Professor Tatsuo Shoji freut sich auf Jülich

Von: hfs.
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Bei seinen vielen Aufenthalten im Gästehaus von Dr. Gregor Lieberz lernte der japanische Naturwissenschaftler Prof. Dr. Tatsuo Shoji Jülich, das Umfeld und die Bewohner kennen. Aus „Liebe zu dieser schönen Stadt“ hat er sich nun hier niedergelassen. Foto: hfs.

Jülich. Zuerst einmal ist er Naturwissenschaftler und hat sich als Physiker einen Namen gemacht. Dann ist er noch Künstler, der seine Werke auf internationalen Ausstellungen in Tokio oder zum Beispiel New York zeigt. Und jetzt ist er auch ein Jülicher.

Seit einigen Tagen steht auf der Visitenkarte von Prof. Dr. Tatsuo Shoji auch eine Jülicher Adresse. Nein, keine für ein Feriendomizil, nein, der Professor aus der japanischen Stadt Hyogo hat sich in der Herzogstadt niedergelassen, hat sich eine Eigentumswohnung zugelegt.

Wenn der jetzt 66-jährige emeritierte Professor der Nagoya Universität auf Jülich angesprochen wird, dann leuchten seine Augen, dann gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Ich liebe diese Stadt, ich mag die Einwohner, ich mag die Landschaft, einfach alles, was mit Jülich zu tun hat. Es ist eine wunderbare Gegend, die ich nicht mehr missen wollte.“ Und was ist da einfacher, als in die Stadt, in das Land zu ziehen, das man mag? Nein, sagt Tatsuo Shoji, einfach ist dies nicht, es bedurfte schon einiger Jahre, um die „Liebe für die Herzogstadt“ zu erkennen.

Man muss wissen, dass der studierte Physiker bereits im Jahre 1985 erstmals in Jülich weilte. Genau genommen auf dem Campus der damaligen KFA, des heutigen Forschungszentrums. Mit anderen Wissenschaftlern forschte er im Rahmen einer Zusammenarbeit, die ihn zwei- oder dreimal im Jahr nach Jülich führte. Da lernte er erstmals die Stadt, das Umfeld, aber besonders die Menschen kennen. Eindrücke, die ihn fortan nicht mehr losließen und die ihn ab dem Jahre 1988 in das Gästehaus „Gabriella“ auf der Dr.-Weyer-Straße führten.

„Dort habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt“, macht Tatsuo Shoji Inhaberin Gabriella Lieberz ein dickes Kompliment. Der Japaner kehrte immer wieder in „sein“ Hotel Garni ein, führte viele lange und intensive Gespräche mit Dr. Gregor Lieberz, der als geborener Jülicher auch seinen Teil dazu beitrug, dass der „Herr Professor auch die Geschichte unserer Stadt erfuhr“. Denn einer Sache auf den Grund gehen – das macht der Naturwissenschaftler schon sein Leben lang. Nicht nur bei Experimenten, die er in vielen Labors durchführte, sondern auch als Künstler.

Dabei hat er ein Faible für eines der vier Grundelemente, dem Wasser. „Wir haben alle Erinnerungen an ein primitives Leben vor vier Milliarden Jahren in unseren Genen, aber wir können die Essenzen wie Feuer, Luft, Wasser und Erde kaum fühlen oder sehen.“ Dies versucht der Japaner mittels naturwissenschaftlicher Experimente mit Wasser zu erklären, die immer wieder auch Kinder begeistern. „Er hat auch eine sehr pädagogische Art, seine Präsentationen dem Betrachter näher zu bringen“, sagt Gregor Lieberz, der selbst viele lange Jahre Lehrer war, und weiß, wovon er spricht. Dass man einem Tropfen Wasser Töne entlocken kann, ist für Tatsuo Shoji ein kleines, aber wirkungsvolles Experiment.

Dass man eine CD auch in einer Mikrowelle „abspielen“ kann – dem aus Polycarbonat und mit einer dünnen Metallschicht aus Aluminium bestehenden Datenträger werden dabei Töne entlockt – ist ein weiteres „kleines Experiment“, das der Künstler in Galerien, Museen oder Kunstausstellungen zeigt, neben seinen teils zeitgenössischen Malereien. Dabei fällt vor allen Dingen eines auf: Der Künstler malt mit dem schwärzesten Schwarz, das es gibt, zum Beispiel einen schwarzen Regen über Hiroshima. Dass dabei das Schwarz für die erste Atombombe steht, die 1945 über dieser Stadt abgeworfen wurde, kann sich der Betrachter denken. Für den 66-Jährigen ist es aber auch der Bezug zu den „schwarzen Löchern“ im Universum, die Wissenschaftler noch heute beschäftigen. Auch den Neu-Jülicher, der „Black hole physics“ wie er sagt, heute noch so spannend findet wie zu seiner aktiven Zeit, als er im Institut für Plasmaphysik bis zum Jahre 2014 am Fusionsreaktor mitarbeitete.

Dass er den großen Garten des Gästehauses Gabriella faszinierend findet, voller Inspiration für sein künstlerisches Schaffen, hebt er hervor. So suchte er denn in unmittelbarer Nähe dazu seine neue Eigentumswohnung, von wo er nun in seiner Freizeit viele Exkursionen in, um und um Jülich herum unternehmen wird. „Ich werde meine neue Heimat genießen.“

Natürlich denkt er auch an Japan, sagt er. Doch dann wird der Blick etwas ernster, dann verschwindet für einen Moment sein Lächeln. „In Japan wird es in sieben Jahren ein großes und schweres Erdbeben geben.“ Man ist geneigt, dem Naturwissenschaftler zu glauben, der mit Bestimmtheit hinzufügt, „dass ich dann aber in Jülich sein werde“.

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