Preisverfall setzt auch Milcherzeugern im Jülicher Land zu

Von: hfs.
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Marc Flatten rät, weiterhin „über den Tellerrand zu schauen, denn im Ausland ist der Bedarf an Milch da.“ Von gewalttätigen Protesten seiner Berufskollegen distanziert er sich ausdrücklich. Foto: hfs

Jülich. Bettina Münster, 34-jährige Hausfrau, steht in Jülich am Verkaufsregal eines Discounters. Sie nimmt zwei Liter Frischmilch, der Liter für 55 Cent, dazu noch einen 200-Gramm-Becher Buttermilch für 29 Cent. Sie räumt ein, dass es sich um „Superpreise“ handelt.

Sie hat auch Verständnis für den momentanen Protest der Milchbauern. Aber sie sagt mit Nachdruck, dass sich die Erzeuger einfach „verkalkuliert“ haben. „Sie sind selbst schuld.“

Selbst schuld? Blickt man in die Historie des Milchstreits – er erreichte im Mai 2008 in der Region den Höhepunkt, als sich die Bauern weigerten, die Molkereien weiter zu beliefern –, dann fällt auf, dass die Milchbauern schon seit vielen Jahren ein Ende der Produktionsquoten forderten. Die Milchquote wurde 1984 durch die damalige Europäische Gemeinschaft eingeführt, um die Milchproduktion in den Mitgliedstaaten zu beschränken, und lief am 1. April diesen Jahres aus. Seit diesem Zeitpunkt können die Milchproduzenten unabhängig von der Quote Milch erzeugen und liefern. Was zur Folge hat, dass es eine scheinbar eine Überproduktion gibt, die den Preis drückt.

Milcherzeuger Marc Flatten aus Koslar verneint das. „Nicht bei uns im Kreis Düren, da ist die Milchproduktion stark rückläufig“, sagt er. Allerdings werde in Deutschland insgesamt schon seit fast zwei Jahren überproduziert. So wurden zum Beispiel fast 25 Milliarden Liter Milch hergestellt. Tendenz steigend. Bisher ging die Hälfte von dem, was in deutschen Ställen gemolken wurde, in den Export.

Noch im Januar des Vorjahres lag die Milchpreisvergütung für den Erzeuger bei 40 Cent je Liter. Zurzeit ist er auf 27 Cent gesunken. Denn auf dem globalen Milchmarkt tobt, und dies sagt der Deutsche Bauernverband, ein heftiger Wettbewerb. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. „Preisschwankungen bei Agrarprodukten sind nichts Ungewöhnliches“, muss auch Marc Flatten einräumen.

Weltweit wird aktuell viel weniger Milch getrunken, zudem gibt es einen deutlichen Rückgang bei den Importen nach China wegen der dortigen Wirtschaftsprobleme. Zum anderen falle Russland seit dem Moskauer Importstopp als ganz großer Milchabnehmer aus. „Aber vor diesem Hintergrund wieder eine Milchquote einzuführen, wäre völlig falsch“, meint der Jungbauer aus Koslar. Und: „Wenn wir jenseits von 32 Cent vergütet würden, gäbe es keine Proteste.“

Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft aus Güsten, pflichtet bei. „Denn man kann nicht von heute auf morgen die Kuh abdrehen.“ Zudem verhindere „eine Quote nicht das Absinken der Preise, wie der Preisverfall 2009 gezeigt hat“.

Die finanzielle Lage bei den rund 100 Betrieben im Kreis Düren, zu denen auch der von Marc Flatten gehört, sei angespannt, sagt Gussen. Trotzdem spricht er sich nicht wieder für die Quote, sondern weiter für verstärkten Milchexport aus: „Wir müssen den Export fördern, aber gleichzeitig auch Zollhemmnisse abbauen.“ Er plädiert für Soforthilfen, die Milchbauern erhalten sollen.

Von solchen Forderungen ist der Jungbauer aus Koslar weit entfernt. „Die bringen nur kurzfristig etwas.“ Marc Flattern tendiert dazu, „über den Tellerrand zu schauen, denn der Bedarf an Milch ist im Ausland weiterhin da“. Dass die Preise für den Milcherzeuger in absehbarer Zukunft wieder ansteigen, sieht er nicht. Auch ist er nicht dafür, wie 2008 Molkereien zu bestreiken. „Wir sollten weiter im Dialog bleiben, denn das sind unsere Vermarkter. Zudem nehmen sie uns die gesamte produzierte Milch ab.“

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