Parkinson: Der Arzt kommt jetzt per Video ins Haus

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Moderne Technik macht es mögl
Moderne Technik macht es möglich. Über den Computer kommt der Arzt nach Hause und kann so den Patienten bei alltäglichen Problemen helfen. Foto: imago/Insadco

Düren/Münster. Seit fast vier Wochen steht Werner Bloss jeden Tag im Rampenlicht. Morgens um neun Uhr das erste Mal: „Über einen kleinen Sender am Handgelenk schalte ich bei mir im Wohnzimmer die Video-Kamera und den Scheinwerfer ein”, berichtet der 81-Jährige aus Münster.

Aus einem Lautsprecher an der Kamera tönt die Stimme seines behandelnden Arztes Dr. Egon Rüttgers, Neurologe in Düren: „Setzen sie sich bitte vor der Kamera auf einen Stuhl und drehen sie ihre Hand, als ob sie eine Glühbirne einschrauben würden. Erst rechts, dann links.”

Diese Aufforderung ist der erste Baustein eines rund zweiminütigen Bewegungs-Checks. Werner Bloss leidet seit acht Jahren an Parkinson. Anfangs lassen sich die Symptome noch gut mit wenigen Medikamenten lindern. „Im Spätstadium der Parkinson-Krankheit wird die Behandlung schwieriger”, erklärt Rüttgers

„Der Patient entwickelt oft eine starke Muskelsteifheit oder macht überschießende Bewegungen.” Nur durch den Einsatz einer großen Bandbreite an Arzneimitteln können die Ärzte dem Kranken jetzt noch helfen. Patienten wie Bloss nehmen täglich bis zu acht verschiedene Präparate ein. Und hier beginnt das Problem:

Die Feinabstimmung der diversen Wirkstoffe ist so schwierig, dass sie bislang fast nur im Rahmen eines mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts erfolgt. „Aus unserer Sicht ist aber entscheidend, wie der Kranke im Alltag zurechtkommt. Deshalb wollen wir ihn auch dort beobachten”, argumentiert Wolfgang Spickermann, Geschäftsführer der ärztlich geführten Gesellschaft mvb, deren Gründer die ambulante Video-Begleitung entwickelt haben.

Laut Spickermann kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die Patienten sollen aktiv demonstrieren können, wo sie Probleme haben. „Eine Patientin zeigte uns beispielsweise vor der Kamera, dass ihr das Salatschneiden Schwierigkeiten bereitet.” Solche Sonder-Aufnahmen sind problemlos möglich, denn die Koblenzer Ärzte, die das System entwickelten, haben die Technik bewusst einfach gehalten. Der Benutzer kann die Kamera aber auch jederzeit anschalten, wenn er gerade auffällige Symptome an sich beobachtet. Während des Filmens beurteilt der Patient seinen aktuellen Zustand über ein Notensystem von eins („sehr gut”) bis fünf („schlecht”).

Nach der Aufnahme werden die Bilddaten über eine spezielle Netzverbindung den behandelnden Arzt geschickt. Zeitgleich können Parkinson-Experten in der Uniklinik Köln diese Bilder einsehen und zu Rate gezogen werden. „Sonst hat niemand Zugriff auf diese Informationen,” sagt Spickermann.

Anhand der Filmmitschnitte wird die Wirkung der Medikamente beurteilt und gegebenenfalls Änderungen der Dosis oder des Wirkstoffs vorgenommen.

Vermissen die Patienten den persönlichen Kontakt zum Arzt? „Nein”, sagt Werner Bloss. „Ich habe eher das Gefühl, den Arzt ständig an meiner Seite zu haben.” Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben: Vor wenigen Wochen noch musste Bloss die Beine beim Gehen nachziehen - ein typisches Parkinson-Problem. „Jetzt, nach der besseren Einstellung meiner Medikamente, kann ich deutlich besser laufen.”

Die Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinsonvereinigung informiert am Dienstag, 6. März, um 15 Uhr im Bürgerhaus Düren, Nörvenicher Straße 9, und am 7. März um 15.30 Uhr im Katholischen Pfarrheim im Aldenhoven bei Jülich über die Telemedizin. Der Eintritt ist kostenlos.
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