Philipp Oebel genießt ein „Heimspiel“

Von: ptj
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„Krätzjer“ kommen an in Jülich: Das „150-prozentig Kölsch-affine“ Publikum hat mächtig Spaß im Saal des KuBa. Foto: Jagodzinska

Jülich. Viel Spaß hatten die vielen „150-prozentig Kölsch-affinen“ Zuhörer im Saal des KuBa – und der Krätzjesänger Philipp Oebel selbst – bei seinem musikalischen Programm „Et deit uns leid, ävver mir hatten Freud“. „Nur wenn ich Spaß habe, bleibe ich auf Spannung, klappt der Balance-Akt“, erklärte Oebel auf Anfrage seinen direkten Draht zum Publikum.

Gut zwei Stunden lang unterhielt der verschmitzte Charmeur mit seiner Reisegitarre mit kölschen Klassikern zum Mitsingen und Krätzjer zum Zuhören, unter anderem von Willi Ostermann, Karl Berbuer oder Jupp Schmitz.

Was ein „Krätzje“ ist, brauchte Oebel seinem Publikum natürlich nicht zu erklären. Dabei handelt es sich um eine der ältesten Liedvortragsformen im Rheinland. Die mundartlichen Lieder mit bewusst gesetzten Pausen, die Alltagsgeschichten mit Biss zum Inhalt haben, sind sparsam instrumentiert und werden langsam gesungen. Fehlende Instrumente gleicht Oebel allerdings durch gekonnte Geräuschimitationen mit seinen Lippen wieder aus.

150 kölsche Lieder hat Oebel im Kopf, 50 davon stets im Gepäck und „us dä Lamäng“ sucht er welche davon aus, die zur Situation am besten passen – seine unkonventionelle Zwischenmoderation inklusive.

Mit dem „Zausleed“ (Sulang mer noch Zaus em Kessel han) startete der kölsche Jung, der tatsächlich entfernt mit der Bäckerei „Oebel“ verwandt ist, aber trotzdem „bezahlen muss“, in seinen vergnüglichen Abend. Sogleich lud er zum Mitsingen ein, gerne und oft kam das Publikum der Aufforderung nach.

„Eene hammer schon“ war wie immer die Nummer zwei in seinem Programm, weil das Stück die Situation „perfekt beschreibt“. Eine Ausnahme macht er höchstens, wenn er „für eine Beerdigung gebucht wird“. Als „Fortsetzung“ der Ostermann-Liedes „Däm Schmitz sing Frau ess durchgebrannt“ brachte Oebel „Däm Schmitz sing Frau ess wieder do“ zu Gehör, aus Rücksicht auf die Gefühle so mancher Herren mit Namen Schmitz im Publikum.

Von Oebels Freund Hajo Schiefer stammt der vom Krätzje-Sänger vertonte Text „Wer hätt die schönsten Zängscher… die hätt die aal Frau Schmitz“. Die schlechtesten Menschen sind laut Oebel die, die nach „Höhner“-Manier „hinger de Jaginge stonn un spingxe“, ein Lied, das besonders gerne mitgesungen wurde. Erstmalig brachte Oebel auch die dritte Strophe zu Gehör.

Zur verstärkten „Krätzje-Singerei“ wurde er im Übrigen von den Damen der legendären „Pudelbande“ aus Köln-Kalk inspiriert, deren „Renteleed“ er nun anstimmte. Aus dem Repertoire von Karl Berbuer kamen besonders gut „Et Campingleed“ und „Et Trisonesien-Leed“ an, richtig Spaß hatte das Publikum auch bei „Lilly Marleen op Kölsch“. Aus der Feder von Willi Ostermann gefiel ebenfalls „Am dude Jüd“, eine „schöne Milieuschilderung“ aus dem alten Tanzlokal in der Kölner Südstadt, das eigentlich „Zum alten Zollhuus“ hieß.

Heimweh nach dem alten Köln kam gegen Ende des Konzerts auf bei „Ich bin ne kölsche Jung... und dunn jern lache“ und vor allem beim Ostermann-Klassiker „Ach, wat wor dat fröher schön en Colonia“.

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