Jülich - Produzierte die Wasseruhr der Stadtwerke den Ausreißer?

Produzierte die Wasseruhr der Stadtwerke den Ausreißer?

Von: hfs.
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Elke Wellendorf, Kundin der Stadtwerke Jülich, traut ihrer Wasseruhr nicht mehr. Horrend gestiegener Jahresverbrauch sorgt für stetige Uberprüfung und schriftlich festgehaltene Messwerte. Foto: hfs.

Jülich. So genannte Ausreißer gibt es in vielen Facetten. Ob beim Menschen, der Tierwelt, bei Wahlen oder im Sport. Oder bei einer Wasseruhr, wie bei der Jülicherin Elke Wellendorf. Bis Januar 2008 war für die Kundin der Jülicher Stadtwerke die Welt noch in Ordnung.

„Wir hatten in unserem Drei-Familienhaus jährlich einen Wasserverbrauch von rund 350 Kubikmetern. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als ich die Abrechnung in Händen hielt”, erinnert sich die 44-Jährige noch gut an ihren Schock, als sie die Höhe der Nachzahlung vor Augen hatte.

„Rund 5000 Euro standen da auf der Soll-Seite”, kam ihr und ihrem Mann diese Zahl „spanisch” vor. Direkt wurde in den Unterlagen geblättert. Die Eheleute bemerkten, dass von Januar bis September 2007 laut Zählerstand 666 Kubikmeter registriert worden waren. „Genau mit Ablesedatum vom 17. September, denn da wurde unsere Wasseruhr ausgetauscht.” Natürlich machte der damit beauftragte Mitarbeiter den aktuellen Zählerstand aktenkundig, Kundin Welldendorf bestätigte den mit ihrer Unterschrift.

Horrende Nachzahlung

„Aber ich bin doch zuvor nicht hingegangen, habe den Jahresverbrauch aus 2006 nachgeschaut.” Ein „Versäumnis”, das nun zwei Rechtsanwälte beschäftigt, unzählige Telefonate und noch mehr Schriftstücke nach sich zog. Die Kundin weigerte sich nämlich, die horrende Nachzahlung zu leisten, wies den Verbrauch der vorangegangenen acht Jahre nach. Die Stadtwerke blieben unerbittlich, forderten, mahnten und schickten den Vollziehungsbeamten.

Um weiteren Ärger und Unannehmlichkeiten zu vermeiden, zahlte Elke Welldorf den Betrag - „aber unter Vorbehalt.” Schließlich boten die Stadtwerke ihr schriftlich an, den ausgebauten Zähler von einem Gutachter überprüfen zu lassen. Doch dazu kam es gar nicht, denn Wochen später teilte der Anwalt der Stadtwerke ihr mit, dass die Wasseruhr nicht mehr auffindbar sei und deshalb nicht mehr geprüft werden kann.

Für Paul Gormanns, Prokurist im Bereich Technik, ist das ungewöhnlich. Er versteht nicht, warum der Kundin dieses Angebot überhaupt unterbreitet wurde. „In der Regel werden ausgetauschte Wasseruhren höchstens eine Woche bei uns zwischengelagert. Meistens gehen sie nach zwei Tagen zum Hersteller zurück und werden dort auseinandergenommen.

Es wird ein neues Zählwerk eingebaut, die Uhr wird neu geeicht, gesandstrahlt, mit einer neuen Nummer versehen und gelangt wieder in den Kreislauf.” Für Gormanns ist der Ausreißer im Verbrauch technisch gesehen nicht nachvollziehbar. „Das Zählwerk dreht sich nur, wenn Wasser fließt.”

Doch ob tatsächlich ein Defekt in der Wasseruhr vorgelegen hat, lässt sich nicht mehr klären. Woher der erhöhte Wasserverbrauch stammt, ist bis zum heutigen Tag ein Rätsel. Alle Zuführungen wurden überprüft, die Stadtwerke waren vor Ort, stellten ihrerseits Nachforschungen an. Alle ohne Ergebnis.

„Die Stadtwerke sind mir entgegen gekommen. Die Abschlagszahlungen sind auf den Stand der Vorjahre herabgesetzt worden.” Aber nicht als Eingeständnis irgendwelcher Unregelmäßigkeiten an der Uhr. „Es könnte ja sein, dass in der beanstandeten Zeit ein Wasserrohrbruch vorherrschte, oder ein Mieter im Hause Wellendorf wochenlang Wasser hat laufen lassen”, sagt Yvonne Burlet, bei den Stadtwerken Leiterin Abrechnungswesen und Kundenberatung.

Sie sieht die Abschlagszahlung an das Niveau der Vorjahre als „Entgegenkommen an den Kunden” an, was Elke Wellendorf aber nicht davon abhält, seit Januar 2008 jeden zweiten Tag den Stand der Wasseruhr abzulesen und die Werte zu protokollieren. Vielleicht hilft das ja auch bei der Abrechnung für 2008, denn da machte sich zwischen dem 27. November und 10. Dezember erneut ein Ausreißer an der Wasseruhr bemerkbar. Im Hause Wellendorf rauschten an diesen beiden Wochen rund 10.0000 Liter (!) Trinkwasser durchs Zählwerk.
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