Jülich - Politesse beleidigt? Studentin freigesprochen

Politesse beleidigt? Studentin freigesprochen

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Knöllchen
Nachdem die Studentin fälschlicherweise einen Strafzettel erhalten hatte, kam es zu einem Streit, bei dem die junge Frau die Beamtin beleidigt haben soll. Foto: Stefan Sauer/dpa

Jülich. Eine Anklage wegen schwerer Beleidigung endete jetzt vor dem Jülicher Amtsgericht mit einem Freispruch. Eine Mitarbeiterin des Jülicher Ordnungsamtes hatte eine Jura-Studentin aus Jülich angezeigt, weil sie sie im vergangenen Jahr unter anderem als „fettes Schwein“ beschimpft haben soll.

Richterin Sina Wietrzychowski folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft nicht, eine Geldstrafe gegen die Beklagte zu verhängen. Die Ereignisse von damals seien nicht mehr nachvollziehbar, deswegen entscheide sie im Zweifel für die Angeklagte und damit auf Freispruch.

Eine Sache sah die Richterin als erwiesen an. Am 21. August war es in der Jülicher Innenstadt zum Streit zwischen der Studentin und der Mitarbeiterin der Stadt gekommen, die dafür zuständig ist, Parkverstöße aufzunehmen und Knöllchen zu verteilen.

Fest steht auch, dass die Studentin auf der Kölnstraße geparkt hatte und zum Ticketautomaten gegangen war, um einen Parkschein zu lösen. Als sie zu ihrem Wagen zurückkehrte, steckte bereits ein Knöllchen am Scheibenwischer. Da sich die Zeitpunkte des Ticketlösens und der Verwarnung überschneiden, hatte die Stadt Jülich das eigentliche Knöllchen zeitnah zurückgezogen. Gegenstand der Gerichtsverhandlung war der Streit. Die Aussagen der Beklagten und der Politesse, die als Zeugin ausgesagt hat, haben sich widersprochen.

Die Studentin sagte aus, dass sie die Zeugin darauf aufmerksam gemacht habe, dass sie gerade erst geparkt und ein Ticket gelöst habe. Als sie eine schroffe Antwort erhalten habe, habe sie die Frau aufgefordert, ihren Namen zu nennen. „Daraufhin ist sie frech, laut und böse geworden und hat mich als Flittchen beschimpft.“

Ursprüngliche habe sie die Stadt-Mitarbeiterin anzeigen wollen, da sie aber seitens der Verwaltung nicht unmittelbar den Namen erhalten habe, habe sie davon Abstand genommen.

Die Stadt-Mitarbeiterin schilderte, dass sie mit der Studentin habe reden wollen. „Dazu hatte ich aber keine Chance mehr“, sagte sie. Sie sei darüber entrüstet gewesen, dass sie sich von einer jungen Frau derart habe beleidigen lassen müssen und dass sie dann noch angezeigt werden sollte.

Staatsanwalt Maurice Emunds wertete die Aussagen der Beklagten als weniger glaubwürdig. „Es ist davon auszugehen, dass sie die Zeugin als fettes Schwein bezeichnet hat.“ Richterin Wietrzychowski teilte diese Auffassung nicht. Da Aussage gegen Aussage stand, entschied sie auf Freispruch.

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