Pier: Bilder einer sterbenden Ortschaft

Von: hfs.
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Gerne standen die Fotografen (r.) den Besuchern im Rathaussaal, darunter viele Politikern und Pierer Bewohner, Rede und Antwort. Foto: hfs.

Inden/Altdorf. Die Ortschaft Pier erfährt noch einmal Aufmerksamkeit. Längst ist das Dorf der Gemeinde Inden/Altdorf verwaist, das Sterben des durch den Braunkohleabbau beschlossenen Abrisses terminiert. Gebäude und die Hinterlassenschaften der Bewohner warten auf ihr endgültiges Verschwinden.

Und leben doch wieder auf, in Momentaufnahmen, die sechs Studierende der Fachhochschule Aachen im Sommer vergangenen Jahres innerhalb einer Woche „geschossen” haben. Noch bis zum 26. Februar sind die Bilder zu sehen im Rathaussaal der Gemeinde Inden/Altdorf während der normalen Öffnungszeiten.

48 Bilder gleich 48 Mal eine Erinnerung an Pier. „Wir haben uns durch den Ort treiben lassen. Wollten sehen, empfinden, die Örtlichkeit spüren” umschrieb Anja Schlamann als Seminarleiterin den Workshop, der die Aachener Architektur-Studenten in den auf den Abriss wartenden Ort Pier trieb.

Da die einsam an der Decke hängende Lampe, dort im Garten das zurückgelassene Spielgerät, Straßenzüge, auf denen nichts „Bewegendes” zu erkennen ist. Außer Ruhe, die der Fotograf mittels Licht- und Schattenwirkung eingefangen hat. Der Betrachter spürt förmlich die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, sieht das Heranrücken der Abrissbagger.

Noch einmal präsentiert sich die Häuserzeile, noch einmal versucht sich die alte, weiße Holztreppe ins rechte Licht zu rücken, zeigt ihre über Jahrzehnte bewährte Funktionstüchtigkeit. Momentaufnahmen, die auch vor den Spuren des Zerfalls nicht halten machen, die ins Detail gehen. Die zerbrochene Glasscheibe, der kaputte Zaun, der früher die Privatsphäre der dahinter lebenden Menschen schützte.

Menschen sucht der Betrachter auf den Bildern vergebens. Es gibt sie in dem Ort nicht mehr, folglich haben sie sich auch in der Betrachtung der Fotografen nicht eingeprägt. „Wir wollten das Bild auf den Punkt bringen, wollten die Verlassenheit des Ortes zeigen”, sagt Schlamann.

Dies dokumentieren auch jene Bilder, die deutlich zeigen, dass die Natur beim Sterben des Ortes mit von der Partie ist. Wildnis, die sich eingestürzte Mauern zurückerobert, Efeuranken, die sich durch die offenen Türen und Fenster „Einlass” verschaffen. Der Blick auf das Detail fasziniert den Betrachter, dem deutlich vermittelt wird, dass alles seine Zeit hat, auch eine ganze Ortschaft.
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