Plage: Gräben sollen im Jülicher Land vor Mäusen schützen

Von: hfs.
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Kilometerlange Gräben entlang der Möhrenfelder sollen verhindern, dass sich Feldmäuse über die Ernte hermachen. Die Nager haben sich auch im Jülicher Land massenhaft vermehrt, sagen Landwirte. Foto: hfs.
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Angefressene Möhren sind nicht verkäuflich, auch nicht als Futter für Pferde.

Jülicher Land. Die Gräben sind viele Kilometer lang, rund 40 Zentimeter breit und gut einen halben Meter tief. Gedacht sind sie für Feldmäuse, die durch sie gehindert werden, an Rohkost zu kommen, die in Form von Möhren hinter dem künstlich angelegten Hindernis gedeihen und nicht angefressen werden sollen.

„Durch die Feldmäuseplage entstehen der nordrhein-westfälischen Landwirtschaft Ernteausfälle in Millionenhöhe“, sagt Erich Gussen. Der Kreislandwirt kennt die Problematik und weiß, womit sich seine Berufskollegen, sollten sie denn Möhren oder auch Kartoffeln anbauen, herumschlagen müssen.

Nicht selten, so berichtet Gussen, schafften es Feldmäuse durch Anknabbern der Möhren, „dass die Ernte zu 50 Prozent abgeschrieben werden muss. Denn angefressene Möhren lassen sich nicht mehr vermarkten, sie finden keine Abnehmer“. In den letzten zwei Jahren hätten sich Feldmäuse massenhaft vermehrt, und effiziente Gegenmaßnahmen seien Mangelware. So macht die Fresslust der Tiere den Landwirten zu schaffen. „Sie sind eine regelrechte Plage geworden“, betont der Kreislandwirt. Er sieht die Gräben um die Möhrenfelder als Maßnahme an, „die Tiere einigermaßen von den Früchten fern zu halten“.

Ob es allerdings ein Allheilmittel ist, vermag auch Gussen nicht zu beantworten. Fakt ist, dass das Ausfräsen der Gräben nicht nur arbeitsintensiv, sondern auch recht teuer ist. „Viele Kollegen, die mit den Vermarktern der Möhren zusammenarbeiten, können von diesen die notwendigen Geräte leihen“, berichtet Gussen. Dem Vernehmen nach muss ein Meter Graben, wenn er denn von einem Lohnunternehmen gefräst wird, mit 0,80 Cent vergütet werden. Hunderte Meter kommen bei einem Feld zusammen, die mit Hinweisschilder, „Achtung Graben, Zutritt verboten“ und dem Hinweis an Hundebesitzer, die Tiere an die Leine zu nehmen, versehen sein müssen.

Damit der Landwirt zur Bearbeitung der Felder diese auch noch mit dem Traktor erreichen kann, gibt es Zuwege. „Aber die sind dann mit künstlichen Absperrgittern versehen, die sich nach dem Befahren wieder hochstellen“, erklärt Erich Gussen die technischen Begebenheiten vor Ort. Zum Maßnahmenpaket zählen auch noch Sitzstangen für Greifvögel. „Der Aufwand ist schon ernorm“, sagt ein Landwirt, der Möhren gesät hat und fast jeden Tag kontrolliert, Köder auslegt, die dann von den Mäusen gefressen werden. „Aber nennen Sie nicht meinen Namen, denn nachher habe ich militante Tierschützer am Hals, denn so Verrückte, die sich für Mäuse einsetzen, gibt es auch.“

Früher, so berichtet er, wurden mit so genannten Legeflinten Köder an den Mauslöchern im Feld abgelegt. Doch diese Arbeit war sehr zeitintensiv, für ein rund zehn Hektar großes Feld benötigte er rund zehn Stunden. Hundertprozentigen Erfolg gab es natürlich nicht. Auch nicht heute, wo die Feldmäuse in die Gräben fallen, an den steilen senkrechten Wänden ihr Gefängnis aber nicht mehr verlassen können und somit verhungern. Vor dem Jahreswechsel 2013/2014, sagen Experten, habe es diese intensive Mäuseplage nicht gegeben. „Erst durch die beiden letzten sehr milden und trockenen Winter ist die Population regelrecht explodiert“, weiß Erich Gussen zu berichten.

Hilfe bei der Bekämpfung der Mäuseinvasion hatten sich die Landwirte von einem Pflanzenschutzmittel (Chlorphacinon) versprochen. Dieses eigentlich verbotene Mäusegift wurde im August letzten Jahres vom Bundesamt für Verbraucherschutz per Notfallzulassung vor­übergehend erlaubt. Doch das Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf legte sein Veto ein.

„Die haben uns im Regen stehen gelassen“, wettert der Landwirt aus der Region. Er sieht der Rodung der Möhren mit Skepsis entgegen. „Wenn der Schaden nicht größer ist als rund 50 Prozent, bin ich doch noch zufrieden.“

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