Pilzbefall: Das eigene Haus ist eine Gefahr

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
9189159.jpg
Tagsüber lebt Matthias Strick weiterhin im Auto. Foto: Guido Jansen

Jülich. Fragt man Matthias Strick dieser Tage wie es ihm geht, dann weiß er nicht, was er antworten soll. Einerseits ist er froh, dass es zumindest tagsüber nicht mehr so kalt ist, wenn er im Auto leben muss. Nachts hat der 75-jährige seit ein paar Wochen ein warmes Bett. Nicht zu Hause. Denn in Jülich-Pattern, da wo sein Eigentum steht, kann Strick seit elf Monaten nicht leben.

Das Haus hat einen Pilzbefall, und Strick reagiert jedes Mal hochallergisch, wenn er es betritt, wie er sagt. Selbst wenn er mit Personen in einem Raum ist, die vorher in seinem Haus waren, reagiere er auf die Sporen. Ob ein Wasserrohrbruch im vergangenen Jahr der Grund ist und ob die Stadtwerke Jülich der Verursacher sind, das ermittelt das Amtsgericht gerade mit einem sogenannten Beweissicherungsverfahren. Die Sache ist kompliziert, der Ausgang offen. Und sie zieht sich, denn zuerst wollte das Amtsgericht das Verfahren nicht. Erst auf Anweisung des Landgerichts Aachen wurde es eingeleitet. Und es dauert. Das ist der Gang der Dinge.

Seine Versicherung bezahlt die aktuelle Unterkunft. Fast zehn Monate hat Strick zuvor im Auto gesessen und geschlafen, Tag und Nacht. 28.000 Euro Benzinkosten sind laut Strick in der Zeit angefallen, damit er und seine Begleiterin Andrea Roos nicht frieren. „Das Geld will ich zurück haben“, sagt er, und die Wut in seiner Stimme ist spürbar. Das Leben im Auto sei nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Sein Augenlicht habe sich verschlechtertet, der Allgemeinzustand auch. 18 Mal sei er im Krankenhaus gewesen.

Als er erstmals wieder in einem Bett gelegen hat, habe er ein paar Tage lang Probleme gehabt. Schmerzen nämlich, weil er so lange auf dem Autositz geschlafen hatte und sein Körper zuerst mit dem Bett nicht klar gekommen sei. Strick ist überzeugt, dass das Verfahren zeigt, dass die Stadtwerke Schuld haben und will später klagen, auf den Ersatz der 28.000 Euro, auf Schmerzensgeld, auf unterlassene Hilfeleistung. „So wahr ich Matthias Strick heiße.“

Sein Anwalt Wolfgang Dehlen und Stadtwerke-Sprecherin Sigrid Baum verweisen auf das Beweissicherungsverfahren. „Das Verfahren soll Klarheit schaffen, ob ein Fehler unsererseits die Ursache ist“, sagte Baum. Denn werde weiter entschieden.

Mittlerweile zeichnet sich ab, dass der 75-Jährige irgendwann wieder in sein Haus zurückkehren könnte. Denn seine Versicherung, die Provinzial, unterstützt ihn nicht nur dabei, ein warmes Bett zu bezahlen. „Wir sind bereit, den Schaden des Kunden rasch zu regulieren. Ein von uns beauftragter Chemiker hat in der Wohnung Schimmelbefall festgestellt. In Abstimmung mit dem Kunden und seinem Rechtsbeistand haben wir eine Firma zur Sanierung beauftragt“, sagte Provinzial-Sprecher Christoph Hartmann.

Warum er sein Haus nicht aufgegeben habe und stattdessen in ein Altenheim gegangen sei, wird Matthias Strick oft gefragt. „Ich habe doch kein Haus bezahlt, damit ich im Alter nicht mehr darin leben kann“, ist dann seine Antwort.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert