Jülich - Preis für alleinerziehende Mutter und Forscherin

Preis für alleinerziehende Mutter und Forscherin

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:

Jülich. So sortiert hatte man sich das Büro einer Forscherin eigentlich nicht vorgestellt. Vor dem großen Fenster steht ein großer Schreibtisch, darauf ein Computer und zwei Monitore. Das Büro ist minimalistisch eingerichtet, fast wirkt es ungenutzt. Keine meterhohen Papierberge, kein dekorativer Schnick-Schnack.

An den Wänden keine Bilder. Es sieht aus, als habe Anna Dovern alles aus ihrem Büro verbannt, was sie von der Wissenschaft ablenken könnte. Sie ist ein aufgeräumter Mensch.

Anna Dovern, 28, ist Neuropsychologin am Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich. Sie ist eine gute Neuropsychologin, und sie ist alleinerziehende Mutter. Für diese Kombination hat sie gerade einen Förderpreis bekommen, 20.000 Euro: Die Deutsche Unesco-Kommission und ein Kosmetikkonzern haben in Partnerschaft mit der Stiftung der Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard ein eigenes Förderprogramm für junge Naturwissenschaftlerinnen ins Leben gerufen.

Das Förderprogramm richtet sich an herausragend qualifizierte, in Deutschland tätige Doktorandinnen mit Kindern. Es richtet sich an Menschen wie Anna Dovern.

Dovern trägt auch im Büro am liebsten Jeans und Turnschuhe. Sie mag nicht nicht aussehen wie der Prototyp einer Forscherin, aber gerade das ist sie mit großer Leidenschaft. Sie strahlt, wenn sie von ihrer Forschung erzählt. Ihr Fachgebiet ist die Apraxie, einer Störung im menschlichen Bewegungsapparat, wie sie häufig bei Schlaganfall-Patienten auftritt. Auf der Grundlage ihrer Studien könnten neue Therapien entwickelt werden, sagt Anna Dovern.

Nur eines lässt Doverns Augen noch mehr blitzen als ihre Forschungsergebnisse: ihr Sohn Julian. Der ist inzwischen acht Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Und er kommt, glaubt sie, sehr nach seiner Mutter. „Naturwissenschaf ten sind eine Leidenschaft von Julian. Zahlen sind einfach sein Ding”, sagt Anna Dovern und lacht.

Viele Frauen treten im Beruf kürzer, wenn sie eine Familie gründen. Anna Dovern nicht. Sie stieg erst richtig ins Berufsleben ein, als sie bereits Mutter war. Kurz nach ihrem Abitur kam Julian zur Welt, aber für Anna Dovern war es keine Frage, ein Studium zu beginnen. Sie studierte Psychologie in Maastricht. Mit Beginn ihrer Masterarbeit ging sie ans Forschungszentrum Jülich, an dem sie Erfahrungen in der klinisch-orientierten Forschungspraxis sammelte. In Jülich arbeitet sie derzeit an ihrer Doktorarbeit.

„Die Doppelbelastung ist anstrengend”, sagt Dovern, „aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.” Anna Dovern hat Glück, einen großen Rückhalt in der Familie zu finden: „Ohne die Unterstützung der Großeltern wäre es kaum möglich gewesen, Studium, Beruf und die Kinderbetreuung zu vereinbaren.” Anna Dovern ist gelungen, woran viele Frauen aus verschiedenen Gründen scheitern: Sie hat es geschafft, Beruf, Kind und eine vielversprechende Karriere unter einen Hut zu bringen.

Die Hälfte des Preisgeldes, das Anna Dovern erhält, geht ans Forschungszentrum Jülich. Mit 10.000 Euro soll das Kinderbetreuungsangebot ausgebaut werden. Die anderen 10.000 Euro dienen Anna Doverns Weiterbildung, aber nicht nur der: „Es ist eine finanzielle Unterstützung, mit der man sich neue Freiräume und mehr Zeit für Kind und Forschung verschaffen kann”, sagt Dovern. Sie könne jetzt gelegentlich einen Babysitter für Julian engagieren, um sich selbst für einige Stunden einen Freiraum zu schaffen oder die betreuungserprobten Großeltern zu entlasten. Das war bislang mit ihrem Doktorandengehalt kaum möglich.

Ihre erste Anschaffung, sagt Anna Dovern, werde aber eine Spülmaschine sein. Sie ist, wie gesagt, ein aufgeräumter Mensch.
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