Pleite in Hellas: In der Ferne wenig Hoffnung

Von: Thomas Mauer
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Wie in der Politik: Scharf angebraten und gut gewürzt bietet Antonios Papadatos in Jülich griechisches Essen. Er nimmt nicht nur aus familiären Gründen Anteil am Schicksal der Landsleute. Foto: Mauer

Jülich. Die politische Auseinandersetzung zwischen Griechenland und Europa berührt selbstverständlich auch die Hellenen, die in Deutschland ihr Zuhause gefunden haben. Einer von ihnen ist Antonios Papadatos, der die Staatspleite und den Abschied vom Euro seiner Geburtsheimat vor Augen hat.

1995 kam er nach Jülich, seitdem betreibt er mit seiner Ehefrau ein Restaurant, die Kinder sind zum Teil in Deutschland geboren und kennen Griechenland nur vom Urlaub oder Besuch bei den Großeltern.

„Wenn sich Griechenland am Wochenende gegen Europa entscheidet, fallen wir 100 Jahre zurück“, ist sich Papadatos sicher. Genau das aber prophezeit Ehefrau Maria: „Die entscheiden sich 100-prozentig für Tsipras.“

„Wir haben in Griechenland 40 bis 50 Jahre so gelebt, das ist nicht über Nacht zu verändern.“ Das System des Schuldenmachens beschreibt die Ehefrau als ein System, das von oben nach unten funktioniert habe. „Der Tsipras versucht nur, das einzulösen, was er versprochen hat.“ Ein Vorhaben, das für dieses Land relativ neu und ungewohnt sei.

Die konkreten Auswirkungen der Sparmaßnahmen bislang kennen die beiden aus dem direkten Umfeld. Die Eltern von Antonios‘ Eltern leben in Athen, zusammen mit seinem arbeitslosen Bruder. Den Dreien bleiben im Monat 550 Euro. „In Athen sind die meisten selbstständig und deshalb jetzt zumeist pleite.“

Die Informationen aus dem Land bekommt der Jülicher ­Gastronom aus dem griechischen Fernsehen, dem er jedoch misstraut. Er glaubt auch den deutschen Medien nicht alles, sieht hier aber einen deutlich höheren Wahrheitsgehalt. „Wir wissen nicht, was stimmt, aber wir glauben mehr den deutschen Medien,“ erklärt Maria. Dem griechischen Regierungschef traut sie durchaus Tricks zu, genauso aber auch den europäischen Politikern.

Deshalb beurteilt sie den Entscheid vom Wochenende auch entsprechend: „Die Leute sollen die Schlange aus dem Loch holen.“ So oder so brechen für ihre Landsleute schwere Zeiten an.

Maria und Antonios haben innerlich Abstand zu ihrer Heimat. „Ich bin froh, dass ich Grieche bin, aber in Deutschland lebe“, betont der Hellene mit Überzeugung. Eine Gemeinde von Griechen in Jülich gebe es nicht, es seien nur sehr wenige, die zu ihm ins Restaurant kommen. Die Sprüche der Gäste allerdings haben beide sehr wohl wahr- und mit Humor genommen. „Wir wissen jetzt, dass die Deutschen ihren Ouzo für unsere Wirtschaft trinken“, lacht Maria. Es sei bislang immer mit Humor zugegangen. „Da nehme ich die 20 Cent Trinkgeld für die Rettung Griechenlands gerne“, grinst der Meister von Gyros und Tzatziki.

Den Grund sieht Papadatos auch darin, dass er seit nahezu 20 Jahren in Jülich bekannt sei. Für viele ist er längst Jülicher mit griechischer Aussprache. „Ich fühle mich wohl hier und spüre überhaupt keine Anfeidungen.“ Die Zukunft seiner Geburtsheimat sieht er mit vielen Sorgenfalten.

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