Pfeifenraucher sind Genussmenschen

Von: Daniela Martinak
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Inge Havers zeigt eine der zahlreichen Pfeifen, die im Tabakwarengeschäft zum Verkauf stehen. Die Jülicherin kennt sich aus und beantwortet gerne Fragen und gibt Ratschläge. Foto: Martinak
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Eine klassisch-moderne Pfeife: zwei Farben, ein Stück Holz.

Jülich. Wer Pfeife raucht, ist Genussmensch. Das ist für Sherlock Holmes oder Popeye sowieso klar. Aber nicht nur der „Detektiv der Detektive“ und der Comic-Seemann sind Fans der wohl ältesten Art, Tabak zu konsumieren. Gibt es immer noch viele Pfeifenraucher, obwohl Rauchen grundsätzlich immer stärker an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, weil die Gesundheitsgefahren für aktive und passive Konsumenten groß sind. Da macht nämlich das Pfeifenrauchen entgegen vielen Vorurteilen keine Ausnahme.

„Heute rauchen immer noch einige Leute Pfeife, und das bewusst. Für sie ist es purer Genuss, der zur Erholung dazu gehört“, weiß Inge Havers, Inhaberin des Tabakfachhandels Zigarren Schmitz in Jülich. Es habe noch nie sehr viele Pfeifenraucher gegeben, und seitdem der Trend zu Zigaretten übergegangen ist, haben sich die Pfeifenraucher immer mehr zurückgezogen. Aber es gibt sie – immer noch. Die Jülicherin kennt sich aus und kann viele Fragen zum Thema Pfeife, Pfeifentabak und Pfeiferauchen beantworten.

Fakt sei zu allererst, dass „die Pfeife zu Hause geraucht wird“. Auf der Straße sind auch tatsächlich selten Pfeifenraucher zu sehen. Woran das liegt? Naja, es gehört eben auch allerhand zum Equipment dazu. Aber dazu ist es erst einmal von Vorteil zu wissen, wie ein solches Gerät überhaupt entsteht und aus wie vielen Teilen es gebaut wird.

„Die meisten Pfeifen werden aus Bruyèreholz gefertigt. Das ist eine ganz besondere Holzart aus dem Mittelmeerraum. Es ist die Wurzel der Erica­Pflanze“, weiß Inge Havers. Dieses Holz ist sehr hart und trotzdem leicht zu verarbeiten, überaus temperaturbeständig (teilweise wird das Holz auf bis zu 800 Grad Celsius erhitzt) und sieht außerdem noch gut aus. Aus dieser Wurzel wird dann eine so genannte Kantel gemacht – quasi ein Rohling der Pfeife. Entscheidend für eine gute Pfeife ist nämlich, dass sie aus einem Stück Holz besteht.

Anhand der Maserung

Zwar werden die verschiedenen Teile – Pfeifenkopf, Hals und Mundstück – manchmal verschieden eingefärbt, aber anhand der Maserung ist zu erkennen, dass nicht etwa verschiedene Holzstücke verwendet wurden.

Preisunterschiede gibt es natürlich auch deshalb. Während die richtig teuren Pfeifen über 1000 Euro kosten können, sind Freehandpfeifen schon ab für 27 Euro zu haben. „Diese günstigen Pfeifen werden meist aus dem Rest der Knolle gefertigt.“ Das Holz wird unterschiedlich lange gelagert, wie lange, das ist ein Geheimnis der Pfeifenbauer. „Pfeifenbauer sind wahre Künstler. Wenn man sich die unterschiedlichen Pfeifen genau ansieht, erkennt man erst, welch eine Arbeit dahinter steckt und wie filigran daran gefeilt wurde“, erklärt Havers. Etliche Arten und Formen zeigt sie und kennt die Unterschiede genau.

Da wären zum Beispiel die gebogenen Pfeifen, die sehr gut in der Hand liegen und bei denen der Rauch nicht in die Augen steigen kann. Aber nicht alle Pfeifen unterscheiden sich nur in der Form. Auch das Material ist von Land zu Land verschieden: Die Porzellanpfeife ist zwar selten, aber wird in den Alpen noch bevorzugt geraucht. Tonpfeifen waren im 19. Jahrhundert überaus beliebt, doch heutzutage werden sie hauptsächlich zu dekorativen Zwecken hergestellt.

Das Phänomen der Maiskolbenpfeife stammt aus Amerika. Wie der Name bereits suggeriert, werden diese Pfeifen aus einem speziell zu diesem Zweck gezüchteten Maiskolben hergestellt, der von der Verarbeitung und Beschichtung etwa zwei Jahre getrocknet wird. Meerschaumpfeifen werden seit Beginn des 18. Jahrhunderts hergestellt. Heutzutage stammen Meerschaumpfeifen überwiegend aus der Türkei.

Die meisten Pfeifen werden ­übrigens in England und Dänemark angefertigt. Aber auch in Deutschland gibt es seit 1848 einen Hersteller, der kaum Konkurrenz hat. Niedergelassene Pfeifenbauer gibt es so gut wie nicht mehr – auch nicht im Jülicher Land.

Viele Geschmacksrichtungen

Zu den verschiedenen Modellen gibt es unterschiedliche Tabaksorten. Gemein haben Vanille-, Apfel- und Whiskyaroma die bestimmte Schnittbreite der Tabakschnipsel. Eine der beliebtesten Sorten ist der „Black Cavendish“ – ein karamellisierter Tabak, der süß schmeckt.

Einige Ratschläge von der Expertin Inge Havers: „Es gibt die Grundregel, dass ein Pfeifenneuling drei Pfeifen besitzen sollte. Schließlich brauchen die Geräte nach dem Rauchen einige Stunden, bis sie wieder abkühlen.“ Sammler hätten teilweise bis zu 100 Pfeifen – sie mögen die Abwechslung.

Was noch zur Ausstattung dazu gehört, ist gutes Pfeifenbesteck: Ein Pfeifenstopfer, um den Tabak der sich im Pfeifenkopf befindet regelmäßig nachzudrücken, und auch einen Pfeifenreiniger, der dem Verstopfen entgegenwirkt und das Rauchgerät sauber hält.

Die meisten Pfeifenraucher sind Männer ab dem mittleren Alter. Nur selten rauchen Frauen Pfeife. Das liege laut Havers auch an der Tradition des Pfeiferauchens – früher war das eben eine Eigenschaft von Seemännern. Und die kann ja bekanntlich nichts erschüttern – auch nicht die Warnhinweise, die natürlich auch die Tabaksdosen „zieren“ und vor Gesundheitsgefahren warnen. Weil Pfeifenrauch – anders als der von Zigaretten – in der Regel nicht inhaliert wird, hat sich das Vorurteil gehalten, er sei „gesünder“. Dem ist natürlich nicht so.

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