Privatfehde in Gevelsdorf: Elf Zeugen, aber kein handfester Beweis

Von: hfs.
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Eine Privatfehde ist in Jülich zum wiederholten Mal Mittelpunkt einer Verhandlung. Symbolbild: Friso Gentsch/dpa

Jülich. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte 59-jährige Landwirte aus Gevelsdorf im Amtsgericht Jülich verurteilt würden, war schon vor der Hauptverhandlung gering. Zu widersprüchlich waren die Begleitumstände, die der Anklage zugrunde lagen.

War die Staatsanwaltschaft Aachen nach der Strafanzeige eines selbstständigen IT-Beraters, ebenfalls aus Gevelsdorf, nach Ermittlungen zuerst zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Strafvorwurf nicht besteht und hatte daraufhin das Verfahren eingestellt, wurde dieses aber wieder aufgenommen.

Der Grund: Der Geschädigte benannte seine Ehefrau als Zeugin, sie ein Gedächtnisprotokoll angefertigt hatte, obwohl sie bei der Tat gar nicht dabei gewesen war. Es beruhte auf einem Gespräch mit ihrem Mann nach der vermeintlichen Tat. So wurde dann doch Anklage erhoben. Die war jedoch nach gut eineinhalbstündiger Verhandlung vom Tisch, weil das Verfahren nach § 153 der Strafprozessordnung eingestellt wurde.

Elf Zeugen, drei Rechtsanwälte

Elf Zeugen waren geladen, drei Rechtsanwälte sowie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Aachen waren aufmarschiert, um die Ereignisse aufzuklären, die sich am 17. Februar des vergangenen Jahres auf einem Feldweg bei Gevelsdorf zugetragen haben sollen. „Kann es sein, dass Sie in Gevelsdorf nach Gutsherrenart versuchen, alles zu regeln und zu regulieren?“, fragte Anwalt Michael Ophei aus Viersen den IT-Berater. In der Verhandlung stellte sich heraus, dass der angeblich Geschädigte mit fast dem ganzen Dorf im Clinch lag.

Zum Thema wurden so zahlreiche weitere Gerichtsverhandlungen, die bisher auf Grund von Anzeigen des Klägers anhängig waren, der seit Jahren mit einem der beiden Landwirte eine nachbarschaftliche Fehde austrägt. In diese ordnete Ophei auch das jetzige Verfahren ein. „Wenn wir nur diesen einen Zeugen vernehmen, dann haben wir uns viel Zeit erspart. Denn dann wird sich herausstellen, dass sich der Überfall so gar nicht abgespielt haben kann“, warf Rechtsanwalt Anton Mülfarth aus Jülich, der den anderen Angeklagten vertrat, in die Runde.

Zu diesem Zeitpunkt war aber schon festzustellen, dass sowohl die vorsitzende Richterin, als auch die Staatsanwalt Zweifel hegten, was die Tat anbelangt. Schon bei den Ermittlungen hatten die beiden Angeklagten ausgesagt, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt überhaupt nicht in Gevelsdorf beziehungsweise am Ort des Geschehens gewesen sein konnten. Der eine hatte sich mit einem Kollegen auf dessen Hof getroffen, der andere war mit einem Bekannten zu einer Werkstatt zwecks Autokauf gefahren. Das bestätigten Zeugen.

Dem standen die Behauptungen des Geschädigten entgegen. Der schilderte, dass er am besagten Tattag, bei dem er mit seinem Hund auf dem Feldweg unterwegs gewesen sei, auf seinen Nachbarn getroffen sei. „Der ist vom Trecker gesprungen, hat mich direkt verbal angegriffen.“ Wie aus dem Nichts sei dann der zweite Täter eingetroffen. „Der hat dann direkt mit einem Besenstil auf mich eingehauen.“ Bei dem Versuch, diesen Stil dem Mann zu entreißen, seien beide ins Feld gefallen.

„Auf Hilferufe hat sich mein Nachbar dann auf mich gestürzt, mich in den Schwitzkasten genommen, ist mir auf die Hand getreten“, berichtete der Kläger den Tatverlauf. Laut Anklageschrift erlitt der Mann bei dem Überfall Prellungen am Schädel, Ellenbogen, Zeige- und Kleinfinger sowie ein Schleudertrauma. Verletzungen, die im Krankenhaus in Jülich diagnostiziert worden waren. Warum es nun doch nicht zur Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung kam, dies dürfte auch auf die Zeugenvernehmung des Klägers zurück zu führen sein.

Aus der Nase ziehen

„Lassen Sie sich doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen“, rügte die vorsitzende Richterin dessen Aussagen. Er antwortete auf Fragen der Verteidiger teils vage, teils gar nicht, oder unvollständig. „Bei einer Ihrer vorherigen Gerichtsverhandlungen ging es doch auch um einen Besenstil, mit dem sie geschlagen wurden“, sollte der Zeuge die damaligen Geschehnisse auf Frage von Michael Ophei erläutern. Er blieb die Antwort schuldig, könne sich nicht mehr erinnern, meinte er.

Da der Staatsanwaltschaft mittlerweile auch Zweifel gekommen waren, stimmte sie dem Vorschlag der beiden Verteidiger zu, das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen. Die Kosten des jetzigen Verfahrens, auch die der aufmarschierten Zeugen, übernimmt die Staatskasse. Kommentar eines Zeugen: „Nach dem Wegzug des Mannes aus Gevelsdorf ist im Dorf nun Gott sei Dank Ruhe eingekehrt.“

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