Kirchberg - Pfarrer Peter Jöcken fühlt sich auch dem Islam verbunden

Pfarrer Peter Jöcken fühlt sich auch dem Islam verbunden

Von: Silvia Jagodzinska
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Möchte sich um arabische Christen kümmern und zwischen den Religionen vermitteln: Pfarrvikar Dr. Peter Jöcken studiert Arabisch. Vor 40 Jahren wurde er Pfarrer in Kirchberg. Foto: Jagodzinska

Kirchberg. Pfarrvikar Dr. Peter Jöcken sieht sich als „Priester der Mitte mit Verständnis für die Flügel“. Der rührige ehemalige Dechant des Dekanates Jülich baut seit Jahrzehnten Brücken zwischen Konfessionen und Religionen. So war er von 1976 bis 1994 Pfarrer der evangelisch/katholischen FH-Studentengemeinde ESG/KSG in Jülich.

Ein „Unikum“, das es heute nicht mehr gibt, was der Geistliche sehr bedauert. Seit 1982 arbeitet der 1964 zum Priester geweihte und 1977 promovierte Theologe im Fach „Altes Testament“ im christlich/jüdischen Dialog mit und baute Ende 2010 einen christlich/islamischen Gesprächskreis auf. Seit einigen Wochen widmet er sich im Rahmen einer Auszeit dem Studium der arabischen Sprache, um Seelsorger arabisch sprechender Christen und Migranten werden zu können. Ab Ende September wohnt er zu diesem Zweck in einem Appartement der Benediktinerabtei Kornelimünster. Anlässlich seines 40-jährigen Jubiläums als Pfarrer in Kirchberg (19. September 1976) sprach Silvia Jagodzinska mit ihm.

Sie studieren Arabisch, weil sie sich mit dem Islam verbunden fühlen?

Jöcken: Ja. Ich möchte den Menschen zeigen, dass Islam nicht gleich Terror, sondern eine Religion der Barmherzigkeit ist. (Red.: In diesem Zusammenhang empfiehlt Jöcken das Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ von Mouhanad Khorchide). Auf dieser Ebene sollte man kommunizieren. Wir leben so nah mit Muslimen zusammen. Meist fühlen sie sich als Deutsche und versuchen, Vorstellungen der arabischen Welt und das Grundgesetz als Richtkultur in Einklang zu bringen.

Also sollen in unserer demokratischen Grundordnung nicht verankerte Denkweisen auf Integrationsfähigkeit geprüft werden?

Jöcken: Ja. Unsere Welt muss offen sein und wächst zusammen. Klar, dass der Globalisierung eine Form entgegen tritt, die die Heimat liebt. Sie muss aber offen sein für das jeweils Größere. Das ist die einzige Möglichkeit, auf Zukunft zu bestehen. Ich bin zum Beispiel zunächst Kirchberger, dann Jülicher, Kreisdürener, Rheinländer, Deutscher, EU- und Weltbürger.

Um ein brandheißes Thema aufzugreifen: Wie stehen Sie zum viel diskutierten Burka- und Burkiniverbot?

Jöcken: Gegen ein Kopftuch habe ich gar nichts, ich habe auch oft meine Mütze auf. Ganzkörperverschleierung (gleich Vermummung) halte ich in unserem Kulturkreis nicht für sinnvoll. Gegen einen Burkini habe ich keine Einwände. Bei uns ist die Säkularisierung schon so weit fortgeschritten, dass man schon vom christlichen Hintergrund nichts mehr sieht. Muslime sind schamhafter.

Um auf ihr 40-jähriges Jubiläum als Pfarrer in Kirchberg zurückzukommen. Was hat sich verändert?

Jöcken: 1976 gab es 13 Pfarreien, aufgeteilt in drei Innenstadt- und zehn Dorfpfarreien. Bis auf Bourheim (von einem Missionspater betreut) hatten alle ihren eigenen Pfarrer. Heute sind die ehemaligen Pfarreien in der Kirchengemeinde „Heilig Geist“ zusammengefasst. Eine Folge des fehlenden Priesternachwuchses: Aktuell 56 Theologiestudenten werden nach ihrer Weihe auf 27 Bistümer in Deutschland verteilt.

Wo sehen Sie Vor- und Nachteile? Was finden Sie am schlimmsten?

Jöcken: Es ist natürlich immer gut, wenn ein Priester am Ort ist. Wenn aber keine Priester da sind, ist das ja kein Argument gegen die Fusion. Das größte Problem ist die zunehmende Säkularisierung. Bei den Kindern ist kaum noch Glaube vorzufinden. Die meisten fangen im Kommunionunterricht bei Null an.

Sie bezeichnen sich als „Priester der Mitte mit Verständnis für die Flügel“. Was verstehen Sie darunter?

Jöcken: Ich habe Verständnis für den rechten und den linken Flügel und auch für manche Kirchenaustritte, weil sich die Kirche eine Reihe von Selbsttoren geleistet hat. Ich führe auch gute Gespräche mit Atheisten auf menschlich-sozialer Ebene. Mir ist wichtig, dass man immer miteinander reden kann.

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