Place de Lesquin: Nach langem Stillstand bricht Linnich auf

Von: Otto Jonel
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In zwei Jahren wird diese Szenerie beherrscht vom Inklusionshotel auf dem heutigen Aschenplatz des Place de Lesquin. Foto: Jonel

Linnich. Die drei Senioren im Wartezimmer sind in Diskutierlaune. „Da jitt nix mie“, schimpft einer und meint die Lidl-Brandruine an der Jülicher Straße in Linnich. Seit Jahren bieten die Mauerreste ohne Dach ein erbärmliches Bild. Die Stadt hatte mehrfach betont, ihr seien die Hände gebunden und sie könne dort nicht einfach den Abriss befehlen. So richtig will das Trio das nicht glauben.

„Enne Schandfleck“, meint einer, und das gelte auch für die Straßen im Stadtgebiet. An die Rurstraße wolle man ja jetzt ran, hat der zweite gehört. „Jank ens fott. Dat bliev, bes dä Schotter hochkütt“, ist der erste überzeugt. Sein Vertrauen, dass sich in Linnich etwas Richtung Verbesserung bewegt, ist offensichtlich so schwindsüchtig wie die Lidl-Ruine.

Und doch: Es bewegt sich was. Über Aufbruch ist in dem Städtchen an der Rur schon viel geredet worden. Unvermittelt ist er da. Quasi mit Beginn der Sommerpause hatte Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker die Zusage über 1,3 Millionen Euro an Städtebauförderungsmitteln vom Land NRW erhalten. Das ist das Pulver, das den Startschuss zündet, die vielen Papierpläne endlich in Beton zu gießen und Stein zu mauern.

„Mit dem Place de Lesquin und der Rurstraße werden wir 2017 beginnen“, steckt die Bürgermeisterin das Arbeitsfeld ab und den Zeitrahmen gleich mit: „Bis zum 31.12.2018 müssen wir fertig sein.“ Letzteres gilt in besonderem Maße für das Projekt Kultur- und Begegnungsstätte auf dem Kirmesplatz. Die Fördermittel aus dem Landesprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ fließen unter der Maßgabe, dass das Zentrum Ende 2018 fertiggestellt ist.

Während die Stadtpolitik ruht, summt es geradezu in der Verwaltung. „Wir müssen jetzt im Gesamtkonzept etwas umstellen, weil wir den Place de Lesquin vorziehen müssen“, skizziert die Bürgermeisterin die vordringlichsten Aufgaben. Ab 1. August wird in der Stadtverwaltung sogar eigens eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet sein. Kerstin Schmalen wird die Hälfte ihrer Arbeitszeit als Projektbeauftragte der Stadt fungieren.

Es gib eine Menge zu tun. Buchstäblich an jeder Ecke wird der Place de Lesquin angegangen. Parallel dazu soll sich das Inklusionshotel erstrecken. Mit vorgelagerten Parkplätzen nimmt es einen Großteil des heutigen Rotaschenplatzes ein, auf dem bisher die Großzelte zu Karneval und Bronk aufgeschlagen wurden. Eine wichtige Voruntersuchung steht in diesem Bereich noch aus, die Bodenuntersuchung auf ein eventuell geschichtliches und zu dokumentierendes Erbe hin.

Investor Michael Kirchner hatte der Stadt nicht zuletzt in der Ratssitzung vor der Sommerpause seine Konzeptstudie vorgelegt. Als Partner für den Inklusionsbereich hatte er die Lebenshilfe benannt. Zwischenzeitlich seien ebenfalls Gespräche mit Linnichs größten Unternehmen angelaufen über eine Nutzung der Hotelkapazitäten.

Der zweite beherrschende Neubau auf dem Platz wird die Kultur- und Begegnungsstätte. Standort ist der Bereich unmittelbar vor dem heutigen Schützenhaus. Während das Inklusionshotel im Grunde schon ausgeplant ist, hält diese Mehrzweckanlage noch alle Optionen offen. „Da werden wir mit den Vereinen noch die Feinjustierung vornehmen müssen“, sagt die Bürgermeisterin. Zentraler Bestandteil ist der große, aber variabel nutzbare Veranstaltungsraum mit einer Kapazität von bis zu 400 Personen. Hinzu kommen Funktionsräume, die nicht zuletzt die Integrationsarbeit ermöglichen. Ein kleiner Café-ähnlicher Bereich ist ebenfalls in der Überlegung. Neu ist ein Aspekt, der erst bei den Abstimmungsgesprächen mit den Vereinigten Schützengesellschaften aufgekommen ist. Geprüft werden soll die Möglichkeit, die Veranstaltungshalle bei Bedarf mit einem Zeltanbau zu vergrößern.

Teil der Planung und der Finanzierung der Kultur- und Begegnungsstätte ist auch eine Personalstelle für die ersten zwei Jahre. Der sogenannte Integrationsbeauftragte ist nicht nur der „Herr im Kulturhaus“, er könnte nach Vorstellung von Bürgermeisterin Schunck-Zenker zudem die wichtige Rolle der sozialen Kontrolle im gesamten Umfeld übernehmen. Denn es ist eine unliebsame Zeiterscheinung, dass Einrichtungen im öffentlichen Bereich immer wieder Ziele von mutwilliger Zerstörung werden.

Das gilt verstärkt für Neuanlagen. Eine solche wäre der geplante Generationen- oder Erlebnisspielplatz im äußeren Eck des Place de Lesquin zwischen Sportplatz und Rur. Dieses Teilprojekt des Freizeitbereichs an der Rur stand ursprünglich weit hinten auf dem Umsetzungsplan. Jetzt wird es es nach vorn gezogen und in die Umsetzungsliste 2017/18 aufgenommen.

Mit Blick auf das Inklusionshotel und die Kultur- und Begegnungsstätte sieht die Bürgermeisterin einen Synergieeffekt: „Wir haben hier zwei sehr konkrete Projekte. Das beflügelt andere.“ Beispielsweise das Ärztehaus. Geplant ist dieser Bau auf dem ehemaligen Standort der Stadthalle. Mittlerweile gibt es konkrete Realisierungspläne. Was die Bürgermeisterin besonders freut: Die Investoren kommen nicht von außerhalb, sondern aus der Stadt selbst.

Zwischen dem Ärztehaus und der bestehenden Bebauung soll ein Fußweg angelegt werden, der gleichsam die Achse zwischen dem Place de Lesquin und dem Geschäftsbereich jenseits der Rurstraße auf dem Post-/Schlecker-Grundstück bildet. Und selbst die Platzhalter für Wohnbebauung an den Platzrändern zur Feuerwehr haben bereits Investoreninteresse geweckt, erzählt Marion Schunck-Zenker.

Bei so viel Neuem auf dem Platz muss viel Altes, die Bäume nämlich, weichen. Sollte man meinen. Aber gefehlt. Das Grün hat weiterhin seine Berechtigung und soll fester Bestandteil des Platzcharakters sein.

So fortgeschritten diese Planung auch ist, sie soll dem Platz nicht einfach übergestülpt und den Anrainern vor die Nase gesetzt werden. „Auch zukünftig werden wir darauf achten, dass alle Menschen sich dort einbringen und miteinander auskommen“, verspricht die Bürgermeisterin. Mit den Schützen hat das wunderbar funktioniert. Sie hat überzeugt, dass ihr großes Fest, die Bronk, auch auf einem neugestalteten Place de Lesquin eine Zukunft hat – sogar mit den gewohnten Fahrgeschäften zur Kirmes. In einer Computergrafik ist das Kirmestreiben von der Losbude bis zum Autoscooter durchgerechnet worden. Passt!

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