Pflegekräfte nicht nur als Kostenfaktor betrachten

Von: ptj
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NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (2.v.l.) lauscht den Referaten in der als zweitbester Arbeitgeber im Gesundheitswesen ausgezeichneten Senioreneinrichtung St. Gereon in Gereonsweiler. Foto: Jagodzinska

Gereonsweiler. „Ich bin sehr froh, zur Kenntnis zu nehmen, dass sich Menschen für diesen Beruf begeistern. Die Erwerbstätigkeit der Frauen muss gefördert werden durch Gleichberechtigung und Qualifizierung”, betonte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider.

Auf seiner Rundreise durch die Region besuchte er die Senioreneinrichtung St. Gereon, die vom „Great Place to work Institute” als zweitbester Arbeitgeber im Gesundheitswesen ausgezeichnet worden ist. Und weiter: „Auf qualifizierte Frauen werden wir angesichts der demographischen Entwicklung nicht verzichten können. Wir müssen die Einkommen in der Pflegebranche steigern, um diese Berufe attraktiver zu machen.”

Zuvor lauschte er den Referaten zum Thema „Frauenerwerbstätigkeit erfahren” und begrüßte im Anschluss 50 in der Altenpflege tätige junge Menschen. Pflegeinnovation in der Gesundheitsregion Aachen (PIA) heißt ein vom NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales und mit EU-Mitteln gefördertes Projekt, das Unternehmensberater Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen vorstellte.

Hier haben Arbeitgeber von drei Krankenhäusern, drei Altenpflegeeinrichtungen, darunter St. Gereon, und zwei ambulanten Pflegediensten gelernt, beruflich Pflegende mehr als Innovatoren denn als Kostenfaktor wahrzunehmen. Gesundheit und Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit der zu 83 Prozent weiblichen Pflegekräfte gerieten in dem erfolgreich umgesetzten Projekt nicht aus dem Blick.

Zur Bedarfsdeckung an Fachkräften müsste „im Jahr 2010 eigentlich jeder fünfte Schüler in die Pflegeausbildung gehen. Dieses Ziel können wir eigentlich nicht erreichen”, betonten Elke Breidenbach, Leiterin der Regionalagentur Arbeit, und Andrea Hilger, Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit.

Die Referentinnen präsentierten unter anderem den regionalen Ideenzirkel mit zehn Kooperationspartnern aus Pflege und Wirtschaft. Mit gezieltem Handeln wollen die Akteure den Trend stoppen, dass Pflegeberufe weiter an Attraktivität verlieren. Attraktivität der Berufsbilder und Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren Schwerpunkte in Hilgers´ Vortrag.

Die kurze Verweildauer und die hohe Fluktuationsrate (17,4 Prozent) der beruflichen Pflegerinnen veranlasste sie zu „Visionen”: Der Ausbildung zur Friseurin zog sie die zur Altenpflegerin vor, der angehenden Pädagogikstudentin riet sie zum „dualen Studium Pflegemanagement”. Die einjährige Ausbildung zur qualifizierten Gesundheitsassistentin sieht sie als Alternative zum Regalbefüllen im Supermarkt. Für die junge Mutter wünscht sie Wiedereinstiegskonzepte und flexible Arbeitszeiten.

Für den älteren oder gesundheitlich beeinträchtigten Berufsaussteiger hofft sie auf eine alternative Beschäftigungsmöglichkeit in der Pflege und Unterstützung durch ein Gesundheitsmanagement. Hier stehe die Senioreneinrichtung St. Gereon wieder beispielhaft da, wie Geschäftsführer Bernd Bogert in seiner Präsentation herausstellte: „Wir haben auch 90-jährige Damen hier im Heim beschäftigt. Wir behalten die Mitarbeiter, die wir haben. Bessere werden wir nicht finden.”

Zudem präsentierte Bogert drei Umschüler, darunter ein Mann mit Migrationshintergrund, die durch den Aktionsplan Altenpflege ihren Weg aus der Arbeitslosigkeit in die Altenpflege schilderten. Jobcenter und Arbeitsagenturen haben in NRW 2010 über 1000 zusätzliche Umschulungen zur Altenpflegekraft gefördert.
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