Privatsphäre im Jülicher Hühnerstall auf Rädern

Von: Guido Jansen
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Agraringenieur Peter Wynen betreibt als einziger Eierproduzent im Jülicher Land die mobile Freilandhaltung für Hühner. Foto: Guido Jansen
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Privatsphäre: In den Nestern der mobilen Hühnerställe sind die Legehennen meistens ungestört; es sei denn, die Eier werden gesammelt. Foto: Guido Jansen
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Hühnerstall auf Rädern: Einmal pro Woche, spätestens alle zehn Tage wird das Mobil auf einem anderen Stück Wiese aufgestellt. Foto: Guido Jansen

Jülich. „Hühner machen keinen Unterschied“, sagt Eva Peterson und lächelt dabei. „Sie legen wegen Ostern nicht mehr Eier.“ Das haben sie und ihr Lebensgefährte Philipp Wynen schon in ihrer ersten Eier-Saison festgestellt. Genau so wie die Tatsache, dass die Nachfrage nach Eiern vor dem Osterfest größer ist als sonst. „Wir sind schon froh, wenn Ostern ist. Die Tage davor sind lang“, berichtet Wynen aus dem Alltag von Jülichs jüngster Eierproduktion.

Beklagen will sich das junge Paar nicht, Eier sind genau das Geschäft, dass sie sich ausgesucht haben. Seit 2013 betreibt Philipp Wynen einen kleinen Obst- und Gemüsehandel in der Jülicher Kölnstraße. Seit August kommen die Eier aus dem eigenen Betrieb und sind direkt zu einem wichtigen Standbein geworden.

Der Trend sei klar zu erkennen, dass viele Käufer wissen wollen, wo die Eier herkommen und dass es den Tieren gut geht. Im Fall von Fructolus – so heißt das Unternehmen – können die Kunden den Hühnern jeden Tag zuschauen auf den Feldern an der Römerstraße zwischen der Jülicher Innenstadt und Stetternich.

„Ein Freund hat mir irgendwann von den mobilen Hühnerställen erzählt“, berichtet Wynen, wie er auf die Idee gekommen ist, die Hühner so zu halten wie niemand sonst im Jülicher Land.

Jeden Tag um 10 Uhr öffnet sich die Klappe des Stalls, und die Hühner können raus auf ein mit Elektrozaun abgestecktes Stück Wiese. Ein Mal pro Woche, spätestens alle zehn Tage ziehen die Ställe um auf ein neues Stück Wiese. „Dann haben die Hühner immer eine frische Wiese, auf der sie laufen, picken oder scharren können“, sagt Wynen. Abends kehren die Tiere dann zurück in den Stall, ganz von selbst, und die Klappe schließt sich automatisch.

Im Stall selbst gibt es einen Schlafbereich mit Stangen für die Hühner. Hier können sie fressen und trinken, darunter liegt ein Scharrraum. Am hinteren Ende befinden sich Nester, die mit kleinen Gummivorhängen abgetrennt sind vom Schlafraum. Sie sind mit Dinkelspelzen gefüllt, der Gemütlichkeit halber. „Hier haben die Hühner dann etwas Privatsphäre, wenn sie ihre Eier legen“, sagt Wynen und lächelt. Die Tiere nehmen das Angebot offenbar gerne an. Nur wenige Eier müssen Wynen und Peterson nach eigener Auskunft im Stall oder auf der Wiese suchen. Sie öffnen die Klappe über den Nestern und können die Eier direkt einsammeln.

Angefangen haben Peterson und Wynen im August mit zwei, mittlerweile betreibt das Paar vier mobile Hühnerställe, in jedem leben rund 250 Tiere. Das ergibt pro Tag rund 900 oder 950 Eier mit dem Prädikat Freilandhaltung. „Uns war das Tierwohl von Anfang an wichtig“, sagt Wynen. Auch deswegen habe er sich für die mobilen Ställe entschieden. Tagsüber draußen, jede Woche auf einer frischen Wiese – solche Vorteile biete der Stall auf Rädern.

Das wissen offenbar auch die Passanten zu schätzen. Häufiger beobachtet das Paar, dass Menschen auf dem Radweg Halt machen und die Tiere beobachten. „Mich hat eine Frau angesprochen, die gesagt hat, dass sie hier relativ häufig gucken kommt. Sie hat mich sogar gefragt, ob ich nicht Bänke aufstellen kann.“ Überlegt hat er das, praktisch sei das aber nicht, weil die Bänke ja jede Woche mit umziehen müssten. „Wir sind ganz gut ausgelastet“, sagt Wynen. Der Laden in der Innenstadt mit Obst, Gemüse und Eiern, seit Februar stehen sie zudem drei Mal auf dem Jülicher Wochenmarkt.

Das Färben der Eier zu Ostern haben sie deswegen an einen Dienstleister vergeben. Für gefärbte Eier muss der Kunde sieben Cent tiefer in die Tasche greifen. Ein mittelgroßes Ei aus Freilandhaltung kostet dann 40 Cent. „Das ist teurer als Eier aus Bodenhaltung. Der Hersteller der mobilen Ställe hat mal ausgerechnet, dass jeder im Schnitt pro Jahr elf Euro mehr ausgibt, wenn er nur aus Eier aus Freilandhaltung kauft. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Kunden bereit sind, das zu zahlen“, sagt Philipp Wynen.

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