Prellball: Die letzten ihrer Art sind hochmotiviert

Von: Guido Jansen
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Nicht Fußball, nicht Handball: Prellball heißt der Sport, den diese elf Männer aus Jülich teilweise schon seit über 50 Jahren praktizieren. Foto: Guido Jansen

Jülich. „Das kann der Erwin. Returnieren. Da ist er blitzschnell“, sagt Karl Frey, während er zwischen zwei Prellballspielen eine kurze Pause macht. „Das ist doch kein Wunder“, antwortet Heinz Bierth. „Der Erwin ist doch einer von den Jüngeren.“

Frey und Bierth lachen. Sie sind die Ältesten in der Prellballgruppe des Jülicher TV. Bierth, 86, kann nicht mehr, das Knie macht nicht mehr mit. Frey, 85, ist jeden Mittwoch noch voll bei der Sache. Und Erwin, der vermeintlich junge Hüpfer, heißt mit Nachnamen Loup und ist 79 Jahre alt. Einer von den Jüngeren eben in der Prellball-Gruppe des Jülicher TV, der vermutlich ältesten Mannschaft in der Region mit einem Altersdurchschnitt bei gut 80 Jahren.

Loup ist nicht der Jüngste. Der hört nämlich auf den Namen Manfred Mertens, ist 76 Jahre alt. „Unser Nesthäkchen“, sagt Loup in einer gemeinsamen Trinkpause. Alle lachen, Loup korrigiert sich. „Na ja, besser gesagt unser Nesthaken.“ Mertens ist der Jüngste, aber trotzdem ein Mann der ersten Stunde. Seit 1961 fährt die Gruppe jedes Jahr für drei oder vier Tage auf Mannschaftstour. In der vergangenen Woche war die erste Trainingseinheit nach der Fahrt für dieses Jahr. Vier Tage Ladenburg am Neckar standen auf dem Programm. „Ohne Frauen“, wie die elf Männer betonen und dabei wieder lachen.

Die Suche nach jungem Nachwuchs haben die Prellballspieler aufgegeben. „Ich schätze, wir sind die letzten Prellballer“, sagt Loup. Und alle nicken. Der jüngste Neuzugang der Mannschaft ist Werner Kullbach (81), der vor drei Jahren den Tennisschläger gegen den Prellball getauscht hat. Eine Umstellung. „So, wie die, die das schon seit vielen Jahren machen, lerne ich das nicht mehr“, sagt der Neue.

Gegen andere Mannschaften gespielt haben die Jülicher schon viele Jahre nicht mehr. Zuletzt im vergangenen Jahrtausend. Seitdem ist die Mannschaft unter sich. Und sie hat sich damit abgefunden: Mit ihnen wird Prellball im Jülicher Land aussterben. Schwermütig sind die elf Männer deswegen nicht. Im Gegenteil. So lange es geht, soll Prellball Spaß machen. Im Moment geht es noch.

Das Training falle nur selten aus, weil zu wenig Männer dabei sind sagt Loup, der von Anfang an so etwas wie der Kopf der Mannschaft war. Der Zusammenhalt ist groß. „Wenn einer mal krank ist, dann ist er trotzdem nicht alleine“, sagt Erich Wallura (77), dass die anderen Zehn nicht nur Mitspieler, sondern auch Freunde sind. Freunde, die auch verzeihen, wenn auf dem Spielfeld mal der eine oder andere Fehler passiert. Dann fallen Kommentar wie: „Früher hätteste den jekriegt“.

Damals, Anfang der 60er Jahre, war Prellball noch in. Eine Sportart, die sich aus dem Turnsport heraus entwickelt hat. So wie Faustball oder Völkerball. Das Team in Jülich hatte großen Zulauf. Es gab die Einheimischen und die jungen Wissenschaftler, die wegen der damaligen Kernforschungsanlage nach Jülich gekommen waren. „Die Einheimischen haben uns toll aufgenommen“, sagt Fritz Führ (79). Bis heute funktioniert die Mischung. Frey, Bierth, Loup, Mertens, Kullbach, Wallura, Führ, Josef Wieneke (82), Heino Bücher (78), Hans Lorentz (79) und Wolfgang Krasser (77) denken nicht ans Aufhören.

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