Jülich - Pfarrgemeinde „Heilig Geist“: Zwei Selige, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Pfarrgemeinde „Heilig Geist“: Zwei Selige, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Von: ptj
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Eucharistiefeier in Doppelintention: Hier verehren Gläubige die Schädelreliquie der Seligen Christina von Stommeln. Foto: Jagodzinska

Jülich. In einem Hochamt feierte die Pfarrgemeinde „Heilig Geist“ in der Propsteikirche zwei „großartige Selige, die unterschiedlicher nicht sein könnten“, wie Zelebrant Dr. Peter Jöcken es ausdrückte, nämlich Christina von Stommeln und Adolph Kolping.

Anlässe waren die Eröffnung der jährlichen Christina-Oktav und der Weltgebetstag des Internationalen Kolpingwerkes, der an die Seligsprechung Adolph Kolpings am 27. Oktober 1991 erinnert. Am aktuellen Gebetstag zeigt die internationale Gebetsbrücke besondere Solidarität für den Kolpingverband in Burundi.

Mit Blick auf die doppelte Mess-Intention trugen Mitglieder der Jülicher Kolpingsfamilie beim feierlichen Einzug in den Chorraum sowohl zwei Flaggen in den Kolpingfarben schwarz und orange als auch die Schädelreliquie der Christina von Stommeln, die auf einem kleinen geschmückten Podest inmitten von Kerzen platziert wurde. Jöcken beweihräucherte die Reliquie und den Schrein der Seligen im Seitentrakt.

Sowohl die Mystikerin Christina von Stommeln (1242-1312) als auch der Wegbereiter für die katholische Sozialbewegung Adolph Kolping (1813 bis 1865) sind Rheinländer und dürfen mit ihrer Seligsprechung auf lokaler Ebene öffentlich verehrt werden. Zudem laufen für beide Selige Heiligsprechungsprozesse, mit der die Verehrung in der gesamten Kirche angestrebt wird. Nicht zuletzt ist über beide reichlich Quellenmaterial vorhanden, wohlwollend und kritisch.

Damit sind bereits alle Parallelen erschöpft. Im Hochmittelalter lebte die Begine Christina von Stommeln, die sich bereits als Zehnjährige dem Herrn „anverlobte“ und ihm ewige Jungfernschaft schwor. In ihrer exzentrischen Frömmigkeit hatte sie zahlreiche mystische Christuserscheinungen in völliger Leibesstarre. „Im Beginenhaus war sie manchmal tagelang entrückt und wurde von Versuchungen zum Selbstmord und gegen den Glauben getrieben. Am Ende ihres ungewöhnlichen Lebens bekam sie die Wundmale Christi“, fasste Jöcken zusammen.

Kolping wurde 1845 Priester

Die reichen Quellen über ihr Leben sind vor allem ihrem engsten Vertrauten, dem gelehrten Dominikaner Petrus von Dacien zu verdanken. Jöcken zitierte in diesem Zusammenhang den katholischen Theologen Karl Rahner: „Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein.“

Ihr stellte Jöcken den „Praktiker“ Adolph Kolping gegenüber, den „frommen Schäfersohn, der zunächst als ganz gewöhnlicher Schumacher lebte“. Als solcher erfuhr er die „haltlose Situation“ des industriellen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts, in der der ausgebeutete Mensch „Arbeitsvieh“ war und in der die Zünfte zerbrachen. Um sein Leben ganz in den Dienst der Menschen zu stellen, wurde Kolping 1845 Priester.

In einem katholischen Gesellenverein erkannte er ein geeignetes Mittel zur Bewältigung sozialer Probleme. 1849 gründete Kolping seinen erstes „Hospitium“ für Wandergesellen in Köln. 1856 erfolgten sogar Gründungen von Gesellenvereinen in den USA. Heute gibt es weltweit über 4000 Kolpingfamilien. Hier zitierte Jöcken Papst Johannes Paul II. anlässlich Kolpings Seligsprechung: „Für ihn war das Christentum nicht bloß für die Betkammern gedacht, sondern für den Alltag und die Gestaltung der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Familie, Kirche, Beruf und Politik.“

Der Propsteichor begleitete die Eucharistiefeier in Doppelintention unter Kantor Christoph Rück mit der lateinischen „Missa brevis“. Vor und nach dem Gottesdienst verkaufte die Jülicher Kolpingsfamilie rund 80 Gläser Marmelade in sieben Sorten. Der Erlös kommt dem Stammhaus zugute.

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