Pedelecs: Wertarbeit scheut kein scharfes Testverfahren

Von: tm
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Thomas Oellers begutachtet ein älteres Pedelec-Modell. Bei seinem Lieferanten durchläuft es die Tests in einem eigenen Prüflabor.
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Fahrradhändler Burkhard Langen fühlt sich mit seiner Eigenproduktion ohnehin auf der sicheren Seite.

Jülich. Sie hat für einige Verunsicherung und einigen Ärger gesorgt, die Untersuchung zur Sicherheit der Pedelecs durch den ADAC. Den neuen Trendrädern wurden darin etliche – zum Teil gravierende – Mängel bescheinigt. Den Test, durchgeführt durch die Stiftung Warentest, hatten nur wenige Pedelecs bestanden.

Die Freunde des Zweirads überlegten sich danach gut, ob und wo sie denn ein solches „Fahrzeug“ erwerben wollten. Fahrradhändler Burkhard Langen aus Gereonsweiler ärgert sich über die durch den Test ausgelöste Verunsicherung und empfindet die Testbedingungen als unfair und völlig überzogen. „Das ist so, als ob bei einem Pkw mit vier Insassen, der gegen einen Baum fährt, alle unverletzt bleiben müssen.“ Andererseits freut den Händler die Öffentlichkeit, da die Kunden besser informiert in sein Geschäft kämen. „Unsere Eigenproduktion hat den Test anstandslos bestanden, das ist für uns ein sehr gutes Signal.“

Viele vor allem junge Menschen entscheiden sich für das Pedelec als Ersatz für ein Zweitfahrzeug. Die Technik ist derzeit so ausgereift, dass Fahrten zur Arbeit und zurück für die Akkus kein Problem mehr darstellen. Die derzeit aber noch kräftigen Preise machen den Vergleich notwendig, zumal sich viele Anbieter auf dem wachsenden Markt tummeln.

„Das Pedelec ist auch ein wenig zum Statussymbol geworden“, urteilte Händler Langen, der weit über 200 Räder pro Jahr verkauft, sich aber bewusst auf ein bis zwei Antriebssysteme beschränkt. „Wir warten und reparieren unsere Räder.“ Das klingt lapidar, unterscheidet sich jedoch von Händlern, die defekte Räder grundsätzlich einschicken müssen, da entsprechende Techniker nicht zur Verfügung stehen. „Ich muss sehen, dass ich die wenigen angebotenen Fortbildungen auch erwische, damit ich auf dem neuesten Stand bin.“

Für Burkhard Langen hat sich durch den Test nichts besonders geändert. Sein grundsätzliches Misstrauen gegen solche Verfahren ist allenfalls gestiegen. Allerdings verweist er auch auf die vorgeschriebenen Maschinenrichtlinien, wie CE-Siegel, die Anschrift des Herstellers und besonders die EG-Konformitätserklärungen, die häufig bei preiswerten Modellen fehlen. Danach dürfen nach dem Kauf eines Pedelecs später keine technischen Veränderungen vorgenommen werden, was viele Käufer nicht wissen.

Ähnlich argumentiert auch der Jülicher Fahrradhändler Thomas Oellers. „Wenn man versucht, etwas kaputt zu testen, dann schafft man das auch.“ Der Jülicher lässt sich ebenfalls überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. „Mein Lieferant hat ein eigenes Prüflabor für Pedelecs, das hat die Stiftung Warentest nicht.“ Außerdem seien die Prüfkriterien nicht offengelegt worden.

Dennoch habe der Test Auswirkungen gezeigt. Die Kunden seien kritischer und fragten mehr. Das begrüßt auch Oellers, der sich insgesamt mit dem Geschäft zufrieden zeigt. „Ein Drittel meiner verkauften Räder sind Pedelecs.“ Der Boom seit etwa drei Jahren sei nicht abgeflaut. Thomas Oellers setzt auf deutsche Wertarbeit, auch wenn die Preise sich im oberen Segment bewegen.

Beide Händler kennen sich seit vielen Jahren im Bereich Pedelecs aus. Die Technik ist längst der Kinderstube entwachsen, moderne Diagnoseverfahren erleichtern die Wartung und Reparatur.

Ein Pedelec ist jedoch ein Fahrzeug, das normalem Verschleiß unterliegt. Wenn nach etwa fünf Jahren der unterstützende Schub nachlässt, weil der Akku in die Knie geht, werden schnell 400 bis 800 Euro fällig. Das müsse beim Kauf einfach mit bedacht werden, betonten die beiden Experten.

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