Pfarrer Dr. Kreßner hinterlässt große Lücke

Von: Antonius Wolters
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Nachfolge (noch) offen: Die Evangelische Kirchengemeinde Jülich verabschiedet am 29. März um 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Christuskirche Pfarrer Dr. Thomas Kreßner. Foto: Wolters

Jülich. In der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich neigt sich eine Ära dem Ende zu: Dr. Thomas Kreßner, der seit gut 30 Jahren als Pfarrer in der Herzogstadt wirkt, wird am Sonntag, 29. März, um 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Christuskirche verabschiedet.

Das Abschiedsfest ist terminiert, doch wer in die Fußstapfen des 60-jährigen Seelsorgers treten darf, ist noch völlig unklar. Während der Reformation wurde für die Kirchengemeinden das Recht erstritten, ihre Pfarrerin oder den Pfarrer selbst zu wählen. Doch der Sparzwang hat hier Änderungen herbeigeführt.

In jedem zweiten Besetzungsfall - so auch bei der Kreßner-Nachfolge - liegt das Vorschlagsrecht bei der Kirchenleitung, also der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Grund: Von den rund 1800 Pfarrern der Landeskirche sind knapp 120 keiner festen Stelle zugeordnet. Sie werden auch als „Pfarrer im Wartestand” bezeichnet. Nur die durften sich auf die vakante Stelle in dem Jülicher Pfarrbezirk bewerben, die bereits in der Dezember-Ausgabe des Kirchlichen Amtsblattes ausgeschrieben worden war.

Nur sechs Bewerbungen

Pfarrerin Karin Latour, die den anderen Jülicher Pfarrbezirk besetzt, berichtete auf Anfrage, dass beim Landeskirchenamt in Düsseldorf nur sechs Bewerbungen eingegangen sind. Das Jülicher Presbyterium habe die eingereichten Unterlagen gesichtet und drei Kandidaten zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Das Ergebnis hat offenbar die Erwartungen nicht erfüllt. So hat sich das Gremium dazu entschlossen, das Besetzungsverfahren noch einmal neu aufzurollen.

Das führt dazu, dass die Suchanzeige in der März-Ausgabe des Kirchlichen Amtsblattes mit dem gleichen Ausschreibungstext ein zweites Mal veröffentlicht wird. „Wir sehen dann, wer sich meldet”, schließt Pfarrerin Latour auch einen dritten Durchgang nicht aus, wenn sich das Presbyterium wieder nicht auf einen Kandidaten entscheiden kann, der später der Gemeinde beim entscheidenden Wahlgottesdienst präsentiert wird. Hier muss der Bewerber von den Gemeindemitgliedern mit einfacher Mehrheit gewählt werden. „Selbst wenn es schnell geht, wird die Pfarrstelle frühestens am 1. August neu besetzt”, rechnet Karin Latour mit einer längeren Vakanz.

Es sei indes auch möglich, dass die Kirchenleitung bei einer neuerlichen „Nullrunde” auf ihr Vorschlagsrecht verzichtet und die Stelle freigibt. Dann hätte die Jülicher Kirchengemeinde die Möglichkeit, einem weit größeren Kreis von jungen evangelischen Theologen anzusprechen, die derzeit nur sehr bescheidene berufliche Perspektiven haben. Da würde sich sicher ein geeigneter Kandidaten für die reizvollen Aufgaben der Pfarrstelle an einem attraktiven Standort finden lassen.

Die unierte Gemeinde reformierter Prägung besteht aus zwei Pfarrbezirken mit insgesamt über 5200 Mitgliedern in Jülich und den umliegenden Dörfern. Sie hat mit der Christuskiche ihr zentrales Gotteshaus und besitzt mit dem Bonhoeffer-Haus ein architektonisch attraktives Gemeindezentrum. Hier steht für den neuen Pfarrer auch eine geräumige Dienstwohnung zur Verfügung. Zum Dienstumfang gehören laut Ausschreibungstext auch vier Stunden Religionsunterricht, die an der Grundschule Jülich-Ost in Welldorf erteilt werden.

Doch zunächst nehmen die Protestanten aus dem gesamten Kirchenkreis Abschied von einer, so Karin Latour, „Institution, die das Gesicht dieser Gemeinde und auch das der Stadt Jülich sowie des Kirchenkreises geprägt hat”.
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