Poetry Slam in der GHS Ruraue Jülich

Von: dmd
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Frederik Brumm
Tagessieger: Frederik Brumm kam mit selbstironischen Texten sehr gut bei den Schülern an, doch auch „Gegnerin“ Aylin Celik erhielt viel Applaus. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Beim Poetry Slam treten Dichter auf die Bühne, kämpfen gegeneinander und um die Gunst des Publikums. Im Rahmen einer jährlichen Lesung für die zehnten Klassen an der Gemeinschaftshauptschule Ruraue traten zwei junge Slammer in Jülich gegeneinander an: Frederik Brumm und Aylin Celik.

Einführend informierte Lyrikerin, Moderatorin und Literaturvermittlerin Pamela Granderath über die Geschichte des Poetry Slam, wie er nach Deutschland kam und sich hier zu einer Massenbewegung entwickelte.

Die ersten Poetry Slams fanden schon vor 30 Jahren in den USA statt, das Veranstaltungsformat wurde nach Berlin geholt, später nach München und Düsseldorf. Heute hat sich in Deutschland die zweitgrößte Poetry-Slam-Szene weltweit etabliert. Die Regeln sind denkbar einfach. Jeder, der Texte schreibt, kann sich auf die Bühne stellen. Bedingung: Sie müssen aus der eigenen Feder stammen. Die Vortragszeit ist begrenzt und variiert zwischen drei bis sechs Minuten. Requisiten oder Kostüme dürfen nicht verwendet werden. Über Sieg oder Niederlage entscheidet das Publikum.

Die beiden Slammer, Frederik Brumm und Aylin Celik, trugen vor den Schülern in der Aula der Musikschule jeweils vier Texte vor. Die Texte der 19-jährigen Aylin waren durchweg gesellschaftskritisch, handelten von Flucht, Sexismus oder von „Klarheit“. Fast schon philosophisch setzte sie sich mit den Themen auseinander, sprach schnell, klar artikuliert, pointiert, mit viel Gestik und Mimik. Teilweise wechselte sie in einen melodischen Sprechgesang. Den ersten Text für einen Poetry-Slam hat Aylin erstmalig in einem Schulworkshop in der 10. Klasse geschrieben. Seit 2013 tourt sie durch Deutschland, nahm schon an den deutschsprachigen Meisterschaften teil.

Frederik (24) schreibt selbstironisch, zum Beispiel über das Thema „Lügen“ oder eine Hymne an sich selbst. So sagt er, wer lüge, mache sich das Leben einfacher, siehe Doping – das mache doch jeder, blöd sei nur wer sich erwischen ließe. In einer Hymne preist er seine eigene Person, findet sich unglaublich gut und wiederholt diese Aussage ungezählte Male.

Er überzeichnet mit gut getarnter Ironie, Witz und Spitzfindigkeit. Er entlarvt die männliche Vorstellungswelt und Selbstwahrnehmung seiner Generation und spielt mit der Unklarheit, ob er das wirklich ernst meint oder nicht? Den Schülern gefiel es, ihn wählten sie zum Tagessieger.

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