Protest gegen ein Kraftwerk vor dem Denkmal

Von: Volker Uerlings
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Bäume und Sträucher vor der Stadtbastion St. Jakob in der Bongardstraße sind gerodet. Hier soll ein Blockheizkraftwerk entstehen und die Sicht auf das Denkmal für lange Zeit verstellen. Foto: Uerlings

Jülich. Einige Bäume und Sträucher sind schon gerodet. Das Schnittgut liegt noch auf der Fläche an der Bongardstraße gleich neben dem Hallenbad und unmittelbar an der Stadtbastion St. Jakob. Hier wollen die Stadtwerke Jülich ein neues Blockheizkraftwerk errichten und 1,8 Millionen Euro investieren. Gegen dieses Vorhaben regt sich allerdings Protest.

Anfang März haben sieben Jülicher Vereine in einem offenen Brief Bürgermeister Heinrich Stommel gebeten, den Baubeginn zu stoppen und alternative Standorte prüfen zu lassen. Die Stadt Jülich sei nicht nur durch ihren Slogan „Historische Festungsstadt – Moderne Forschungsstadt“ (und einen entsprechenden Leitantrag) in besonderer Weise ihren bedeutenden Baudenkmälern verpflichtet. Es müsse „jede Gelegenheit ergriffen werden, die wenigen alten Sehenswürdigkeiten der mehrfach zerstörten Stadt nicht nur im Stadtbild zu bewahren, sondern sie auch möglichst repräsentativ zu zeigen. Dazu passt ein 200 Quadratmeter großer Bau direkt vor der Bastion St. Jakob in Jülich nicht!“

Das schreiben der Jülicher Geschichtsverein, der Bürgerbeirat Historische Festungsstadt, der Förderverein Festung Zitadelle Jülich, der Freundeskreis Stadtarchiv, der Brückenkopf-Verein, der Verein Stadtmarketing Jülich und die Joseph-Kuhl-Gesellschaft.

Sie erklären, dass die erkennbaren Reste der Stadtbefestigung mit ihrem Grüngürtel im Ellbachbogen das einstige Vorfeld der Festung bildeten und damit einen besonderen Rang in der Stadt- und Stadtbildentwicklung besitzen. Das Grundstück für die Wärmeerzeugungsanlage der Stadtwerke „liegen in diesem Grüngürtel als besonders sensiblem und attraktivem Denkmalbereich Jülichs“.

Demnach müsse jede Bebauung „und erst recht öffentliche Bauherren“ in diesem Umfeld den Gedanken der Denkmalpflege, in diesem Fall auch der Bodendenkmalpflege als auch der Denkmalbereichssatzung für die „Pasqualinische Altstadt“ beachten.

Stadt und Stadtwerke bemühen sich indes nach Angaben des Beigeordneten Martin Schulz um eine Lösung. Das sagte er gestern auf Anfrage unserer Zeitung und kurz nach einem Gespräch mit dem Amt für Denkmalpflege. „Wir sind da sehr offen und bemüht, eine Lösung zu finden, mit der jeder leben kann“, so Schulz. Allerdings gebe es „Zwänge“: Ein Blockheizkraftwerk könne in diesem Bereich nicht überall errichtet werden. Dazu zählten unterirdische Leitungen, in deren Verlauf nicht gebaut werden könne. Es müsse eine „Nähe zum Verbraucher“ (gemeint ist unter anderem das Hallenbad) vorhanden sein. Ferner gebe es „Verträge mit Bezug auf das Hallenbadgrundstück“, die zu beachten seien – neben den Genehmigungsgrundlagen der Bauaufsicht.

Ein gewisser Zeitdruck sei vorhanden, aber nach Übereinkunft mit dem Amt für Denkmalpflege wird es am 26. März einen Ortstermin geben, um die Standorte am und neben dem Denkmal zu begutachten. „Wir besprechen das gerne, aber offen. Vielleicht kann das Blockheizkraftwerk da bleiben, wo es geplant ist, vielleicht kann es woanders errichtet werden“, zeigt der Beigeordnete die Möglichkeiten auf, die ihm vorschweben.

Im offenen Brief der Vereine sieht man die von Schulz genannte erste Möglichkeit nicht. Zudem monieren sie, dass es keine Bürgerbeteiligung gegeben habe: „In der Vergangenheit gab es bei solchen städtebaulich relevanten Planungen in sensiblen Bereichen Gespräche mit interessierten Bürgern bzw. Vereinen.“ Bei diesem Thema sei das nicht passiert. Daher fordern sie, den Baubeginn zu stoppen

Die Vertreter der sieben Vereine räumen ein, dass es in Zeiten knapper Kassen „nicht danach aussieht, dass die Bastion St. Jakob in einen Zustand versetzt wird, der sie (...) als Teil der Renaissancestadtbefestigung glänzen lässt“. Diese Option sollte aber nächsten Generationen nicht unmöglich gemacht werden. „Lassen Sie keine unumkehrbaren Fakten schaffen!“

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