Professorin referiert im Jubiläumsjahr des MGJ

Von: Kr
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Dr. Barbara Schellenberger (links) und Norbert Billstein (rechts) hießen Frau Prof. Dr. i. R. Leonie Herwartz-Emden am Mädchengymnasium Jülich willkommen. Foto: Kròl

Jülich. Monoedukation oder Koedukation. Als in den 60er Jahren die Bildungsreform einsetzte, machte das Mädchengymnasium Jülich sich ebenfalls seine Gedanken darüber, ob eine reine Mädchenschule immer noch zeitgemäß sei.

Sowohl dem Träger als auch dem Kollegium lag dieses Thema am Herzen, doch mittlerweile hat die Schule ihren Weg gefunden und sich als zusätzliches Bildungsangebot in der Stadt Jülich und weit darüber hinaus etabliert.

Zum 125-jährigen Bestehen der Schule griff man dieses Thema noch einmal auf und lud Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden zu einem Besuch nach Jülich ein. Der für November angesetzte Termin musste verschoben werden, doch nun durften Dr. Barbara Schellenberger von Seiten des Schulträgers als auch Norbert Billstein als kommissarischer Schulleiter die Universitätsprofessorin begrüßen. Zahlreiche Interessierte, darunter auch Schülerinnen des Pädagogik Leistungskurses Q1 mit ihrer Lehrerin Stephanie de Haan waren gekommen, um die hoch qualifizierte Universitätsprofessorin zu hören und Anregungen für Unterricht oder Facharbeit zu erhalten.

In Aachen geboren und zur Schule gegangen, hat auch Prof Herwartz-Emden eine Mädchenschule besucht. Einige Semester studierte sie an der RWTH Aachen und gelangte schließlich über zahlreiche Stationen und auch Länder an die Universität Augsburg. Zahlreiche anerkannte Forschungsprojekte, besonders zum Thema Koedukation und Monoedukation, hat sie abgewickelt, die allgemein sehr große Beachtung und auch Förderung, beispielsweise durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder die Stadt München fanden.

Im Thema Mädchenschulen ist sie besonders zu Hause, nicht nur weil sie selbst diese Schulform besuchte, auch als Mutter sammelte sie dort persönliche Erfahrungen. „Der süddeutsche Blick auf Mädchenschulen ist ein ganz anderer. In Bayern sind sie Normalität“, erklärte sie. Sie ging in ihren sehr komplexen Ausführungen auf das Frauenbild in den Nachkriegsjahren ein, als Mode und Haushalt, die wichtigsten Themen der Frauen waren und die ihr Betätigungsfeld hauptsächlich in der Familie hatten.

Mittlerweile hat sich das Frauenbild deutlich geändert. Heute sind auch Mädchen „cool“, doch nach wie vor wird die Frau in der Werbung in erster Linie als Hausfrau und Mutter dargestellt. Auch wenn Mädchen in der Bildung keine Benachteiligungen mehr erfahren und die Jungen teilweise sogar überholt haben, gibt es für sie strukturelle Benachteiligungen, beispielsweise beim Einstieg in den Beruf oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nach wie vor sind die geschlechterspezifischen Merkmale stark ausgeprägt, die auch in den Schulalltag getragen werden.

An Mädchenschulen sind sie auch Thema doch sie bieten Raum zur Orientierung und stellen Distanz zu stereotypen Lebensformen her, erklärte die Professorin „Diese Entdramatisierung öffnet Raum für die Entwicklung von Unterschieden, die auf anderen Dimensionen wie das Geschlecht beruhen“, meinte sie.

Wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass es bei einem getrennten Unterricht von Jungen und Mädchen ihr Selbstwertgefühl steigt, eine breitere geschlechtsatypische Entwicklung ermöglicht und Freiräume zu einer anspruchsvollen Gestaltung geschaffen werden. Festgestellt wurde, dass die Akzeptanz von MINT-Fächern bei Mädchen im monoedukativen Unterricht höher ist, das Interesse steigt und die Stimmung besser wird. Bei Jungen erhöht sich dagegen die Akzeptanz von Geisteswissenschaften.

Doch, so betonte die Pädagogin, egal welche Schulform gewählt wird, ausschlaggebend sei die Qualität und da bietet gerade die Mädchenschule anspruchsvolle Gestaltungsmöglichkeiten. Eine angeregte Diskussion schloss sich ihrem Vortrag an.

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