Pfarrer Dr. Udo Lenzig möchte die Menschen für den Glauben begeistern

Von: Antonius Wolters
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Freut sich schon auf seine neue Aufgabe in Jülich: Pfarrer Udo Lenzig in seinem Arbeitszimmer im künftigen Pfarrhaus in Barmen, wo der 49-Jährige seit einigen Jahren wohnt. Foto: Wolters

Jülich. In den beiden Pfarrstellen der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich hat es in den vergangenen Jahren eine Reihe personeller Wechsel gegeben, die in der Zahl und dichten zeitlichen Aufeinanderfolge eher ungewöhnlich sind.

Planmäßig erfolgte zunächst der Abschied von Pfarrer Dr. Thomas Kreßner, der mit Erreichen der Altersgrenze in den bislang doch eher unruhigen Ruhestand trat. Für ihn wechselte 2010 Pfarrer Horst Grothe nach Jülich. Kurze Zeit später verließ Pfarrerin Karin Latour die Pfarrstelle 1, auf die Pfarrerin Claudia Konnert nachrückte, die aber die Gemeinde zum 1. Februar bereits wieder verlassen hat und in den Schuldienst gewechselt ist.

Doch inzwischen ist eine neue Kontinuität in Sicht, denn mit Pfarrer Dr. Udo Lenzig übernimmt zum 1. August ein Seelsorger die Pfarrstelle, für den sich damit gleichzeitig der Kreis schließt: Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Bonn und Wuppertal (1985 – 1992) leistete er nach dem ersten Theologischen Examen sein zweijähriges Vikariat bei der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, wo er nach dem 2. Theologischen Examen für ein weiteres Jahr in den kirchlichen Hilfsdienst wechselte, bevor im März 1995 seine Ordination in der Christuskirche erfolgte.

„Vieles ist vertraut, doch vieles hat sich inzwischen verändert“, vergleicht er die Konstellationen heute und vor gut 20 Jahren, als der in Eschweiler geborene Theologe die Menschen im Jülicher Land kennenlernte. Nach seiner Ordination blieb Lenzig zwar in Jülich, wechselte aber von der Kirchengemeinde zum Kirchenkreis Jülich, wo er eine Pfarrstelle zur Erteilung von Religionsunterricht am Mädchengymnasium und am Berufskolleg Jülich übernahm. 2001 erfolgte seine Berufung zum Schulreferenten des Kirchenkreises, wobei er weiterhin am MGJ Religionsunterricht erteilte.

Theologie als Wissenschaft

Weil der 49-Jährige auch großes Interesse an der Theologie als Wissenschaft hatte und hat, promovierte er 2006 an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal zu einem Thema im Spannungsfeld von Theologie und Naturwissenschaft: „Das Wagnis der Freiheit“. Insbesondere beschäftigt hat sich Dr. Lenzig dabei mit dem Freiheitsbegriff im philosophischen Werk von Hans Jonas („ein interessanter Mensch“), der ihn Jahre beschäftigt hat. Immerhin ist seine Dissertation im renommierten Kohlhammer Verlag erschienen. Im Auftrag des Hans-Jonas-Zentrums in Berlin ist er inzwischen zum Mitherausgeber der Gesamtausgabe avanciert.

Dieses über den Tellerrand schauen ist eine Eigenschaft, die für seine neue Rolle in der Gemeindearbeit sicher von Vorteil ist. „Ich versuche das mal“ sagte er sich, als er mitbekam, dass die Kollegin Konnert im Begriff war, Jülich wieder zu verlassen. Lenzig ergriff die Initiative und schrieb eine Bewerbung, die im Presbyterium auf offene Ohren und Türen traf, denn das Gremium beschloss bereits am 30. Januar, ihn in die Pfarrstelle zu berufen. Das Landeskirchenamt in Düsseldorf, das solche personellen Angelegenheiten entscheidet, gab am 22. April grünes Licht. Zwar übernimmt Dr. Lenzig die Pfarrstelle offiziell erst am 1. August, doch ist er längst in die laufende Gemeindearbeit eingebunden und nimmt etwa an den Sitzungen des Presbyteriums teil.

Dass er nicht nur im übertragenen Sinne einen langen Atem hat, beweist Langläufer Lenzig alljährlich beim Marathon, wobei er seit zwölf Jahren für jeweils ein Rennen trainiert. „Es tut mir gut, mit dem Hund durch die Jülicher Börde zu laufen, dann ist der Tag gerettet“, lautet das Credo des Geistlichen, der auch die Sophienhöhe zu seinem Trainings-Terrain zählt und dort vor allem die „Ruhe pur“ schätzt. Bei seinen Läufen kam ihm auch der Gedanke, die künstlich geschaffene Erhebung zu nutzen, um dort die Bergpredigt einmal auf direktem Weg zu vermitteln und für die Gläubigen unmittelbar erfahrbar zu machen. Das Experiment im Frühjahr fand in der Gemeinde grandiosen Anklang.

Sein Pfarrhaus steht in Barmen

Auch wenn Lenzig Jülicher Pfarrer wird, so steht doch sein „Pfarrhaus“ weiter in Barmen, wo er mit Ehefrau und Tochter lebt. Das Gebäude genüge allen Ansprüchen eines Pfarrhauses, sagt der Seelsorger, der es vorzieht, zu den Menschen zu gehen. Zudem strebt er an, die Gemeinde, die nominell in zwei geographisch genau abgezirkelte Pfarrbezirke unterteilt ist, mit dem Kollegen Grothe gemeinsam als Team zu verwalten und voran zu bringen. Dazu will er die gut 5000 Gemeindemitglieder zum Gottesdienst einladen und zum Gespräch bitten.

Nachdem der 49-Jährige sich über Jahre auf die Religionspädagogik konzentriert hat, möchte er jetzt quasi mit der Gemeindearbeit zurück zu den Wurzeln, sich Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und der Seelsorge widmen. Dass er in der Vergangenheit festgestellt hat, dass er mit seinen Angeboten bei den Leuten „gut ankommt“, motiviert ihn, jetzt nachhaltigen Erfolg anzustreben: „Vielleicht schaffe ich es ja, die Menschen für den Glauben zu begeistern.“

Angesichts der Tatsache, dass er im November sein 50. Lebensjahr vollendet, sieht Dr. Lenzig jetzt den richtigen Zeitpunkt gekommen, die neue Herausforderung anzugehen. Der Einführungsgottesdienst ist bereits für Sonntag, 16. August, um 14 Uhr in der Christuskirche terminiert.

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