. - ein Hausverwalter - habe selbst zweimal die Polizei wegen Ruhestörung angerufen, er sei dann so „überrascht” gewesen, selbst als Ruhestörer verdächtigt zu werden, dass er die Beamten erst wüst beschimpft und dann zu treten versucht habe, als er im Armknebel abgeführt worden sei.

Seine Frau, so die Staatsanwältin, sei ihm trotz gegenteiliger Anweisung zum Streifenwagen gefolgt und habe dabei versucht, einer Beamtin in den Arm zu beißen. Das gelang der Rentnerin auf der Jülicher Wache: Die Beamtin trug eine „vier Zentimeter lange blutige Schramme” davon, hielt ihr Strafrichterin Claudia Wolny vor.

Ihr Verteidiger verwies darauf, dass sie nach ihrer ersten Ehe „psychologisch angeschlagen” sei. Sie habe in einer Alkohol-bedingten „Aufwallung” reagiert, das sei „nicht für sie typisch”.

K.-G. hat dagegen, so die Anklägerin, „ein sehr bewegtes Leben” hinter sich. Elf Vorstrafen seien seit 2000 im Bundeszentralregister aufgelistet, darunter immer wieder Trunkenheit im Straßenverkehr. Und er stehe unter zweifacher Bewährung.

Er habe aber, so warf seine Bewährungshelferin ein, wegen Alkoholismus 2011 eine mehrmonatige Therapie absolviert und setze sich nicht mehr hinter das Steuer eines Wagens. Er habe, so führte sie an, „immer versucht, durch Arbeit sein Leben zu bestreiten”. Die Auftragslage des selbstständigen Hausmeisters sei zwar zufriedenstellend, die Zahlungsmoral der Auftraggeber aber schlecht. Daher beziehe er jetzt ergänzende Sozialleistungen.

Es spreche für den Angeklagten, dass es „nie Probleme mit anderen Nachbarn gegeben habe”, als er in Koslar gewohnt habe. Zudem wohne das Ehepaar seit März nicht mehr in den Linzenicher Straße. Dort „wurde er provoziert und hat sich provozieren lassen”.
Das Ehepaar beteuerte, dass ihnen der Vorfall an jenem Septembertag „total leid tut”.

Sie wollten sich bei den damals eingesetzten Polizeibeamten entschuldigen. „Wir machen es schriftlich.”

Die Staatsanwältin forderte für U. 65 Tagessätze zu je 15 Euro und für K.-G. acht Monate auf Bewährung für fünf Jahre, für eine Bewährung spreche der „positive Bewährungsbericht”.

Richterin Wolny verurteilte U. schließlich zu 70 Tagessätzen von 15 Euro und den Kosten des Verfahrens. K.-G. als „erheblich Vorbestrafter” erhielt acht Monate auf Bewährung und muss ebenfalls die Kosten des Verfahrens tragen.

Wolny berücksichtigte die günstige Sozialprognose. Seit dem Wohnungswechsel sei er nicht mehr auffällig geworden. „Das lässt mich hoffen”, sagte die Richterin. Werde er wieder straffällig, dann „verschwinden Sie auf längere Zeit”, warnte sie.
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